Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Spaßkultur und Technikbegeisterung kein Widerspruch

09.01.2007
Bildungsdiskussion geht an Bedürfnissen der Jugendlichen vorbei

2007 soll ganz im Zeichen der Geisteswissenschaften stehen. Doch die Ausstrahlung der Germanistik oder Geschichtswissenschaft auf die Öffentlichkeit ist nach Expertenmeinung eher marginal. Anders als in den angelsächsischen Ländern schotten sich manche Gelehrte gern von der breiten Masse ab und bewohnen ihre Eigentumswohnung im Elfenbeinturm.

Unter dem Motto "Geisteswissenschaften. ABC der Menschheit" wird das Wissenschaftsjahr 2007 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) http://www.bmbf.de gemeinsam mit der Initiative "Wissenschaft im Dialog" http://www.wissenschaft-im-dialog.de ausgerichtet.

Was bleibt aber vom Informatikjahr 2006? Es habe die Erwartungen seiner Organisatoren erfüllt. Bildungspolitiker und Informatiker zeigten sich zufrieden. Nun gelte es, die positiven Wirkungen nicht wie ein Strohfeuer verpuffen zu lassen und Technikfeindlichkeit, IT-Fachkräftemangel sowie digitale Spaltung weiterhin nachhaltig zu bekämpfen, berichtet das Onlineportal der ZDF-Nachrichtensendung heute http://www.heute.de . Die Experten fordern, der Informatik ein weiteres Wissenschaftsjahr zu widmen. Dass die Gesellschaft ein besonderes Interesse für Naturwissenschaften und Technik zeigt, daran meldet der frühere Ministerpräsident von Baden-Württemberg Lothar Späth erhebliche Zweifel an. Früher sei das anders gewesen: "Lokomotivführer und Astronauten waren lange Zeit Galionsfiguren der modernen Industriegesellschaft." Späth zufolge haben sich die kindlichen Berufswünsche geändert, "weil sich unsere Gesellschaft mit der Beherrschung von moderner Technik nicht mehr so stark identifiziert wie früher, geschweige denn den 'Fortschritt durch Technik' mit Leidenschaft betreibt". Cicero-Chefredakteur Wolfram Weimer habe darauf hingewiesen, dass die "Heldenkultur von einst", die Entdecker, Erfinder und Tüftler in den Mittelpunkt der Verehrung gerückt habe, der "Welt der Models, Fußballer und Showmaster" gewichen sei.

Schwierigkeiten mit einem solchen kulturkritischen Ansatz hat Michael Sander von der Lindauer Unternehmensberatung Terra Consulting Partners (TCP) http://www.terraconsult.de . "Späth will eine - wie er sagt - kulturelle Haltung überwinden, um Naturwissenschaften und Technik wieder stärker in den Mittelpunkt zu rücken. Eine solche geistig-moralische Wende ist sehr schwer zu bewerkstelligen. Angesichts des sich schon jetzt abzeichnenden Mangels an Fachkräften können wir uns das aber nicht leisten", sagt Sander. Man solle sich gar nicht darauf konzentrieren, den jungen Leuten ihren Spaß an Sportstars oder sonstigen Superstars zu vergällen, die sie täglich bei deren Arbeit im Fernsehen beobachten könnten. "Für mich heißt das, dass die Tüftler und Ingenieure noch stärker als bisher auf die jungen Leute zugehen müssen, zum Beispiel in den Schulen. Jugendliche begeistern sich doch durchaus für moderne Technik. Sie mögen Computer, Autos oder iPods. Es ist besser, durchaus auch den Spaßfaktor bei modernen Technik zu sehen. Früher wollten die Kinder ja schließlich auch Lokomotivführer oder Astronaut werden, weil sie sich diese Tätigkeiten als spannend vorstellten. Kein Kind möchte später Ingenieur werden, um das Land vor einem Mangel an Ingenieuren zu bewahren", so der Berater. "Wenn Späth plakativ Naturwissenschaft statt Selbstinszenierung fordert, ist mir das zu defensiv. Auch mit dem dauernden Lamento über den Hedonismus und die vermeintliche Oberflächlichkeit der Gesellschaft kommt man bei den Jugendlichen nicht weiter", betont Sander.

