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Studium mit Kind

29.11.2005


Familienfreundliche Universitäten sind wettbewerbsfähiger



Herrscht ein Gleichgewicht zwischen Hochschulalltag und privaten Verpflichtungen, wirkt sich dieses motivationssteigernd auf das Studium der jungen Mütter aus. Die Einrichtung von Kindertagesstätten an den Universitäten bringt erhebliche Wettbewerbsvorteile. So können die Studienabbruchquoten und die durchschnittliche Studiendauer von Studenten mit Kind gesenkt werden. Durch gezielte Förderung der Familienpolitik kann die Qualität der wissenschaftlichen Forschung gesichert und gefördert werden. Zu diesen Ergebnissen gelangt Dr. Clarissa Kurscheid in einer Studie, die Sie am Seminar für Sozialpolitik an der Universität zu Köln angefertigt hat und vom Studentenförderungsfonds der Universität zu Köln finanziert wurde. .



Insgesamt fehlen geeignete Rahmenbedingungen, die eine Elternschaft während des Studiums erleichtern. So gibt es an den deutschen Hochschulen nicht genügend Möglichkeiten der Kinderbetreuung. Nach dem Hochschulgesetz sind die Universitäten aber dazu aufgefordert, die besonderen Bedürfnisse von Studierenden mit Kind zu berücksichtigen. Einen kleinen Teil trägt das Berufsausbildungsgesetz (BaföG) dazu bei, indem es Auszubildenden mit Kind aus der Alterbegrenzung der Ausbildungsförderung ausnimmt und längere Fristen gewährt.

Die niedrige Geburtenrate unter den Akademikerinnen spiegelt sich auch bei den studierenden Müttern wieder. Mit nur sechs Prozent bilden Sie eine Minderheit an den deutschen Hochschulen. An der Universität zu Köln liegt Ihr Anteil mit 9,2 Prozent etwas über den bundesweiten Durchschnitt. So beklagen die Studentinnen am häufigsten, dass nicht genügend Kindertagesstätten zur Verfügung stehen. Es fehlen adäquate Betreuungen für die Kinder, so dass Vorlesungen und Seminare zum Studium unter Umständen nicht besucht werden.

Laut Dr. Kurscheid sind die wenigen Kindertagesstätten nur ungenügend an die speziellen Bedürfnisse der Studierenden angepasst. Zu den Kritikpunkten zählen lange Wartezeiten sowie starre Bring- und Abholzeiten, die nicht mit dem universitären Alltag abgestimmt sind. Außerdem fehlen Ganztagsbetreuungen, denn die meisten Kindergärten sind oft nur halbtags zu nutzen. Weiterhin bekommen Kleinkinder bis zu drei Jahren häufig gar keinen Hortplatz. Der Bedarf an Kinderhorten ist noch lange nicht gedeckt. So empfinden 70 Prozent der studierenden Mütter die Unterbringung der Kinder während der Uni als sehr problematisch.

Unter diesen Umständen ist der Abschluss des Studiums in Deutschland im besonderen Maße vom sozialen Umfeld abhängig. Familienmitglieder und Freunde passen auf das Kind auf, wenn wichtige Veranstaltungen in der Universität stattfinden oder Klausuren anstehen. Noch schwieriger gestaltet es sich für diejenigen, die zusätzlich zum Studium den Unterhalt selbst verdienen. Jeder zweite Student mit Kind ist dieser Mehrbelastung ausgesetzt. Um den Ansprüchen des Studiums, des Geldverdienens und der Kinderbetreuung gerecht zu werden, beantragen die Studierenden nicht selten Urlaubssemester. Dabei werden Studienverzögerungen von einem halben Jahr und länger in Kauf genommen.

Verantwortlich: Dr. Wolfgang Mathias

Für Rückfragen steht Ihnen Dr. Clarissa Kurscheid unter der Telefonnummer 0221/470-2648, der Fax-Nummer 0221/470-7085 und unter der E-Mail-Adresse kurscheid@wiso.uni-koeln.de zur Verfügung.

Gabriele Rutzen | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-koeln.de/pi/.

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