Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Attraktive Gesichter bekommen mehr Aufmerksamkeit

21.04.2015

Attraktive Gesichter fesseln die Aufmerksamkeit: dies gilt besonders für Männer, die schöne Frauengesichter sehen. Zu diesem Ergebnis kommen Psychologen der Universität Wien in einer aktuellen Studie. In zwei Experimenten zeigten sie 80 Probanden unterschiedlich attraktive Gesichter von Männern und Frauen. Es zeigte sich, dass schöne Gesichter - unabhängig vom Geschlecht - länger angeschaut werden als unattraktive Gesichter. Unterschiede gibt es aber auf der Seite des Betrachters - und zwar zwischen Männern und Frauen.

Aus der Attraktivitätsforschung ist schon länger bekannt, dass bestimmte Merkmale, wie zum Beispiel die Symmetrie eines Gesichts, allgemein als schön bewertet werden. Weniger bekannt ist, ob das, was man schön findet, auch unwillkürlich die Aufmerksamkeit beeinflusst.


FIGURE 1. Morphed faces served as stimuli in Experiments 1 and 2. Each face was a composite produced by averaging three natural faces using image processing software. There were two versions of each face, one with blue eyes and one with brown eyes (only one version is depicted). Natural faces (which were the basis for the morphs but also served as a separate set of stimuli in Experiment 1) are not depicted due to privacy reasons.

Die Forschergruppe um den Kognitionspsychologen Ulrich Ansorge ist der Frage nachgegangen, ob die Attraktivität von Gesichtern Auswirkungen auf Aufmerksamkeit und auf schnelle, sprunghafte Augenbewegungen hat – und ob es hierbei möglicherweise Geschlechtsunterschiede gibt.

Blicke bleiben an schönen Gesichtern länger hängen

Im ersten Experiment zeigten sie 40 Probanden am Computer Bilder von unterschiedlich attraktiven Männer- und Frauengesichtern. Nach einer Sekunde erschien zusätzlich ein Punkt auf dem Bildschirm und die Aufgabe der Versuchsteilnehmerinnen und –teilnehmer bestand darin, so schnell wie möglich auf diesen Punkt zu schauen.

Es wurde registriert, wie lange es dauerte, bis der Punkt fixiert wurde und welche Augenbewegungen dabei erfolgten. Nach Abschluss mehrerer Versuchsdurchgänge beurteilten die Probanden zusätzlich alle Gesichter hinsichtlich ihrer Attraktivität.

Es zeigte sich, dass die Aufmerksamkeit von attraktiven Gesichtern langsamer abgewandt wurde als von weniger attraktiven Gesichtern. Betrachter bleiben bei einem schönen Gesicht also länger „hängen“.

Männer reagieren schneller auf attraktive weibliche Gesichter

Im zweiten Experiment wollten die Forscher wissen, ob schöne Gesichter die Aufmerksamkeit bei Frauen und Männern in gleichem Maße anziehen. Dazu wurden 20 Frauen und 20 Männern am Bildschirm gleichzeitig zwei schöne Gesichter unterschiedlichen Geschlechts gezeigt.

Zunächst sollten sie einen Punkt in der Mitte des Bildschirms zwischen den Gesichtern fixieren. Nach kurzer Zeit erschien um ein Gesicht ein grüner und um das andere ein gelber Rahmen. Die Beteiligten sollten ihren Blick so schnell wie möglich auf das Gesicht im gelben Rahmen lenken. Mal befand sich im gelben Rahmen das Gesicht einer schönen Frau, mal das Gesicht eines schönen Mannes.

Die Autoren analysierten auch hier wieder Reaktionsgeschwindigkeit und Blickbewegungen. Sie fanden, dass männliche Versuchspersonen schneller auf attraktive weibliche Gesichter als auf attraktive männliche Gesichter reagierten – während es bei weiblichen Versuchspersonen keinen solchen Effekt gab. Frauen reagierten sowohl auf attraktive Männer als auch auf attraktive Frauengesichter ähnlich schnell.

Auch die subjektiven Attraktivitätsurteile in beiden Experimenten zeigten, dass Männer Frauengesichter als attraktiver bewerteten als die Gesichter von anderen Männern.

„Schöne Gesichter bekommen mehr Aufmerksamkeit. Das konnten wir mit unserer Analyse des Blickverhaltens zeigen. Zwar haben wir uns vor allem auf die Schönheit der Gesichter beschränkt, aber unsere Methoden kann man problemlos auf andere Objekte und Fragestellungen anwenden“, sagt Christian Valuch, der die Studie durchgeführt hat.

„Ein besseres Verständnis der menschlichen Aufmerksamkeit ist zum Beispiel auch für die gute Gestaltung von Unterrichtsmaterialien und Medieninhalten, wie Büchern oder Videos und die klinische Forschung relevant, die zunehmend an Aufmerksamkeitsprozessen interessiert ist“, ergänzt Prof. Ulrich Ansorge.

Die Originalstudie finden Sie hier:
Valuch, C., Pflüger, L. S., Wallner, B., Laeng, B., & Ansorge, U. (2015). Using eye tracking to test for individual differences in attention to attractive faces. Frontiers in Psychology, 6:42. doi:10.3389/fpsyg.2015.00042

Weitere Informationen:
Christian Valuch
Forschungsplattform Cognitive Science
Universität Wien – Fakultät für Psychologie
Liebiggasse 5
A-1010 Wien
Tel. (0043) 1 4277 22009
Email: christian.valuch@univie.ac.at
Web: http://homepage.univie.ac.at/christian.valuch/

Univ.-Prof. Dr. Ulrich Ansorge
Professur für Kognitionspsychologie
Universität Wien – Fakultät für Psychologie
Liebiggasse 5
A-1010 Wien
Tel. (0043) 1 4277 47140
Email: ulrich.ansorge@univie.ac.at
Web: https://homepage.univie.ac.at/ulrich.ansorge/

Pressestelle der DGPs:
Dr. Anne Klostermann
Referentin für Öffentlichkeitsarbeit
Marienstr. 30
10117 Berlin
Tel.: 030 28047718
E-Mail: pressestelle@dgps.de

Weitere Informationen:

http://journal.frontiersin.org/article/10.3389/fpsyg.2015.00042/full

Dr. Anne Klostermann | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Mathematische Algorithmen berechnen soziales Verhalten
14.11.2016 | Technische Universität München

nachricht Schrumpfende Gesellschaften: Welcher Umgang mit den Folgen des demografischen Wandels?
18.10.2016 | Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher entschlüsseln, wie Pflanzen ihre Blätter abwerfen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

"Wächter des Genoms": Forscher aus Halle liefern neue Einblicke in die Struktur des Proteins p53

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Einzelne Proteine bei der Arbeit beobachten

08.12.2016 | Biowissenschaften Chemie