Die Wertediskussionen von Politikern, Pädagogen und Wissenschaftlern gehe nach Ansicht von Michael Müller, Geschäftsführer der auf IT-Dienstleistungen spezialisierten a&o-Gruppe http://www.ao-services.de und Wirtschaftssenator des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW), am Kern der Probleme in Deutschland vorbei: "Die Lehrkräfte vermitteln keine Technikbegeisterung, keinen Gründergeist und keine positive Einstellung zur Markwirtschaft. Das beweist der Global Entrepreneurship Monitor (GEM) der Universität Hannover. In der Kategorie' gesellschaftliche Werte und Normen, also der Akzeptanz von Selbständigen und Gründern, ist Deutschland mittlerweile ins unterste Drittel von 33 untersuchten OECD-Staaten abgerutscht. Eine Kultur des selbständigen Handelns wird in Schulen und Universitäten von den öffentlich-rechtlich abgesicherten Lehrern und Professoren nicht vermittelt. Bei der gründungsbezogenen schulischen Ausbildung liegen wir nur auf Platz 29. Selbst China hat uns überholt", kritisiert Müller gegenüber pressetext. Ökonomen, Naturwissenschaftler, Unternehmer und Erfinder würden in der Öffentlichkeit wenig Anerkennung genießen. "Hauptmeinungsbildner sind eher Schriftsteller und Kulturschaffende, die ihre antikapitalistischen und technikfeindlichen Ressentiments pflegen. In einem Land, dessen Zukunft von Wirtschaftskraft und technischem Fortschritt abhängt, ist das ein Alarmzeichen", warnt Müller. Links- und Rechtsintellektuelle verströmten keinen progressiven Geist. "Die meisten sind technologische Angsthasen, globalisierungsfeindlich eingestellt und hängen an überholten Kulturbildern, die mit der Lebenswelt des 21. Jahrhunderts nichts mehr zu tun haben", moniert Müller. Die staatszentrierte Sichtweise sei nach Auffassung Hans-Wolff Graf vom Bundesverband für Steuer-, Finanz- und Sozialpolitik http://www.zeitreport.de ein Ergebnis des politischen Systems. Selbständigkeit als Antrieb für Veränderungen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandel werde von den Staatsparteien überhaupt nicht gewünscht. "Unsere Politiker leben zu gut von dem System der Entmündigung", so Graff im Interview mit der Zeitschrift brandeins http://www.brandeins.de .

Gunnar Sohn | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.bmbf.de

Weitere Berichte zu: Erfinder Ingenieur Naturwissenschaft Spaßkultur

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Daseinsvorsorge in Stadt und Land sichern
08.11.2017 | Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)

nachricht 3, 2, 1, meins: Kaufentscheidungen im Labor erforscht
28.08.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Im Focus: Scientists decipher key principle behind reaction of metalloenzymes

So-called pre-distorted states accelerate photochemical reactions too

What enables electrons to be transferred swiftly, for example during photosynthesis? An interdisciplinary team of researchers has worked out the details of how...

Im Focus: Erstmalige präzise Messung der effektiven Ladung eines einzelnen Moleküls

Zum ersten Mal ist es Forschenden gelungen, die effektive elektrische Ladung eines einzelnen Moleküls in Lösung präzise zu messen. Dieser fundamentale Fortschritt einer vom SNF unterstützten Professorin könnte den Weg für die Entwicklung neuartiger medizinischer Diagnosegeräte ebnen.

Die elektrische Ladung ist eine der Kerneigenschaften, mit denen Moleküle miteinander in Wechselwirkung treten. Das Leben selber wäre ohne diese Eigenschaft...

Im Focus: The first precise measurement of a single molecule's effective charge

For the first time, scientists have precisely measured the effective electrical charge of a single molecule in solution. This fundamental insight of an SNSF Professor could also pave the way for future medical diagnostics.

Electrical charge is one of the key properties that allows molecules to interact. Life itself depends on this phenomenon: many biological processes involve...

Im Focus: Wie Metallstrukturen effektiv helfen, Knochen zu heilen

Forscher schaffen neue Generation von Knochenimplantaten

Wissenschaftler am Julius Wolff Institut, dem Berlin-Brandenburger Centrum für Regenerative Therapien und dem Centrum für Muskuloskeletale Chirurgie der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

2. Hannoverscher Datenschutztag: Neuer Datenschutz im Mai – Viele Unternehmen nicht vorbereitet!

16.01.2018 | Veranstaltungen

Fachtagung analytica conference 2018

15.01.2018 | Veranstaltungen

Tagung „Elektronikkühlung - Wärmemanagement“ vom 06. - 07.03.2018 in Essen

11.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal mit neuem Onlineauftritt - Lösungskompetenz für alle IT-Szenarien

16.01.2018 | Unternehmensmeldung

Die „dunkle“ Seite der Spin-Physik

16.01.2018 | Physik Astronomie

Wetteranomalien verstärken Meereisschwund

16.01.2018 | Geowissenschaften