Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ältere Menschen am Arbeitsmarkt

23.09.2014

Wer geht früher in Rente, wer später? Wer arbeitet weiter, wenn er schon in Rente ist, und warum? Solche Fragen rund um die Beschäftigung älterer Menschen stehen im Mittelpunkt eines neuen Forschungsprojekts an der Universität Würzburg.

Eine 78-jährige Frau, deren Rente bei weitem nicht reicht und die darum halbtags in einer Bäckerei arbeitet. Ein 55-jähriger Ingenieur, der keine Stelle mehr findet, obwohl die Arbeitgeber einhellig den Fachkräftemangel in technischen Berufen beklagen. Ein 66-jähriger Mann, der sich gleich nach seiner Verrentung einen Job sucht, weil er unbedingt noch weiter arbeiten will.

Solche Einzelfälle werden bisweilen in den Medien vorgestellt. Viele Menschen kennen auch persönlich jemanden, der wegen seines Alters keinen Job mehr findet oder der als Rentner noch arbeiten muss. Und dann die Erhöhung des Rentenalters auf 67:

„So lange hält doch nicht jeder durch! Welche Firma will so alte Beschäftigte überhaupt noch haben? Das kommt ja einer Rentenkürzung gleich, wenn die Leute dann eben doch früher in Ruhestand gehen und Abzüge bei der Rente hinnehmen müssen – also noch mehr Altersarmut.“ Das sind Gedanken, die viele Menschen in Deutschland bewegen.

Viele Bauchmeinungen, keine Fakten

Was aber ist wirklich Sache, wenn es ums Arbeiten im Alter geht? „Dazu gibt es zwar sehr viele ‚Bauchmeinungen‘, aber keine wissenschaftlich fundierten Zahlen und Fakten“, sagt Professor Thomas Zwick, Inhaber des Lehrstuhls für Personal und Organisation an der Universität Würzburg. Durch sein neues Forschungsprojekt, gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), soll sich das ändern.

In dem Projekt will der Wissenschaftler unter anderem diese Fragen beantworten: Wie sehen die Muster beim Übergang vom Berufsleben in den Ruhestand aus? In welchem Alter passiert das? Gibt es Zeiten der Beschäftigung nach dem Eintritt in den Ruhestand? Warum hören manche Arbeitnehmer früher auf, warum arbeiten andere noch als Rentner?

Datenbasis von Nürnberger Institut

Als Basis für seine Arbeit nutzt Zwick die reichhaltigen Datensätze des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (Nürnberg), einer Einrichtung der Bundesagentur für Arbeit. „Dort sind alle sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse in Deutschland bis zurück ins Jahr 1975 erfasst, damit können wir die gesamte Beschäftigungshistorie von mehr als einer Million Menschen bis zum Alter von 75 Jahren nachvollziehen“, sagt der Professor.

Diese Daten werden mit weiteren relevanten Informationen verknüpft, unter anderem mit Charakteristiken der Arbeitgeber und mit Daten der Rentenversicherung. „Dadurch bekommen wir Einblick in erworbene Rentenansprüche und ein klares Bild von der Politik der Firmen“, so Zwick: Strebt ein Unternehmen langfristige Bindungen der Mitarbeiter an oder handelt es nach dem Prinzip „heuern und feuern“? Bildet es seine Fachkräfte selbst aus oder stellt es Externe ein? Und wie wirkt sich die jeweilige Personalpolitik am Ende auf die Beschäftigungsmöglichkeiten für ältere Menschen aus?

Zunächst ist das Projekt auf drei Jahre angelegt. Laut Professor Zwick soll es erstmals unter Einbeziehung der Unternehmenspolitiken Aufschluss darüber geben, wie es in Deutschland um die Beschäftigung älterer Menschen bestellt ist. „Es gibt zu diesem Thema zwar einige psychologische Untersuchungen, aber bislang noch ganz wenige aus ökonomischer Perspektive“, so Zwick.

Projekt gehört zu DFG-Schwerpunktprogramm

Das Projekt „Determinanten der Beschäftigung Älterer“ ist Teil des neuen DFG-Schwerpunktprogramms „The German Labor Market in a Globalized World: Challenges through Trade, Technology, and Demographics”, das an der Universität Freiburg koordiniert wird.

Professor Zwick bekommt von der DFG für die Würzburger Studie eine Doktorandenstelle finanziert, die demnächst besetzt werden soll. „Durch das DFG-Schwerpunktprogramm wird diese Promotion in ein deutschlandweites Forschungsnetzwerk eingebunden sein, das ist eine extreme Bereicherung für diese Arbeit“, so Zwick.

Kontakt

Prof. Dr. Thomas Zwick, Lehrstuhl für Personal und Organisation, Betriebswirtschaftliches Institut, Universität Würzburg, T (0931) 31-82755, thomas.zwick@uni-wuerzburg.de

Weitere Informationen:

Zur Homepage von Thomas Zwick

http://www.bwl.uni-wuerzburg.de/lehrstuehle/bwl7/team/prof_dr_thomas_zwick/

Gunnar Bartsch | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um
26.05.2017 | Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften

nachricht Deutschland altert unterschiedlich
22.05.2017 | Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Im Focus: Forscher entschlüsseln erstmals intaktes Virus atomgenau mit Röntgenlaser

Bahnbrechende Untersuchungsmethode beschleunigt Proteinanalyse um ein Vielfaches

Ein internationales Forscherteam hat erstmals mit einem Röntgenlaser die atomgenaue Struktur eines intakten Viruspartikels entschlüsselt. Die verwendete...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

Forschung zu Stressbewältigung wird diskutiert

21.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wie Menschen Schäden an Gebäuden wahrnehmen

22.06.2017 | Architektur Bauwesen

Holzhäuser bei grauer Energie im grünen Bereich

22.06.2017 | Architektur Bauwesen

Bei Notfällen wie Herzinfarkt und Schlaganfall immer den Notruf 112 wählen: Jede Minute zählt!

22.06.2017 | Medizin Gesundheit