Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

1 Woche Mama, 1 Woche Papa: Aktuelle Forschung zur Kinderbetreuung nach Trennung und Scheidung

05.08.2013
Eine Woche Mama, eine Woche Papa, die abwechselnde Betreuung von Kindern getrennt lebender Eltern, gemeinsame elterliche Verantwortung, nicht nur rechtlich, sondern auch praktisch und Mutter und Vater als gleichwertige Bezugspersonen, auch nach Trennung und Scheidung: Wenn getrennt lebende Eltern ihre Kinder abwechselnd betreuen,zum Beispiel im wöchentlichen Wechsel, spricht man vom Wechselmodell oder einer paritätischen Doppelresidenz.

Prof. Dr. Hildegund Sünderhauf, Professorin für Familienrecht an der Evangelischen Hochschule Nürnberg, hat umfassend rechtliche, psychologische und praktische Fragen der Kinderbetreuung im Wechselmodell nach Trennung und Scheidung der Eltern untersucht.


Definitionsmerkmale für das Wechselmodell
Grafik: H. Sünderhauf

Heute ist generell unbestritten, dass die gemeinsame Co-Elternschaft nach Trennung und Scheidung und die Abwechslung in der Betreuung im Allgemeinen das Beste für Kinder ist. Sünderhauf plädiert für eine Reform des Bürgerlichen Gesetzbuches, mit dem Ziel gerichtliche Möglichkeiten einer Anordnung der Betreuung im Wechselmodell gesetzlich vorzusehen und entwickelte einen konkreten Gesetzgebungsvorschlag.

Das Wechselmodell lässt sich zusammengefasst durch drei Aspekte charakterisieren, die in engem wechselseitigem Einfluss zueinander stehen:

- Zeit, welche die Kinder bei ihren Eltern abwechselnd verbringen, mindestens 30 Prozent beim weniger betreuenden Elternteil, im Idealfall 50 : 50 Prozent bei Mutter und Vater

- Zuhause sein der Kinder bei beiden Elternteilen: Sie sind bei keinem Elternteil nur zu Besuch

- Elterliche Verantwortung, die von beiden Eltern gleichberechtigt wahrgenommen wird.

Aufgrund der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen der Kinderbetreuung wächst das Interesse und die Notwendigkeit, Mütter und Väter in die Kinderbetreuung auch nach Ende der Ehe oder Beziehung der Eltern einzubeziehen. Hier spielt nicht nur der Rollenwandel bei Männern und Frauen eine Rolle, sondern auch wirtschaftliche Gründe, rechtliche Änderungen (beispielsweise beim nachehelichen Unterhalt) oder der Wandel der familiengerichtlichen Rechtsprechung.

Die Analyse der gesetzlichen Grundlagen und der Rechtsprechung in den Bereichen elterliche Sorge, Umgangsrecht, aber auch Kindes- und Betreuungsunterhalt zeigt, dass hier gravierende Reformen anstehen. Sünderhauf analysiert die Argumentation der Rechtsprechung im Bereich elterliche Sorge und Umgangsrecht und setzt sie mit den psychologischen Forschungsergebnissen in Verbindung.

Die Forschungsergebnisse zum Wechselmodell bringen Bewegung in die Diskussion um elterliche Sorge, Umgangsrecht, elterliche Verantwortung und das Recht der Kinder auf beide Eltern, insbesondere bei Juristen, Psychologen, Sozialpädagogen und betroffenen Eltern.

Sünderhauf stellt die Forschungsergebnisse in der ersten, deutschsprachigen wissenschaftlichen Monographie zum Thema Wechselmodell vor. Das Buch erscheint am 8. August 2013. Es behandelt umfassend rechtliche, psychologische und praktische Fragen der Kinderbetreuung im Wechselmodell nach Trennung und Scheidung der Eltern.

Publikation: H. Sünderhauf (2013) Wechselmodell: Psychologie – Recht – Praxis. Wiesbaden, Springer VS. ISBN 978–3–531–18340-4. 920 Seiten, 138 Abbildungen, teils in Farbe. 79,99 Euro (D); auch als E-Book erhältlich.

Kontakt Prof. Dr. Hildegund Sünderhauf: hildegund.suenderhauf(at)evhn.de

Irene Haffa | idw
Weitere Informationen:
http://www.evhn.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Mathematische Algorithmen berechnen soziales Verhalten
14.11.2016 | Technische Universität München

nachricht Schrumpfende Gesellschaften: Welcher Umgang mit den Folgen des demografischen Wandels?
18.10.2016 | Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie