Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zeppelin ermöglicht Erforschung der Atmosphäre über dem Bodensee

14.10.2008
Zum zweiten Mal analysieren Jülicher Forscher mit dem Flugschiff die Atmosphäre in den unteren Luftschichten

Ab dem 17. Oktober gehört die Touristenattraktion Zeppelin NT drei Wochen lang ganz der Wissenschaft. Statt Touristen befördert das Luftschiff dann im Auftrag des Forschungszentrums Jülich, einem Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, Messgeräte.

Damit erkunden die Wissenschaftler die „Waschkraft der Atmosphäre“. Bis zum 8. November messen sie verschiedene Schad- und Spurengase in den unteren Luftschichten. Prozesse in dieser chemisch sehr aktiven Region sind bisher nur lückenhaft bekannt.

Einziger Begleiter der Messgeräte in luftiger Höhe über dem Bodensee ist neben Pilot und Co-Pilot der leichteste Doktorand des Instituts für Chemie und Dynamik der Geosphäre, Andreas Oebel. Seine 16 Kollegen müssen am Boden bleiben und von dort aus die Messungen begleiten. Denn die Forscher nutzen mit ihren 850 Kilogramm schweren Geräten das Maximum an Gewicht, das der verwendete Zeppelin NT tragen kann.

Professor Andreas Wahner freut sich, dass Jülich bereits zum zweiten Mal die Gelegenheit bekommt, mit dem Zeppelin in der Luft zu forschen. „Für uns Atmosphärenforscher sind die einzigartigen Flugeigenschaften des Zeppelins attraktiv“, sagt Wahner. „Wir können damit die Messungen aus Flugzeugen in größeren Höhen und fest installierten Bodenstationen perfekt ergänzen.“ Denn der Zeppelin NT kann in geringen Höhen langsam schweben, in der Luft anhalten, auf- und absteigen, bis zu 24 Stunden fliegen und dabei noch schweres Messgerät mit sich führen.

Die Jülicher Wissenschaftler führen in ihrer Kampagne Messungen in der Luftschicht bis 1400 Meter durch. „Diese Luftschicht spielt eine entscheidende Rolle für die Luftqualität und das Klima, da sie chemisch hochaktiv ist: In dieser Schicht werden Schadstoffe emittiert, in andere Stoffe umgewandelt und weiter verbreitet“, sagt Wahner. Bei ihren Messungen verfolgen die Wissenschaftler unter anderem die Konzentration der so genannten Hydroxyl-Radikale, des „Waschmittels der Atmosphäre“. Sie leiten den Abbau der meisten Schadstoffe ein und sind somit ein Maß für die Reinigungskraft der Atmosphäre.

Der Bodensee ist als Messregion besonders geeignet, weil über seiner gleichmäßigen Oberfläche nur wenig senkrechter Austausch der Luftmassen stattfindet. Die Forscher können also nahezu ungestört untersuchen, wie sich Hydroxyl-Radikale im Tagesverlauf in Höhen von 20 bis 1400 Metern verteilen und unter UV-Einstrahlung verhalten. Ein wichtiger Teil der Untersuchungen betrifft dabei die Radikalbildung aus gasförmiger salpetriger Säure. Deren Höhenverteilung konnte mit dem Zeppelin im letzten Jahr erstmalig, allerdings zu einer anderen Jahreszeit, vermessen werden.
Zum ersten Mal können die Forscher die Route ihrer Messflüge anhand einer so genannten chemischen Wettervorhersage planen, die ihnen das Rheinische Institut für Klimaforschung in Köln liefert. Mithilfe eines Computermodells können die Wissenschaftler dabei vorhersagen, wie sich Stickoxide im Tagesverlauf ausbreiten oder wie hoch die Ozonkonzentration nachmittags sein wird.

Messzeitpunkte und Messrouten lassen sich damit während der drei Wochen optimieren.

Unterstützt wird die Messkampagne des Forschungszentrums Jülich vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Pressekontakt:
Stefanie Tyroller, Tel. 02461 61-8031
E-Mail: s.tyroller@fz-juelich.de
Annette Stettien, Tel. 02461 61-2388
E-Mail: a.stettien@fz-juelich.de
Das Forschungszentrum Jülich…
… betreibt interdisziplinäre Spitzenforschung zur Lösung großer gesellschaftlicher Herausforderungen in den Bereichen Gesundheit, Energie & Umwelt sowie Information. Kombiniert mit den beiden Schlüsselkompetenzen Physik und Supercomputing werden in Jülich sowohl langfristige, grundlagenorientierte und fächerübergreifende Beiträge zu Naturwissenschaften und Technik erarbeitet als auch konkrete technologische Anwendungen. Mit rund 4 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gehört Jülich, Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, zu den größten Forschungszentren Europas.

Annette Stettien | Forschungszentrum Jülich GmbH
Weitere Informationen:
http://www.fz-juelich.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Stagnation im tiefen Südpazifik erklärt natürliche CO2-Schwankungen
23.02.2018 | Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

nachricht Birgt Mikroplastik zusätzliche Gefahren durch Besiedlung mit schädlichen Bakterien?
21.02.2018 | Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorstoß ins Innere der Atome

Mit Hilfe einer neuen Lasertechnologie haben es Physiker vom Labor für Attosekundenphysik der LMU und des MPQ geschafft, Attosekunden-Lichtblitze mit hoher Intensität und Photonenenergie zu produzieren. Damit konnten sie erstmals die Interaktion mehrere Photonen in einem Attosekundenpuls mit Elektronen aus einer inneren atomaren Schale beobachten konnten.

Wer die ultraschnelle Bewegung von Elektronen in inneren atomaren Schalen beobachten möchte, der benötigt ultrakurze und intensive Lichtblitze bei genügend...

Im Focus: Attoseconds break into atomic interior

A newly developed laser technology has enabled physicists in the Laboratory for Attosecond Physics (jointly run by LMU Munich and the Max Planck Institute of Quantum Optics) to generate attosecond bursts of high-energy photons of unprecedented intensity. This has made it possible to observe the interaction of multiple photons in a single such pulse with electrons in the inner orbital shell of an atom.

In order to observe the ultrafast electron motion in the inner shells of atoms with short light pulses, the pulses must not only be ultrashort, but very...

Im Focus: Good vibrations feel the force

Eine Gruppe von Forschern um Andrea Cavalleri am Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) in Hamburg hat eine Methode demonstriert, die es erlaubt die interatomaren Kräfte eines Festkörpers detailliert auszumessen. Ihr Artikel Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, nun online in Nature veröffentlich, erläutert, wie Terahertz-Laserpulse die Atome eines Festkörpers zu extrem hohen Auslenkungen treiben können.

Die zeitaufgelöste Messung der sehr unkonventionellen atomaren Bewegungen, die einer Anregung mit extrem starken Lichtpulsen folgen, ermöglichte es der...

Im Focus: Good vibrations feel the force

A group of researchers led by Andrea Cavalleri at the Max Planck Institute for Structure and Dynamics of Matter (MPSD) in Hamburg has demonstrated a new method enabling precise measurements of the interatomic forces that hold crystalline solids together. The paper Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, published online in Nature, explains how a terahertz-frequency laser pulse can drive very large deformations of the crystal.

By measuring the highly unusual atomic trajectories under extreme electromagnetic transients, the MPSD group could reconstruct how rigid the atomic bonds are...

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Von festen Körpern und Philosophen

23.02.2018 | Veranstaltungen

Spannungsfeld Elektromobilität

23.02.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vorstoß ins Innere der Atome

23.02.2018 | Physik Astronomie

Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics