Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wann sind wir alt?

14.08.2008
Forscher der Universität Jena untersuchen Dimensionen und Deutungsmuster des Alterns

Die historische Alterspyramide gibt es nicht mehr - aus ihr ist längst ein Pilz geworden. Für das Jahr 2050 prognostiziert das Statistische Bundesamt, dass ein Drittel der Deutschen älter als 60 Jahre sein wird. Umgekehrt nimmt der Anteil der jungen Menschen weiter ab. Der Altersaufbau wird sich dann innerhalb von hundert Jahren umgekehrt haben: 2050 wird es mehr als doppelt so viele ältere wie junge Menschen geben.

"Wenn über Altersstrukturen diskutiert wird, ist es notwendig zu klären, was 'Alter' überhaupt für den Einzelnen bedeutet", erklärt Prof. Dr. Stephan Lessenich von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Dies wird der Jenaer Professor für Vergleichende Gesellschafts- und Kulturanalyse in dem jetzt bewilligten Forschungsprojekt "Zonen des Übergangs.

Dimensionen und Deutungsmuster des Alterns bei jungen, älteren und alten Menschen" gemeinsam mit Forschern aus der Erziehungswissenschaft, Psychologie und Psychosozialen Medizin in Angriff nehmen. Dabei will das interdisziplinäre Forscherteam in den kommenden drei Jahren nach Alternativen zur gängigen Grenzziehung durch starre Altersgrenzen suchen. Die Untersuchung geht von der subjektiven Wahrnehmung von Altersübergängen aus. Statt klarer Altersgrenzen erwartet das Forschungsteam "Zonen des Übergangs" zu finden.

"Die Entscheidung, in welcher Altersphase sich ein Mensch befindet, ist von vielen Faktoren abhängig und sehr stark individuell geprägt", erklärt Lessenichs Kollegin Dr. Silke van Dyk. "Aber auch soziale Strukturen, etwa der Bildungsstand oder die Einbindung in soziale Netzwerke, spielen eine wichtige Rolle bei der Selbstwahrnehmung des Alters." Über diese individuellen und sozialstrukturellen Prägungen der Altersübergänge soll die Befragung junger, älterer und alter Menschen Aufschluss geben.

Zur Erhebung der Daten werden mit 100 Probanden Interviews geführt und zum anderen standardisierte Instrumente zur Ermittlung von Altersstereotypen und Einflussfaktoren der Widerstandsfähigkeit eingesetzt. Gerade die Erfahrungsberichte der Probanden werden ein wichtiges Instrument für die Studie sein. "Wie stellen sich junge Menschen das 'hohe Alter' vor? Wie haben es die Alten tatsächlich erlebt? Das sind spannende Gegenüberstellungen für unsere Arbeit", so van Dyk.

Durchgeführt wird das Forschungsprojekt, das von der VolkswagenStiftung mit 460.000 Euro gefördert wird, durch eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe, die soziologische, psychologische, psychosoziale und sozialpädagogische Altersforscher in sich vereint. "Die Zusammensetzung der Projektgruppe erlaubt es, empirisch ein breites Feld der subjektiven Alterserfahrung zu berücksichtigen und aufeinander zu beziehen", ist sich Prof. Lessenich sicher.

"Durch die angekündigten Umbrüche und den resultierenden Umbau des Sozialstaates beginnt eine Neuverhandlung über die Rolle der Alten in der Gesellschaft", weiß der Experte von der Universität Jena. Vor allem für die zukünftige politisch-soziale Gestaltung des Alters und Alterns sollen die Ergebnisse eine Grundlage bilden. "Wir möchten Anknüpfungspunkte liefern, eine gelungene Lebensführung im höheren und hohen Alter aufzubauen, vielleicht sogar politisches Handeln anzuleiten und uns damit der demografischen Herausforderung stellen", so der Jenaer Soziologe.

Kontakt:
Prof. Dr. Stephan Lessenich
Institut für Soziologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Carl-Zeiß-Str. 2, 07743 Jena
Tel.: 03641/945571
E-Mail: stephan.lessenich[at]uni-jena.de

Katrin Czerwinka | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Deutschland wächst – aber nicht überall
24.04.2018 | Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)

nachricht Daseinsvorsorge in Stadt und Land sichern
08.11.2017 | Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vielseitige Nanokugeln: Forscher bauen künstliche Zellkompartimente als molekulare Werkstatt

Wie verleiht man Zellen neue Eigenschaften ohne ihren Stoffwechsel zu behindern? Ein Team der Technischen Universität München (TUM) und des Helmholtz Zentrums München veränderte Säugetierzellen so, dass sie künstliche Kompartimente bildeten, in denen räumlich abgesondert Reaktionen ablaufen konnten. Diese machten die Zellen tief im Gewebe sichtbar und mittels magnetischer Felder manipulierbar.

Prof. Gil Westmeyer, Professor für Molekulare Bildgebung an der TUM und Leiter einer Forschungsgruppe am Helmholtz Zentrum München, und sein Team haben dies...

Im Focus: LZH showcases laser material processing of tomorrow at the LASYS 2018

At the LASYS 2018, from June 5th to 7th, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) will be showcasing processes for the laser material processing of tomorrow in hall 4 at stand 4E75. With blown bomb shells the LZH will present first results of a research project on civil security.

At this year's LASYS, the LZH will exhibit light-based processes such as cutting, welding, ablation and structuring as well as additive manufacturing for...

Im Focus: Kosmische Ravioli und Spätzle

Die inneren Monde des Saturns sehen aus wie riesige Ravioli und Spätzle. Das enthüllten Bilder der Raumsonde Cassini. Nun konnten Forscher der Universität Bern erstmals zeigen, wie diese Monde entstanden sind. Die eigenartigen Formen sind eine natürliche Folge von Zusammenstössen zwischen kleinen Monden ähnlicher Grösse, wie Computersimulationen demonstrieren.

Als Martin Rubin, Astrophysiker an der Universität Bern, die Bilder der Saturnmonde Pan und Atlas im Internet sah, war er verblüfft. Die Nahaufnahmen der...

Im Focus: Self-illuminating pixels for a new display generation

There are videos on the internet that can make one marvel at technology. For example, a smartphone is casually bent around the arm or a thin-film display is rolled in all directions and with almost every diameter. From the user's point of view, this looks fantastic. From a professional point of view, however, the question arises: Is that already possible?

At Display Week 2018, scientists from the Fraunhofer Institute for Applied Polymer Research IAP will be demonstrating today’s technological possibilities and...

Im Focus: Raumschrott im Fokus

Das Astronomische Institut der Universität Bern (AIUB) hat sein Observatorium in Zimmerwald um zwei zusätzliche Kuppelbauten erweitert sowie eine Kuppel erneuert. Damit stehen nun sechs vollautomatisierte Teleskope zur Himmelsüberwachung zur Verfügung – insbesondere zur Detektion und Katalogisierung von Raumschrott. Unter dem Namen «Swiss Optical Ground Station and Geodynamics Observatory» erhält die Forschungsstation damit eine noch grössere internationale Bedeutung.

Am Nachmittag des 10. Februars 2009 stiess über Sibirien in einer Höhe von rund 800 Kilometern der aktive Telefoniesatellit Iridium 33 mit dem ausgedienten...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vielseitige Nanokugeln: Forscher bauen künstliche Zellkompartimente als molekulare Werkstatt

22.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Mikroskopie der Zukunft

22.05.2018 | Medizintechnik

Designerzellen: Künstliches Enzym kann Genschalter betätigen

22.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics