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Klimawandel als Top-Risiko wahrgenommen

19.12.2007
Die Klimadiskussion hat ein Umdenken bewirkt: Vier Fünftel der Schweizer Bevölkerung erkennen heute ein hohes Mass der Gefährdung durch den Klimawandel, 1994 waren es etwas mehr als die Hälfte. Das Umweltwissen weist dagegen noch erhebliche Lücken auf. Dies geht aus dem Umweltsurvey 2007 hervor.

Wie reagiert die Bevölkerung auf die Probleme des Klimawandels? Wie gross ist das Wissen über ökologische Zusammenhänge und wie werden die Risiken von Gentechnik, Kernkraft, aber auch von Alltagsgeräten wie Mobiltelefonen wahrge-nommen? Eine 2007 durchgeführte landesweite Befragung - Umweltsurvey 2007 - liefert Antworten auf diese Fragen. Diese Befragung knüpft an eine ähnliche Erhe-bung der Umwelteinstellungen und des Umweltverhaltens an, die 1994 durchgeführt wurde.

In der allgemeinen Wahrnehmung der befragten Personen rangieren Umweltprobleme (79%) an dritter Stelle auf der Dringlichkeitsskala hinter der Finanzierung der AHV (88%) und den Gesundheitskosten (88%). Aktuell schätzen mehr als vier Fünftel (82%) der Schweizer Wohnbevölkerung "die Gefahr vom Treibhauseffekt und von der Klimaerwärmung für Mensch und Umwelt" als hoch ein (Antworten 4 oder 5 auf einer Skala von 1 "überhaupt keine Gefahr" bis 5 "sehr hohe Gefahr") - 1994 waren es erst 54%.

Die Grundeinstellung zur Umweltproblematik hat sich dagegen kaum verändert. Die Einschätzung, "wenn wir so weitermachen wie bisher, steuern wir auf eine Umweltkatastrophe zu", teilten damals 70% der Bevölkerung. Heute stimmen 66% der Befragten dieser Aussage zu. Nur noch 29% statt früher 34% glauben, dass das Umweltproblem übertrieben wird und etwas mehr als 60% sind damals wie heute der Auffassung, "dass die Politiker viel zu wenig für den Umweltschutz tun". Die Bereitschaft, den Lebensstandard zugunsten der Umwelt einzuschränken, bekundeten 64% in der Befragung von 1994 und 68% im Survey 2007. Ein aus mehreren Fragen gebildeter Index des allgemeinen Umweltbewusstseins zeigt, dass das allgemeine Umweltbewusstsein seit der ersten Befragung 1994 relativ stabil geblieben ist. Befragt wurden die Leute auch zu möglichen Massnahmen im Individualverkehr: Mit 95% sehr hoch ist die Zustimmung zu Partikelfiltern für Dieselmotoren. Auch die Einführung einer "obligatorischen Abgabe auf Benzin und Diesel zur Reduktion der Treibhausgase" wird mit deutlicher Mehrheit befürwortet (61%), auch in der Romandie.

Umweltwissen noch lückenhaft

Seit der letzten Befragung hat sich das Umweltwissen zwar leicht verbessert, aber es ist noch lückenhaft. Die überwiegende Mehrheit der Befragten (89%) ist darüber im Bilde, dass die Verbrennung von Öl, Kohle und Gas zum Treibhauseffekt bei-trägt (80% im Survey 1994). Auf die Frage, "welches Gas hauptsächlich zum Treib-hauseffekt beiträgt", nannten gerade mal 42% der Befragten (Survey 1994: 33%) die richtige Antwort (CO2). Die Verwechslung von Treibhauseffekt und Ozonloch ist immer noch weit verbreitet, wenn auch in etwas geringerem Masse als früher. Die falsche Behauptung "Die Ursache für den Treibhauseffekt ist ein Loch in der Erdatmosphäre" wird von 35% erkannt, im Survey 1994 waren es 29%.

Französische Schweiz "grüner" geworden

Wie schon 1994 übertrifft auch im Survey 2007 das Umweltbewusstsein der Frauen dasjenige der Männer und der Bildungsgrad hat weiterhin einen positiven Einfluss auf das Umweltbewusstsein. Anders verhält es sich mit den Merkmalen "Alter" und "Sprachgebiet". Beide haben im Survey 2007 keinen Einfluss mehr auf das Ausmass des Umweltbewusstseins. Zumindest beim allgemeinen Umweltbewusstsein ist eine Angleichung erfolgt, der Röstigraben beim Umweltbewusstsein eingeebnet. Dieser Bewusstseinswandel kann eine Erklärung liefern für die jüngsten Erfolge grüner Politik bei den Wahlen in der Romandie.

Unterschiedliche Risiko-Wahrnehmung

Als grösste Gefahren werden - in allen Sprachregionen - die ökologischen Risiken eingestuft. Auch die Umweltbelastung und Unfälle durch den Autoverkehr, Kernkraft und Gentechnik bei Lebensmitteln werden mehrheitlich als gravierendes Risiko betrachtet. In der französischen und in der italienischen Schweiz ist das Risikobewusstsein bei der Kernkraft noch stärker ausgeprägt als in der Deutschschweiz. Gefahren der Gentechnik werden weniger bei der Medizin, dagegen in höherem Masse bei Nahrungsmitteln wahrgenommen.

Auffallend ist die Differenz in der Risikowahrnehmung zwischen der Deutschschweiz und der französischen Schweiz bei der Umweltbelastung und Unfällen durch Autoverkehr. In der Romandie werden diese Gefahren deutlich geringer bewertet als in der Deutschschweiz. Immerhin rund 37% der Befragten sehen Risiken beim Gebrauch von Mobiltelefonen bzw. 39% durch Antennen für die Mobiltelefonie und etwas mehr als ein Drittel der Bevölkerung betont Gefahren durch Hochspannungsleitungen.

Mit Ausnahme der Klimaerwärmung und des Autoverkehrs vermindert sich bei den übrigen Techniken die Risikowahrnehmung mit ansteigendem Bildungsgrad. Alle Risiken werden von Frauen in höherem Masse wahrgenommen als von Männern.

Erhebungsmethode

Der Umweltsurvey basiert auf einer Zufallsstichprobe aus der erwachsenen Wohnbevölkerung der Schweiz mit registrierten Telefonanschlüssen. Die telefonische Befragung von 3369 Haushalten erfolgte im Zeitraum von November 2006 bis März 2007 durch das Link-Institut. Die Ausschöpfungsquote beträgt 52 Prozent. An das telefonische Interview schloss sich eine schriftliche Nachbefragung an. 83 Prozent der telefonisch interviewten Personen haben sich an der schriftlich-postalischen Umfrage beteiligt.

ETH-Studie Schweizer Umweltsurvey 2007: Klimawandel, ökologische Risiken und Umweltbe-wusstsein in der Schweizer Bevölkerung, Prof. Dr. Andreas Diekmann und lic.rer.soc. Reto Meyer.

Roman Klingler | idw
Weitere Informationen:
http://www.socio.ethz.ch/news/index

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