Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zehn Jahre nach der Katastrophe: Tsunami-Frühwarnsystem für den Indischen Ozean - Der Status Quo

19.12.2014

Zehnter Jahrestag der Katastrophe; Indonesien verfügt über eines der modernsten Tsunami-Frühwarnsysteme

Zehn Jahre nach der Katastrophe: Tsunami-Frühwarnsystem für den Indischen Ozean


GPS-Technologie

Am zweiten Weihnachtstag jährt sich zum zehnten Mal die Tsunamikatastrophe im Indischen Ozean. Eine Viertelmillion Menschen verloren am 26. 12. 2004 ihr Leben, fünf Millionen Menschen bedurften der sofortigen Hilfe und 1,8 Millionen Menschen wurden obdachlos. Die Katastrophe, die intensive Verwüstung weiter Regionen und das damit verbundene Leid, insbesondere in Indonesien, Thailand und Sri Lanka, sprengte alle Maßstäbe und nahm vor allem deshalb solche Ausmaße an, weil es keine Möglichkeit der Warnung und keine Katastrophenvorsorge im Indik gab.


Deutschland und die internationale Staatengemeinschaft reagierten mit sofortiger Unterstützung. Im Rahmen der deutschen Flutopferhilfe erteilte die Bundesregierung der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren unter Federführung des Deutschen GeoForschungsZentrums GFZ den Auftrag zur Entwicklung eines Tsunami-Frühwarnsystems für den Indischen Ozean.

Von 2005 bis 2011 wurde mit dem Großvorhaben GITEWS (German-Indonesian Tsunami Early Warning System) das Kernstück eines integrierten, modernen, leistungsfähigen Tsunami-Frühwarnsystems in Indonesien aufgebaut. Durch das anschließende Ausbildungsprogramm PROTECTS (Project for Training, Education and Consulting for Tsunami Early Warning Systems, 2011-2014) wurde sichergestellt, dass die Mitarbeiter der beteiligten indonesischen Institutionen den Betrieb des Frühwarnsystems sowie die vielfältigen technischen und organisatorischen Komponenten selbstständig und in Eigenverantwortung weiterführen. Zu diesem Zweck wurde mit PROTECTS ab Juni 2011 mit insgesamt 192 Trainingskursen, Praktika und Hands-on-Praxis Kursen, die alle Aspekte von Betrieb und Wartung des Tsunami-Frühwarnsystems abdeckten, ein Beitrag zur Nachhaltigkeit von InaTEWS geleistet.


Unter der Schirmherrschaft der Intergovernmental Oceanographic Commission der UNESCO und unter Mitarbeit internationaler Partnerinstitutionen aus Deutschland, den Vereinigten Staaten, China und Japan, wurde GITEWS in ein Tsunami-Frühwarnsystem für Indonesien integriert. GITEWS wurde im Jahr 2010 durch eine Kommission internationaler Experten positiv evaluiert und im März 2011 an Indonesien übergeben. Seitdem versieht es unter dem Namen InaTEWS – Indonesian Tsunami Early Warning System seinen Dienst und wird durch den Indonesischen Dienst für Meteorologie, Klimatologie und Geophysik BMKG betrieben.


Am 12. Oktober 2011 wurde im Indischen Ozean die Übung IOWAVE11 abgehalten. Dabei wurde erfolgreich geprüft, ob InaTEWS zudem die Rolle eines Regionalen Tsunami Service Provider (RTSP) übernehmen kann. Seitdem agiert Indonesien, neben Australien und Indien, in Doppelfunktion sowohl als National Tsunami Warning Center (NTWC) als auch als RTSP und übernimmt damit die Verantwortung, 28 Staaten rund um den Indischen Ozean vor einem drohenden Tsunami zeitgerecht zu warnen. Auf diese Weise wurde mit der kontinuierlichen Weiterentwicklung der vollständige Ausbau von InaTEWS erfolgreich realisiert.


