Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zwischen Baum und Borke

03.12.2009
Geographen der Universität Jena wollen Borkenkäferbefall aus der Ferne aufspüren

Der Blick in das Gewächshaus der Erfurter Fachhochschule könnte auf die Adventszeit einstimmen: Hunderte kleiner Fichten wachsen dort in Reih und Glied, in kleinen nummerierten Töpfen. Doch den etwa 70 Zentimeter hohen Fichten steht nicht etwa ein Schicksal als Weihnachtsbäumchen bevor.

Vielmehr stehen die vierjährigen Jungbäume Wissenschaftlern der Friedrich-Schiller-Universität Jena, der Fachhochschule Erfurt und der Thüringer Landesanstalt für Wald, Jagd und Fischerei "Modell": Mit Hilfe eines neuen spektrometrischen Verfahrens wollen die Forscher an ihnen Borkenkäfer aufspüren.

Borkenkäferarten wie der Buchdrucker oder der Kupferstecher, sind eine große Gefahr vor allem für Nadelwälder. "Unser Ziel ist es, einen Borkenkäferbefall bereits frühzeitig anhand von Farbspektren nachzuweisen, die für das menschliche Auge unsichtbar sind", beschreibt Prof. Dr. Christiane Schmullius von der Uni Jena das Projektziel. Denn nur wenn ein Befall frühzeitig erkannt werde, lasse sich der Waldbestand retten, so die Inhaberin des Lehrstuhls für Fernerkundung. "Letztendlich geht es darum, den Schaden des Borkenkäfer-Befalls möglichst gering zu halten", ergänzt Prof. Dr. Frank Bohlander von der FH Erfurt. Der Professor für Waldschutz und Ökologie und sein Team arbeiten mit den Jenaer Geowissenschaftlern und den Forschern aus der Thüringer Landesanstalt für Wald, Jagd und Fischerei in Gotha zusammen.

Für ihre Versuche vergleichen die Geowissenschaftler die Reflexionsspektren von gesunden Fichten und Bäumen, an denen der Befall von Borkenkäfern durch Schädigung der Baumrinde simuliert wird. "Wir nehmen die Spektren in regelmäßigen Abständen auf und prüfen, ob darin Veränderungen erkennbar sind, die sich auf die Schädigungen zurückführen lassen", sagt Hans-Jörg Fischer. Der Masterstudent im Fach Geoinformatik an der Jenaer Uni misst drei Mal pro Woche die Spektren von 60 Fichten. Anhand dieser Spektren wollen dann die Erfurter Projektpartner gezielt nach Veränderungen im Stoffwechsel der Bäume suchen und so eindeutige Hinweise auf einen Borkenkäferbefall ausmachen.

Was derzeit im Gewächshaus unter Modellbedingungen passiert, wird später in die Praxis umgesetzt. "Denkbar ist es z. B., die Spektren eines Tages vom Flugzeug oder gar von Satelliten aus aufzunehmen und so Aufschluss darüber zu erhalten, ob ein bestimmtes Waldgebiet vom Borkenkäfer befallen ist", so Fischer. Der forstwirtschaftliche Schaden durch Borkenkäfer ist weltweit ein Problem. "Derzeit gibt es in großen Teilen Kanadas eine Borkenkäferplage", weiß Martin Thurner. "Aber auch in Thüringen ist der schädliche Käfer nach wie vor weit verbreitet", so der Geoinformatik-Student von der Uni Jena. Zudem erwarten die Wissenschaftler, dass die Gefahr weiter zunehmen wird: "Die durch den Klimawandel verursachten steigenden Temperaturen führen dazu, dass die Brut- und Lebensbedingungen der Käfer immer besser werden", sagt Thurner.

Die Käfer bohren sich durch die Rinde von Bäumen und legen zwischen Baum und Borke ihre Eier ab, wo die schlüpfenden Larven und die daraus erwachsenden Käfer schließlich das für den Baum lebensnotwendige Nährstoff-führende Gewebe zerstören. Meist sterben Bäume, die von Borkenkäfern besiedelt sind, innerhalb kurzer Zeit ab. Normalerweise werden vorwiegend kranke und gestresste Bäume befallen. Doch in extrem trockenen und warmen Perioden bieten auch ansonsten gesunde Bäume dem Borkenkäfer einen idealen Nährboden.

"Die Versuche, den Borkenkäferbefall mit Hilfe von Fernerkundungsmethoden festzustellen werden schon seit einigen Jahren unternommen", macht Sergej Chmara deutlich, der den aktuellen Versuch initiiert hat. "Bisher werden jedoch in allen Verfahren nur Bäume erkannt, deren Nadeln sich bereits rot verfärbt haben und aus denen die Käfer meist schon ausgeflogen sind", so der Forscher von der Thüringer Landesanstalt für Wald, Jagd und Fischerei. "Wenn es uns gelingt, eine Methode zu entwickeln, den Borkenkäferbefall früh genug zu erkennen, so können die befallenen Bäume rechtzeitig aus dem Bestand entfernt werden, bevor die Käfer benachbarte Bäume befallen."

Kontakt:
Prof. Dr. Christiane Schmullius
Institut für Geographie der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Grietgasse 6
07743 Jena
Tel.: 03641 948880
E-Mail: c.schmullius[at]uni-jena.de

Dr. Ute Schönfelder | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Satelliten erfassen Photosynthese mit hoher Auflösung
13.10.2017 | Max-Planck-Institut für Biogeochemie

nachricht Erforschung des grönländischen 79°-Nord-Gletschers
12.10.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Im Focus: Breaking: the first light from two neutron stars merging

Seven new papers describe the first-ever detection of light from a gravitational wave source. The event, caused by two neutron stars colliding and merging together, was dubbed GW170817 because it sent ripples through space-time that reached Earth on 2017 August 17. Around the world, hundreds of excited astronomers mobilized quickly and were able to observe the event using numerous telescopes, providing a wealth of new data.

Previous detections of gravitational waves have all involved the merger of two black holes, a feat that won the 2017 Nobel Prize in Physics earlier this month....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mobilität 4.0: Konferenz an der Jacobs University

18.10.2017 | Veranstaltungen

Smart MES 2017: die Fertigung der Zukunft

18.10.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

18.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Biokunststoffe könnten auch in Traktoren die Richtung angeben

18.10.2017 | Messenachrichten

»ILIGHTS«-Studie gestartet: Licht soll Wohlbefinden von Schichtarbeitern verbessern

18.10.2017 | Energie und Elektrotechnik