Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Welche Faktoren begünstigen eine Schwangerschafts-Depression?

19.11.2003


Studie der Psychiatrischen Universitätsklinik Heidelberg / Videoanalyse der Kommunikation zwischen Mutter und Kind


In einer umfassenden Untersuchung möchte die Psychiatrische Universitätsklinik Heidelberg neue Erkenntnisse zur Häufigkeit der Schwangerschafts-Depression, zu ihren auslösenden Faktoren und Therapiemöglichkeiten gewinnen. Mitarbeiter der Klinik werden in den kommenden Monaten Mütter in Entbindungsstationen von Heidelberger, Mannheimer und Darmstädter Kliniken auf eine Teilnahme an der Studie ansprechen.

"Wir möchten feststellen, wie häufig Schwangerschafts-Depressionen tatsächlich sind, welche Faktoren ihre Entwicklung fördern und welche davor schützen", erklärt Dr. Corinna Reck, Psychologin und Leiterin des Mutter-Kind-Projektes an der Heidelberger Klinik. Bislang geht man davon aus, dass etwa 10 Prozent der Mütter im ersten Jahr nach der Geburt an einer Depression leiden. Dabei handelt es sich um eine schwere psychische Erkrankung, die u.a. mit Trauer, Leeregefühlen sowie Versagensängsten und zwiespältigen Gefühlen gegenüber dem Kind einhergeht. Nicht gemeint ist dagegen der "Babyblues", auch "Heultage" genannt, die bei vielen Frauen innerhalb der erste Woche nach der Geburt auftreten und dann meist wieder folgenlos abklingen.


Mutter-Kind-Therapie soll vor psychischen Schäden bewahren

An der Psychiatrischen Universitätsklinik Heidelberg (Ärztliche Direktor: Professor Dr. Christoph Mundt) wird die "postnatale Depression", insbesondere die gestörte Beziehung zwischen Mutter und Kind, erforscht und behandelt. Seit vergangenem Jahr nimmt die Klinik Mütter mit ihren Kindern stationär auf oder bietet eine teilstationäre Behandlung an. "Kind und Mutter sind eine Einheit", sagt Dr. Reck. Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt: Nicht nur die psychischen Symptome der Mutter müssen behandelt werden, auch beim Umgang mit ihrem Kind braucht sie professionelle Unterstützung. Denn Babies, die ohne engen emotionalen Kontakt zur Mutter oder einer anderen Bezugsperson aufwachsen, tragen meist psychische Schäden davon, weit über das Säuglingsalter hinaus.

"Im zweiten Teil der Studie, die wir gemeinsam mit der Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie durchführen, möchten wir untersuchen, wie sich die Interaktion zwischen Mutter und Kind bei depressiven und gesunden Müttern unterscheidet", erklärt Kerstin Struben, Psychologin und Mitarbeiterin im Heidelberger Mutter-Kind-Projekt. Dafür sollen etwa 30 Mütter gewonnen werden, die bereit sind, sich beim Umgang mit ihrem Kind wiederholt filmen zu lassen und an psychologischen Tests teilzunehmen.

Interaktion zwischen Mutter und Kind wird im Videofilm analysiert

Bei der "Video-Mikroanalyse" wird die Interaktion zwischen Mutter und Kind in Bruchteilen von Sekunden von einer Videokamera aufgezeichnet und dann analysiert. Sie ist ein wichtiges diagnostisches Instrument der Heidelberger Mutter-Kind-Therapie. So lässt sich beispielsweise folgende Szene minutiös verfolgen, die bei herkömmlicher Beobachtung verborgen geblieben wäre: Ein Baby, das zunächst ständig von seiner Mutter abgewiesen wurde, reagiert auf ihre nunmehr aggressiven Zuwendungsversuche mit starker Abwehr. Es reißt beide Arme empor und verdeckt schützend sein Gesicht. Die Heidelberger Wissenschaftler wollen zudem anhand von Speichelproben untersuchen, wie viel Stresshormon (Cortisol) die Babies produzieren.

Erkrankten Frauen wird in der Heidelberger Klinik eine Therapie angeboten, zunächst die Behandlung der Depression mit Medikamenten und Psychotherapie. Wenn sich der psychische Zustand stabilisiert hat, widmet sich der Therapeut der Interaktion mit dem Kind. "Um eine tragfähige Beziehung zwischen Mutter und Kind herzustellen, reicht das ’Rooming in’ nicht aus", sagt Corinna Reck.

Weitere Informationen:
Dr. Corinna Reck
Psychiatrische Universitätsklinik
Abteilung Allgemeine Psychiatrie
Tel. 06221/56-4465
E-Mail: Corinna_Reck@med.uni-heidelberg.de

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-heidelberg.de

Weitere Berichte zu: Baby Depression Interaktion Schwangerschafts-Depression

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Deutschland wächst – aber nicht überall
24.04.2018 | Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)

nachricht Daseinsvorsorge in Stadt und Land sichern
08.11.2017 | Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Überdosis Calcium

Nanokristalle beeinflussen die Differenzierung von Stammzellen während der Knochenbildung

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Freiburg und Basel haben einen Hauptschalter für die Regeneration von Knochengewebe identifiziert....

Im Focus: Overdosing on Calcium

Nano crystals impact stem cell fate during bone formation

Scientists from the University of Freiburg and the University of Basel identified a master regulator for bone regeneration. Prasad Shastri, Professor of...

Im Focus: AchemAsia 2019 in Shanghai

Die AchemAsia geht in ihr viertes Jahrzehnt und bricht auf zu neuen Ufern: Das International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production findet vom 21. bis 23. Mai 2019 in Shanghai, China statt. Gleichzeitig erhält die Veranstaltung ein aktuelles Profil: Die elfte Ausgabe fokussiert auf Themen, die für Chinas Prozessindustrie besonders relevant sind, und legt den Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit und Innovation.

1989 wurde die AchemAsia als Spin-Off der ACHEMA ins Leben gerufen, um die Bedürfnisse der sich damals noch entwickelnden Iindustrie in China zu erfüllen. Seit...

Im Focus: AchemAsia 2019 will take place in Shanghai

Moving into its fourth decade, AchemAsia is setting out for new horizons: The International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production will take place from 21-23 May 2019 in Shanghai, China. With an updated event profile, the eleventh edition focusses on topics that are especially relevant for the Chinese process industry, putting a strong emphasis on sustainability and innovation.

Founded in 1989 as a spin-off of ACHEMA to cater to the needs of China’s then developing industry, AchemAsia has since grown into a platform where the latest...

Im Focus: Li-Fi erstmals für das industrielle Internet der Dinge getestet

Mit einer Abschlusspräsentation im BMW Werk München wurde das BMBF-geförderte Projekt OWICELLS erfolgreich abgeschlossen. Dabei wurde eine Li-Fi Kommunikation zu einem mobilen Roboter in einer 5x5m² Fertigungszelle demonstriert, der produktionsübliche Vorgänge durchführt (Teile schweißen, umlegen und prüfen). Die robuste, optische Drahtlosübertragung beruht auf räumlicher Diversität, d.h. Daten werden von mehreren LEDs und mehreren Photodioden gleichzeitig gesendet und empfangen. Das System kann Daten mit mehr als 100 Mbit/s und fünf Millisekunden Latenz übertragen.

Moderne Produktionstechniken in der Automobilindustrie müssen flexibler werden, um sich an individuelle Kundenwünsche anpassen zu können. Forscher untersuchen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Hengstberger-Symposium zur Sternentstehung

19.06.2018 | Veranstaltungen

LymphomKompetenz KOMPAKT: Neues vom EHA2018

19.06.2018 | Veranstaltungen

Simulierter Eingriff am virtuellen Herzen

18.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Rätselhaftes IceCube-Ereignis könnte von Tau-Neutrino stammen

19.06.2018 | Physik Astronomie

Automatisierung und Produktionstechnik – Wandlungsfähig – Präzise – Digital

19.06.2018 | Messenachrichten

Überdosis Calcium

19.06.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics