Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zur rechten Zeit am rechten Ort / Helmholtz errichtet flexibles Messsystem zur Erdbeobachtung

13.09.2017

Neun Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft bauen in den kommenden fünf Jahren gemeinsam ein flexibles und mobiles Messsystem zur Erdbeobachtung auf: MOSES – Modular Observation Solutions for Earth Systems. Damit wollen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen, wie kurzfristige dynamische Ereignisse, etwa Hitzewellen oder Starkregen, mit der langfristigen Entwicklung von Erd- und Umweltsystemen zusammenhängen. Koordiniert wird MOSES am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig.

Welche Auswirkungen haben Hitzewellen auf den Wasserhaushalt, die Vegetation und die Luftqualität? Wie verändern Überflutungen terrestrische Ökosysteme und Küstengebiete? Wie beeinflussen Ozeanwirbel den Energietransport und die Nahrungsketten der Meere? Wie sehr steigen die Treibhausgase der Atmosphäre an, wenn in der Arktis die Permafrostböden auftauen?


Ein flexibles und mobiles Messsystem zur Erdbeobachtung ist Ziel des Forschungsprojektes MOSES.

@NASA / ESKP

Der globale Wandel wird ebenso kurz- wie langfristig und lokal wie global das System Erde und die Umwelt verändern. Dennoch fehlt es an Wissen darüber, wie sich zeitlich und räumlich begrenzte dynamische Ereignisse auf die langfristige Entwicklung von Erd- und Umweltsystemen auswirken.

Diese Lücke soll das neue Erdbeobachtungssystem MOSES schließen – eine Forschungsinfrastruktur, die die Helmholtz-Gemeinschaft in den nächsten fünf Jahren gemeinsam aufbauen will. Knapp 28 Millionen Euro investiert sie deshalb in den Aufbau von MOSES und stärkt damit ihre führende Position und Sichtbarkeit in der internationalen Erdsystemforschung.

„Mit dem MOSES-Projekt können wir die besonderen Stärken der Helmholtz-Gemeinschaft eindrucksvoll unter Beweis stellen“, sagt Prof. Otmar D. Wiestler, der Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft. „Neun Zentren aus den beiden Forschungsbereichen ,Erde und Umwelt‘ sowie ,Luftfahrt, Raumfahrt und Verkehr‘ arbeiten hier gemeinsam an großen Fragen, die die Zukunft unserer Gesellschaft betreffen. In dieser interdisziplinären Kooperation können sie ihre jeweiligen Kompetenzen so bündeln, dass die Erdsystemforschung insgesamt davon in einmaliger Weise profitiert.“

Prof. Georg Teutsch, Wissenschaftlicher Geschäftsführer am UFZ, ergänzt: „Wir werden ein flexibel einsetzbares und mobiles Beobachtungssystem errichten, das es uns erstmals ermöglicht, hochdynamische Ereignisse zur rechten Zeit, am rechten Ort und mit der erforderlichen zeitlichen und räumlichen Auflösung zu erfassen. Nur mit solchen Messungen können wir die unmittelbaren Auswirkungen dieser Ereignisse quantifizieren und letztlich ihre langfristigen Folgen untersuchen“.

„Das schließt auch die Erforschung sozioökonomischer Auswirkungen ein“, ergänzt Projektkoordinatorin Dr. Ute Weber. „Denn schon jetzt müssen wir davon ausgehen, dass Ereignisse wie Hitzewellen, Starkregen oder Überflutungen in den kommenden Jahren häufiger und mit einer größeren Intensität auftreten – mit den entsprechenden gesellschaftlichen Kosten.“

Konzipiert ist die neue Infrastruktur als „System of Systems“. Das heißt, die beteiligten Zentren entwickeln, miniaturisieren und automatisieren Sensor- und Messsysteme, die dann zu spezifischen Modulen zusammengefasst werden. Diese erfassen die Energie-, Wasser-, Treibhausgas- und Nährstoffkreisläufe auf der Landoberfläche, in Küstenregionen, im Ozean, in Schnee- und Eisgebieten und in der Atmosphäre – insbesondere aber auch die Wechselwirkungen zwischen den Erdsystemen.

MOSES verbindet jedoch nicht nur die herausragende Expertise der beteiligten Helmholtz-Zentren, die über umfassende Erfahrungen im Betrieb großer Infrastrukturen und im Management ereignisorientierter Messkampagnen verfügen. Die mobile Infrastruktur ist auch eine wichtige Ergänzung bestehender nationaler und internationaler Monitoringnetze und Satellitenmissionen, die vor allem auf langfristige und großräumige Erdsystembeobachtung ausgelegt sind. Dazu gehören beispielsweise ICOS (Intergrated Carbon Observation System), LTER (Long-Term Ecological Research) oder Helmholtz-Observatorien wie TERENO (Terrestrial Environmental Observatories), COSYNA (Coastal Observing System), CVOO (Cape Verde Ocean Observatory), die SAMOYLOV Permafrost Observation Station, AWIPEV (Arctic Research Base) und Satellitenmissionen wie GRACE (Gravity Recovery and Climate Experiment).

Die neuen Herausforderungen bei MOSES liegen nun in der gemeinsamen Entwicklung der Module -sowie in der systemübergreifenden Beobachtungsstrategie. „Von einer einzelnen Institution könnte eine solche Infrastruktur weder aufgebaut noch betrieben werden“, betont Ute Weber. „Aber sie soll sich natürlich zu einer Plattform für nationale und internationale Kooperationen entwickeln.“

Die Daten und Ergebnisse, die MOSES nach der Einrichtung liefern wird, werden den Nutzern in Wissenschaft und Gesellschaft über die „Earth System Knowledge Platform (ESKP)“, dem Informationsportal des Helmholtz-Forschungsbereichs Erde und Umwelt, bereitgestellt. Sie sollen dazu beitragen, die Unsicherheiten in Prognosen zum Klima- und Umweltwandel zu reduzieren und gesellschaftliche Anpassungsstrategien weiterzuentwickeln.

Beteiligte Helmholtz-Zentren:
• Alfred-Wegener-Institut – Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI)
• Forschungszentrum Jülich
• GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel
• Helmholtz-Zentrum Potsdam – Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ
• Helmholtz-Zentrum Geesthacht – Zentrum für Material- und Küstenforschung (HZG)
• Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt
• Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ
• Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
• Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

Ansprechpartnerin:
Dr. Ute Weber, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung
Projektleitung MOSES
E-Mail: ute.weber@ufz.de

Weitere Informationen:

http://www.ufz.de/index.php?de=36336&webc_pm=30/2017

Susanne Hufe | Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Neue Einblicke in das 2004 Sumatra-Erdbeben
14.11.2017 | Technische Universität München

nachricht Folgen des Klimawandels: Oder warum wird das Wasser unter Borkum überwacht?
14.11.2017 | Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Im Focus: Pflanzenvielfalt von Wäldern aus der Luft abbilden

Produktivität und Stabilität von Waldökosystemen hängen stark von der funktionalen Vielfalt der Pflanzengemeinschaften ab. UZH-Forschenden gelang es, die Pflanzenvielfalt von Wäldern durch Fernerkundung mit Flugzeugen in verschiedenen Massstäben zu messen und zu kartieren – von einzelnen Bäumen bis hin zu ganzen Artengemeinschaften. Die neue Methode ebnet den Weg, um zukünftig die globale Pflanzendiversität aus der Luft und aus dem All zu überwachen.

Ökologische Studien zeigen, dass die Pflanzenvielfalt zentral ist für das Funktionieren von Ökosys-temen. Wälder mit einer höheren funktionalen Vielfalt –...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

Roboter für ein gesundes Altern: „European Robotics Week 2017“ an der Frankfurt UAS

17.11.2017 | Veranstaltungen

Börse für Zukunftstechnologien – Leichtbautag Stade bringt Unternehmen branchenübergreifend zusammen

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

IHP präsentiert sich auf der productronica 2017

17.11.2017 | Messenachrichten

Roboter schafft den Salto rückwärts

17.11.2017 | Innovative Produkte