Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

PALME ELTERNTRAINING: Hilfe für Allein-Erziehende

25.04.2008
Rund zwanzig Prozent aller Kinder in Deutschland wachsen bei nur einem Elternteil auf, davon 85 Prozent bei der Mutter. Etwa 600.000 dieser Kinder sind unter sechs Jahren alt. Sie haben verschiedenen Studien zufolge ebenso wie die Mütter ein deutlich höheres Risiko gesundheitlicher oder seelischer Beeinträchtigungen.

Genau um diese Mütter und Kinder geht es in dem von Prof. Dr. Matthias Franz (Klinisches Institut für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie) entwickelten PALME Elterntraining (Präventionsgruppe für allein erziehende Mütter geleitet von Erzieherinnen; http://www.palme-elterntraining.de).

Das Programm wird von einem Paar (Mann/Frau) speziell geschulter Erzieher/innen über insgesamt 20 Gruppensitzungen für zehn bis zwölf Müttern durchgeführt.

Diese Gruppenleiter/innen wurden zuvor in einem mehrtägigen Training speziell geschult. Die Schulung umfasst neben theoretischen Kenntnissen - beispielsweise zur Bindungstheorie, Entwicklungspsychologie oder Gruppendynamik - auch die detaillierte Vermittlung des umfangreichen Manuals, das gerade neu als Buch erschienen ist. Ein Angebot zur Betreuung der Kinder der allein erziehenden Mütter und Supervision für die Gruppenleiter/innen runden das Elterntraining ab.

... mehr zu:
»Elterntraining »PALME

Zentrale Ziele dieses Elterntrainings sind:

o die Stabilisierung der Mutter-Kind-Beziehung
o die Stärkung der intuitiven Elternfunktionen
o die Verbesserung der elterlichen Einfühlung in das Erleben des Kindes
o eine verbesserte und differenzierende Affektwahrnehmung
o die Bearbeitung unbewusster Delegationen (z.B. Überforderung des Kindes durch Übernahme elterlicher Funktionen in der Familie)
o Einübung sozialer und elterlicher Kompetenzen
o Bearbeitung evtl. bestehender Selbstwertprobleme und Schuldgefühle.
Mittlerweile wurde das Training mit über 120 Müttern umgesetzt und erprobt. In weit über hundert Kindertagesstätten in Neuss, Hilden und Dormagen wurde allein erziehenden Müttern das Programm angeboten.

In der gerade nach dreijähriger Forschungsarbeit abgeschlossenen Evaluation von acht Gruppen (61 Müttern) aus Hilden und Neuss zeigte sich, dass die teilnehmenden Mütter sehr zufrieden waren. Sie gaben an, ihr Kind besser zu verstehen und sich besser in die Gefühle und Bedürfnisse ihrer Kinder einfühlen zu können. Waren zu Beginn des Elterntrainings 35 Prozent der Mütter sogar deutlich depressiv, so wurde dieser Anteil am Ende mit 15 Prozent mehr als halbiert. Dies ist deshalb von besonderer Bedeutung, weil die länger anhaltende Depressivität der Mutter sehr häufig auch das Kind beeinträchtigt.

Des weiteren reduzierte sich der Anteil der psychisch/psychosomatisch stark belasteten Mütter von 58 Prozent auf 15 Prozent. 39 Prozent der Mütter litten zu Beginn unter stressbedingten psychosomatischen Körperbeschwerden. Nach der PALME-Intervention waren es nur noch 4 Prozent. Der Anteil stark verunsicherter, ängstlicher Mütter sank entsprechend von 42 Prozent auf 15 Prozent.

Auch im Umgang mit ihren Gefühlen zeigten sich günstige Veränderungen: 42 Prozent der Mütter konnten vor Beginn der PALME-Gruppen ihre Gefühle kaum oder nicht akzeptieren. Nach den PALME-Gruppen betrug dieser Anteil nur noch 8 Prozent. 35 Prozent der Mütter hatten Schwierigkeiten ihre Gefühle differenziert wahrzunehmen, nach PALME waren es nur noch 15 Prozent. Diese Effekte waren statistisch bedeutsam.

Solche positiven Entwicklungen der PALME-Mütter vermitteln sich auch den Kindern. Auch die Erzieherinnen in den KiTas nahmen einen statistisch signifikanten Rückgang an Problemverhalten der Kinder wahr, anders als in der Kontrollgruppe.

Diese positiven Effekte des Elterntrainings waren zeitlich stabil und z.T. noch nach über einem Jahr nach Beendigung der PALME-Gruppe nachweisbar.

Alle Einflüsse, welche die zuverlässige und feinfühlige Beziehungsaufnahme der Mutter zu ihrem Kind beeinträchtigen, können langfristig einen negativen Einfluss auf die seelische Entwicklung sowie die sozialen und schulischen Fähigkeiten des Kindes nehmen. Dies gilt insbesondere dann, wenn keine Schutzfaktoren wie z.B. eine weitere emotional positiv eingestellte und zuverlässig verfügbare Bezugsperson für Mütter und Kinder vorhanden ist.

Beispielsweise sind alleinerziehende Mütter in einer schweren Partnerschaftskrise in ihrer emotionalen Zuwendungsfähigkeit nicht selten eingeschränkt und selber häufig unterstützungsbedürtig. So können sich Mütter gerade dann ihrem Kind nicht so gut zuwenden, wenn es das Kind am nötigsten braucht. Zum Beispiel in einer Übergangs- oder Ablösesituation - wie sie durch Kindergarten- oder Schuleintritt gegeben ist - benötigen Kinder stabile und einfühlungsfähige Bezugspersonen. Ohne emotionale Unterstützung zur Bewältigung dieser neuen Entwicklungsanforderung sind sie mit der selbstständigen Bewältigung einhergehender emotionaler Spannungs- und Stresszustände nicht selten überfordert. Das Wohlbefinden des Kindes hängt dann sehr davon ab, ob das Kind über eine einfühlsame Bezugsperson verfügt. Hier kann ein präventives Elterntraining wie PALME über die Unterstützung der Mutter einen positiven Einfluss ausüben.

Das mittlerweile vom Bundesfamilienministerium angezielte bundesweite Angebot von PALME in den Mehrgenerationenhäusern stellt nach der erfolgreichen wissenschaftlichen Evaluation von PALME einen bedeutsamen Schritt dar. Er kann dazu führen, dass einer großen Anzahl interessierter Mütter dieses Gruppenprogramm offen steht. Die jetzt gerade wieder in Düsseldorf stattfindende Schulung zukünftiger PALME-GruppenleiterInnen durch das Team um Prof. Franz dient diesem Ziel.

Kontakt:
Prof. Dr. Matthias Franz (0211) 81-18855
E-Mail: matthias.franz@uni-duesseldorf.de

Dr. Victoria Meinschäfer | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-duesseldorf.de

Weitere Berichte zu: Elterntraining PALME

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Mathematische Algorithmen berechnen soziales Verhalten
14.11.2016 | Technische Universität München

nachricht Schrumpfende Gesellschaften: Welcher Umgang mit den Folgen des demografischen Wandels?
18.10.2016 | Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Das Universum enthält weniger Materie als gedacht

07.12.2016 | Physik Astronomie

Partnerschaft auf Abstand: tiefgekühlte Helium-Moleküle

07.12.2016 | Physik Astronomie

Bakterien aus dem Blut «ziehen»

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie