Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Abnahme der Elternjahrgänge beschleunigt Geburtenrückgang in Deutschland

02.11.2010
Bertelsmann Stiftung: Anzahl der 22- bis 35-Jährigen wird bis zum Jahr 2025 um 1,15 Millionen Menschen zurückgehen

Die geringe Geburtenrate ist nicht die Hauptursache für den fortschreitenden Bevölkerungsrückgang in Deutschland. Vielmehr spielt auch die Abnahme der so genannten Elterngeneration eine entscheidende Rolle. Diese Personengruppe im Alter zwischen 22 und 35 Jahren wird nach Vorausberechnungen der Bertelsmann Stiftung in den kommenden 15 Jahren erheblich schrumpfen.

Während der Anteil der Elternjahrgänge an der Gesamtbevölkerung im Jahr 2006 noch bei 16,8 Prozent (13,79 Millionen) lag, wird er bis zum Jahr 2025 auf 15,7 Prozent (12,64 Millionen) sinken. Dies bedeutet einen Rückgang um 1,15 Millionen Personen, der auch durch eine leichte Zunahme der Geburtenrate nicht ausgeglichen werden könnte.

In den 14 Altersjahrgängen der Elterngeneration lagen die Geburtenwahrscheinlichkeiten in Deutschland in den letzten Jahren nach Angaben der Bertelsmann Stiftung bei mehr als 5 Prozent. Auf 100 Frauen in jedem dieser Altersjahrgänge entfielen demnach mindestens 5 Geburten pro Kalenderjahr. Einige Kreise im ländlichen Raum erreichen zwar Geburtenraten von mehr als 1,5 Kindern je Frau; dennoch sinken die Geburtenzahlen viel stärker als in den großen Städten und Ballungsräumen. So wird im Landkreis Uecker-Randow (Mecklenburg-Vorpommern) der Anteil der 22- bis 35-Jährigen an der Gesamtbevölkerung in den nächsten 15 Jahren auf 9,5 Prozent zurückgehen. Auf 1.000 Einwohner kommen im Jahr 2025 nur noch 4,4 Geburten. In München wird der Anteil der Elterngeneration an der Gesamtbevölkerung im Jahr 2025 dagegen bei 21,6 Prozent liegen und fast konstant bleiben. Auf 1.000 Einwohner kommen dann 10,7 Geburten.

Der Grund für den Rückgang der Elternjahrgänge liegt zum einen in den rückläufigen Geburtenzahlen der letzten Jahrzehnte. Das wirkt sich nun auch bei den potenziellen Eltern aus. Zum anderen führt die „Bildungswanderung“ junger Menschen zu einer relativen Konzentration der Elternjahrgänge in städtischen Regionen. Dadurch werden sich künftig der Bevölkerungsrückgang und die Alterung in den ländlichen Räumen noch verstärken. Die jetzt dort ausfallenden Geburten und die weitere Bildungsabwanderung dürften nach dem Jahr 2025 zu einem weiteren starken Rückgang der Elternjahrgänge im ländlichen Raum führen.

"In vielen Gemeinden im ländlichen Raum gibt es durch die Bildungswanderung einen starken Rückgang in der Altersgruppe zwischen 18 und 25 Jahren. Dadurch wird auch die Elterngeneration in diesen Gegenden weiter abnehmen", sagte Dr. Brigitte Mohn, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung, bei der Vorstellung der Ergebnisse. Es sei für die betroffenen Gemeinden daher wichtig, gerade die jungen Menschen zu halten oder zur Rückkehr zu bewegen. Sonst würden Be-völkerungsrückgang und Alterung noch schneller voranschreiten. In den Blick genommen werden sollten etwa die Attraktivität des Lebensumfeldes, das Arbeitsangebot, die Bildungsinfrastruktur und die Verkehrsverbindungen.

Nach Angaben der Bertelsmann Stiftung bekommen die Frauen in Deutschland ihre Kinder immer später. Von 2002 bis 2006 stieg das durchschnittliche Geburtsalter in Deutschland kontinuierlich von 29,8 auf 30,1 Jahre an. Die höchsten Werte erzielten Hamburg, Baden-Württemberg, Bayern und Hessen; in diesen Bundesländern lag im Jahr 2006 das Durchschnittsalter der Mütter bei den Geburten zwischen 30,6 und 31,0 Jahren. In den fünf östlichen Bundesländern betrug es nur 28,6 Jahre, fast 2 Jahre weniger als im Durchschnitt der westdeutschen Flächenländer (30,4 Jahre). Aber auch im Osten war eine Steigerung gegenüber 2002 um 0,3 Jahre zu verzeichnen. Am niedrigsten lag im Jahr 2006 das Geburtsalter in Sachsen-Anhalt (28,1 Jahre) und Mecklenburg-Vor-pommern (28,2 Jahre).

Die Bertelsmann Stiftung stellt mit ihrem Online-Portal www.wegweiser-kommune.de allen Städten und Gemeinden in Deutschland mit mehr als 5.000 Einwohnern Daten, Bevölkerungsprognosen und konkrete Handlungskonzepte für die kommunale Praxis zur Verfügung. 2.927 Kommunen, in denen etwa 85 Prozent der Bevölkerung Deutschlands leben, und 301 Landkreisen ermöglicht der Wegweiser Kommune so einen Blick auf die Entwicklung in den Politikfeldern Demographischer Wandel, Finanzen, Bildung, soziale Lage und Integration.

Rückfragen an:

Carsten Große Starmann, Telefon: 0 52 41 / 81-81 228
E-Mail: Carsten.Grosse.Starmann@Bertelsmann-Stiftung.de
Petra Klug, Telefon: 0 52 41 / 81-81 347
E-Mail: Petra.Klug@Bertelsmann-Stiftung.de

Ute Friedrich | idw
Weitere Informationen:
http://www.bertelsmann-stiftung.de
http://www.wegweiser-kommune.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um
26.05.2017 | Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften

nachricht Deutschland altert unterschiedlich
22.05.2017 | Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Im Focus: Forscher entschlüsseln erstmals intaktes Virus atomgenau mit Röntgenlaser

Bahnbrechende Untersuchungsmethode beschleunigt Proteinanalyse um ein Vielfaches

Ein internationales Forscherteam hat erstmals mit einem Röntgenlaser die atomgenaue Struktur eines intakten Viruspartikels entschlüsselt. Die verwendete...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

Forschung zu Stressbewältigung wird diskutiert

21.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Individualisierte Faserkomponenten für den Weltmarkt

22.06.2017 | Physik Astronomie

Evolutionsbiologie: Wie die Zellen zu ihren Kraftwerken kamen

22.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Spinflüssigkeiten – zurück zu den Anfängen

22.06.2017 | Physik Astronomie