Indonesien verfügt heute über eines der modernsten Tsunami-Frühwarnsysteme. Dieses warnt maximal fünf Minuten nach einem Beben auf der Basis der Daten von rund 300 Messstationen. Dazu gehören Seismometer, GPS-Stationen und Küstenpegel. Die Daten der Sensoren werden über modernste Auswertesysteme, wie das vom GFZ entwickelte SeisComP3 zur Analyse von Erdbeben, und ein Tsunami-Simulationssystem im Warnzentrum, in ein Lagebild umgesetzt. Mit Hilfe eines Entscheidungsunterstützungssystems werden dann entsprechend gestufte Warnungen für die betroffenen Küstenabschnitte ausgegeben. Am Betrieb des Warnzentrums in Jakarta sind über 70 Personen beteiligt, davon etwa 30 ausschließlich im Schichtbetrieb. Seit der Übergabe im März 2011 wurden mit dem Erdbebenmonitoring- und Tsunami-Frühwarnsystem nach Angaben des BMKG 1709 Erdbeben mit einer Magnitude größer als M= 5 und vierzehn Beben mit Magnitude 7 und größer ausgewertet und zu acht Ereignissen Tsunami-Warnungen an die Öffentlichkeit ausgegeben.


Breiten Raum nahmen Schulung, Ausbildung und Befähigung zur Katastrophenvorsorge auf der lokalen Ebenefür Gemeinden und Stadt- bzw. Distriktverwaltungen ein. Dieses Capacity Development wurde seit 2006 in drei „typischen“ Regionen durchgeführt: Padang (Sumatra), Cilacap (Süd-Java) und Denpasar (Bali, Touristen-Hochburg). Im Fokus standen das Verstehen der Warnmeldungen und Evakuierungsmaßnahmen. Mit den lokalen Entscheidungsträgern wurden lokale Desastermanagement-Strukturen aufgebaut und Vorsorge-Strategien entwickelt. Dazu gehörte insbesondere die Ausbildung von einheimischen Trainern, die die entwickelten Konzepte in die Breite tragen sollen. Hazard- und Risikokarten dienen als Grundlage für die lokalen Evakuierungs- wie auch Stadt- bzw. Raumplanungen. Auf der Urlaubsinsel Bali wurde die Hotelindustrie aktiv mit eingebunden. Insgesamt wurden Maßnahmen, Regelwerke und fachliche Guidelines auf lokaler und nationaler Ebene in Zusammenarbeit mit der neugegründeten indonesischen Katastrophenschutzbehörde BNPB entwickelt, die zur Umsetzung der Warnmeldungen in praktisches Schutzhandeln führen. Indonesien hat in den letzten Jahren zudem mit eigenen Mitteln die Katastrophenschulung der Bevölkerung und die Verbreitung der Warnmeldungen weiter verbessert.

Kein Frühwarnsystem kann ein starkes Erdbeben und einen dadurch ausgelösten Tsunami verhindern; auch zukünftig wird es immer wieder zu Todesopfern und größeren Sachschäden kommen. Aber durch den Aufbau eines Frühwarnsystems unter Einbeziehung organisatorischer Maßnahmen und durch umfassendes Capacity Building können die Auswirkungen solcher Naturkatastrophen gemindert werden.

Weitere Informationen zu GITEWS finden sich hier:
Bildarchiv: http://www.gfz-potsdam.de/medien-kommunikation/bildarchiv/gitews/
Kernaussagen zum System: https://media.gfz-potsdam.de/gfz/wv/05_Medien_Kommunikation/Dokumentarchiv/GITEW...
Website: http://www.gitews.de
GFZ-Berechnung des GPS Shield am Beispiel des Tohoku-Bebens: http://www.gfz-potsdam.de/medien-kommunikation/bildarchiv/gps-schild-zur-tsunami...

Dipl.Met. Franz Ossing | GFZ Potsdam

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Nährstoffhaushalt einer neuentdeckten “Todeszone” im Indischen Ozean auf der Kippe
06.12.2016 | Max-Planck-Institut für marine Mikrobiologie

nachricht Wichtiger Prozess für Wolkenbildung aus Gasen entschlüsselt
05.12.2016 | Leibniz-Institut für Troposphärenforschung e. V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Innovationen für eine nachhaltige Forstwirtschaft

06.12.2016 | Agrar- Forstwissenschaften

Diabetesforschung: Neuer Mechanismus zur Regulation des Insulin-Stoffwechsels gefunden

06.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Was nach der Befruchtung im Zellkern passiert

06.12.2016 | Biowissenschaften Chemie