Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zeuge gesucht….und gefunden

19.04.2013
Warnemünder Geochemiker entschlüsseln die Bildungsbedingungen von Meeresablagerungen anhand eines Minerals.

Meeres- und Seeablagerungen bergen eine Fülle von Informationen über die Umweltbedingungen, die zum Zeitpunkt ihrer Entstehung herrschten. Deshalb sind sie für Umwelt- und KlimaforscherInnen ein wichtiges Archiv an Informationen zu vergangenen Umweltzuständen. Die höhere Kunst besteht darin, diese Information richtig zu entschlüsseln.

Die Geowissenschaft bedient sich dafür so genannter Proxies oder Zeugen. Die sicherlich bekanntesten Zeugen, die man in Sedimenten finden kann, sind Fossilien - die Überreste von Pflanzen und Tieren. Solange ihre Verwandten heute noch leben und deren Lebensumstände bekannt sind, geben sie Auskunft über die Umweltbe-dingungen, die zum Zeitpunkt der Sedimentablagerung herrschten. Auch Minerale, die man im Sediment findet, können unter bestimmten Umständen wertvolle Informationen liefern – aber nur wenn ihre Bildungsbedingungen bekannt sind.

Einem von Geochemikern des Leibniz-Instituts für Ostseeforschung in Warnemünde (IOW) geleiteten Team aus deutschen, österreichischen und spanischen WissenschaftlerInnen ist es nun gelungen, die Bildung des BaMn-Doppelkarbonats, das sie in Sedimenten aus dem sauerstoffarmen Bereich des Landsort-Tiefs gefunden haben,im Labor nachzustellen und somit die Bildungsbedingungen zu entschlüsseln. Damit steht das Karbonat, das bisher noch keinen eigenen Namen hat, in Zukunft der Forschung als möglicher Zeuge für ganz bestimmte Prozesse und Umweltbedingungen zur Verfügung.

„Sedimente, in denen Barium-Mangan-Karbonat gefunden wurde, enthalten gelöstes Methan“ berichtet Michael E. Böttcher, der leitende Wissenschaftler. „Wir konnten zeigen, dass die Voraussetzung für die Bildung der mikrobielle Abbau von Sulfat und die Zerstörung von Barium- und Mangan-Mineralen sind, die der Wassersäule entstammen. Methan scheint an diesen Prozessen beteiligt zu sein“.

Das Konsortium um Michael Böttcher setzte ein breites Methodenspektrum ein und bietet somit der internationalen Wissenschaftsgemeinschaft eine sehr umfassende Beschreibung des Karbonats, die dessen Auffinden in Zukunft erleichtern wird.

Wo immer dieser neue Zeuge in Zukunft dank der grundlegenden Arbeit der Warnemünder Geochemiker gefunden wird, können zusätzliche Informationen zu den Umweltbedingungen zum Zeitpunkt der Ablagerung gewonnen werden. Der Steckbrief hängt aus - die Suche kann beginnen.
Die beschriebenen Arbeiten wurden publiziert in:
Böttcher, M. E., H. S. Effenberger, P.-L. Gehlken, G. H. Grathoff, B. C. Schmidt, P. Geprägs, R. Bahlo, O. Dellwig, T. Leipe, V. Winde, A. Deutschmann, A. Stark, D. Gallego-Torres and F. Martinez-Ruiz (2012). BaMn[CO3]2 – a previously unrecognized double carbonate in low-temperature environments: structural, spectroscopic, and textural tools for future identification. CdE - Geochemistry 72: 85-89, doi:10.1016/j.chemer.2012.01.001

Kontakt:
Prof. Dr. Michael E. Böttcher,
Sektion Marine Geologie, Tel.: 0381 5197 402, email: michael.boettcher@io-warnemuende.de

Dr. Barbara Hentzsch, Wissenschaftsmanagement und Öffentlichkeitsarbeit,
Tel.: 0 381 5197 102,
Email: barbara.hentzsch@io-warnemuende.de

Beide: Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde,
Seestr. 15, D-18119 Rostock,
Das IOW ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft, zu der zurzeit 86 Forschungsinstitute und wissenschaftliche Infrastruktureinrichtungen für die Forschung gehören. Die Ausrichtung der Leibniz-Institute reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Sozial- und Raumwissenschaften bis hin zu den Geisteswissenschaften. Bund und Länder fördern die Institute gemeinsam. Insgesamt beschäftigen die Leibniz-Institute etwa 16.800 MitarbeiterInnen, davon sind ca. 7.800 WissenschaftlerInnen, davon wiede-rum 3.300 NachwuchswissenschaftlerInnen. Der Gesamtetat der Institute liegt bei mehr als 1,4 Mrd. Euro, die Drittmittel betragen etwa 330 Mio. Euro pro Jahr.

Dr. Barbara Hentzsch | idw
Weitere Informationen:
http://www.leibniz-gemeinschaft.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen
26.04.2017 | Leibniz-Institut für Troposphärenforschung e. V.

nachricht Flechten aus dem Bernsteinwald
25.04.2017 | Georg-August-Universität Göttingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie