Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wo man hinschaut: Mammutfunde - Maximale Mammutverbreitung während der letzten Eiszeit

17.08.2015

Eiszeitpaläontologe Prof. Dr. Ralf-Dietrich Kahlke von der Senckenberg Forschungsstation für Quartärpaläontologie in Weimar hat die maximale geographische Verbreitung der Fellmammute während der letzten Eiszeit erfasst und die weltweit genaueste Karte zu diesem Thema veröffentlicht. Insgesamt besiedelten die eiszeitlichen Dickhäuter eine Fläche von 33.301.000 Quadratkilometern. Sie können damit als erfolgreichste Großsäugetiere dieser Epoche bezeichnet werden. Als limitierende Faktoren bei der Ausbreitung werden in der kürzlich im Fachjournal „Quaternary International“ veröffentlichten Studie sowohl klimagesteuerte, als auch klimaunabhängige Einflüsse ermittelt.

Mammute sind die Symbolfiguren für die Eiszeit – diesen Status haben die zotteligen Rüsseltiere nun auch wissenschaftlich bestätigt. „Die aktuellen Forschungsergebnisse belegen, dass Mammute während der letzten Eiszeit die räumlich am weitesten verbreiteten Großsäuger waren und zu Recht als eiszeitliche Charaktertiere gelten“, erklärt Prof. Dr. Ralf-Dietrich Kahlke, Eiszeitforscher der Senckenberg Forschungsstation für Quartärpaläontologie in Weimar.


Kompletter linker Stoßzahn eines eiszeitlichen Fellmammuts (Mammuthus primigenius) aus der Sibirischen Arktis der Tajmyr-Halbinsel.

© R.-D. Kahlke/ Senckenberg Weimar


Der sibirische Permafrostboden enthält die am besten überlieferten Mammutfunde der Welt. Ein frisch entdeckter Stoßzahn wird zur Untersuchung abtransportiert.

© R.-D. Kahlke/ Senckenberg Weimar

Kahlke hat die Verbreitung der Mammute während der letzten Eiszeit, der Zeit zwischen etwa 110.000 und 12.000 Jahren vor heute, in einer Weltkarte zusammengefasst. Insgesamt kommt der Weimarer Paläontologe auf eine Fläche von 33.301.000 Quadratkilometer, über die die Großsäugetiere verbreitet waren – fast das 100fache der heutigen Fläche Deutschlands.

Von Portugal im Südwesten über Mittel- und Osteuropa, die Mongolei, Nordchina, Südkorea und Japan bis nach Nordost-Sibirien, weiter bis zum amerikanischen Mittelwesten und Ost-Kanada, von den Schelfregionen des arktischen Ozeans und Nordwest-Europa bis auf den Grund der heutigen Adria und zu den Gebirgen der Krim: Überall wurden fossile Reste der Fellmammute entdeckt!

„Wir haben die berechnete Verbreitungsfläche auf die damalige reale Landoberfläche bezogen und so die bisher exakteste Karte zu den weltweiten Lebensräumen der Fellmammute erarbeitet“, erklärt Kahlke und ergänzt: „Solche detaillierten Kenntnisse über die Verbreitungsgebiete gibt es selbst für zahlreiche heute lebende Tierarten nicht.“

Grundlage für die entstandene Karte ist die jahrzehntelange Bestandsaufnahme tausender Fundstellen auf drei Kontinenten. „Auch Fundstellen unter Wasser, vor der nordamerikanischen Atlantikküste und der Nordsee, wurden berücksichtigt. Diese Gebiete waren während der Eiszeit durch die niedrigeren Meeresspiegelstände – große Wassermengen der Erde waren in den Gletschern gebunden – trocken gefallen und wurden ebenfalls von Mammuthus primigenius besiedelt“, berichtet Kahlke.

Einzig der eiszeitliche Bison (Bison priscus) brachte es auf eine ähnlich weite Verbreitung wie die Mammute. Kahlke hierzu: „Die Bisons waren deutlich vielgestaltiger als die Fellmammute. Offenbar war die Toleranz der Mammute gegenüber verschiedenen Umweltfaktoren höher und sie konnten sich in durchaus unterschiedlichen Offenlandschaften ebenfalls sehr erfolgreich behaupten.“

Doch auch bei den haarigen Dickhäutern gab es einige Faktoren, die die Ausbreitung limitierten: Gletscher, Gebirgsketten, Halbwüsten und Wüsten, aber auch Veränderungen des Meeresspiegels oder Wechsel in der Vegetation begrenzten die Verbreitung der Mammute. „Die Analyse dieser einschränkenden Faktoren ist nützlich, um die Verbreitung von fossilen Tierarten und deren Aussterben – wie bei den Mammuten zum Ende der letzten Eiszeit – zu verstehen. Zudem helfen uns die Daten aktuelle Veränderungen der Verbreitungsräume heutiger Tierarten zu begreifen“, fasst Kahlke zusammen.

Kontakt
Prof. Dr. Ralf-Dietrich Kahlke
Senckenberg Forschungsstation für Quartärpaläontologie
Tel. 03643- 493093330
rdkahlke@senckenberg.de

Judith Jördens
Pressestelle
Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
Tel. 069- 7542 1434
pressestelle@senckenberg.de

Publikation
Kahlke, R.-D., The maximum geographic extension of Late Pleistocene Mammuthus primigenius (Proboscidea,
Mammalia) and its limiting factors, Quaternary International (2015), http://dx.doi.org/10.1016/j.quaint.2015.03.023


Die Natur mit ihrer unendlichen Vielfalt an Lebensformen zu erforschen und zu verstehen, um sie als Lebensgrundlage für zukünftige Generationen erhalten und nachhaltig nutzen zu können - dafür arbeitet die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung seit nunmehr fast 200 Jahren. Diese integrative „Geobiodiversitätsforschung“ sowie die Vermittlung von Forschung und Wissenschaft sind die Aufgaben Senckenbergs. Drei Naturmuseen in Frankfurt, Görlitz und Dresden zeigen die Vielfalt des Lebens und die Entwicklung der Erde über Jahrmillionen. Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung ist ein Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Das Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt am Main wird von der Stadt Frankfurt am Main sowie vielen weiteren Partnern gefördert.

Mehr Informationen unter www.senckenberg.de

Judith Jördens | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Neue Erkenntnisse zum Meeresspiegel-Anstieg
26.05.2017 | Universität Siegen

nachricht Polarstern ab heute unterwegs nach Spitzbergen, um Rolle der Wolken bei Erwärmung der Arktis zu untersuchen
24.05.2017 | Leibniz-Institut für Troposphärenforschung e.V. (TROPOS)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften