Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wissenschaftler planen Bohrung zum Erdmantel

08.10.2012
Konferenz in Tokio soll weiteres Vorgehen klären

Eine Bohrung, die bis in den Erdmantel vordringt, ist der Traum vieler Wissenschaftler. Das internationale Integrated Ocean Drilling Program konkretisiert jetzt die Pläne für ein solches Vorhaben.


Chikyu: einziger Weg zum Erdmantel (Foto: Wikipedia, cc Gleam)

Das Loch müsste am Meeresgrund gebohrt werden, da die Erdkruste nur hier die nötige geringe Dicke aufweist. Derzeit gibt es mehrere Projektvorschläge. Auf einer Konferenz in Tokio im April nächsten Jahres soll die Einsatzplanung für das japanische Bohr-Schiff Chikyu, welches das einzige Werkzeug ist, das die Kruste durchbrechen kann, innerhalb der nächsten zehn Jahre festgelegt werden.

Technisch Machbar

Der Erdmantel ist eine 3.000 Kilometer dicke Schicht aus heißem, aber großteils festem Gestein, die sich unter der Erdkruste, auf der wir leben, befindet. Die Kruste ist an ihren dünnsten Stellen etwa fünf Kilometer dick. Diese Orte befinden sich jedoch auf dem Grund des Meeres, was zusätzliche technische Herausforderungen mit sich bringt. An Land ist die Kruste bis zu 60 Kilometer dick. Die Forscher haben bereits drei mögliche Bohrstellen im pazifischen Ozean ausgemacht, an denen die Kruste dank ihrer Nähe zu mittelozeanischen Rücken dünn genug wäre.

"Die entsprechende Technologie für eine Bohrung zum Erdmantel ist mit der Chikyu bereits seit einigen Jahren vorhanden. Die Kosten und der logistische Aufwand sind allerdings hoch. Ob das Projekt tatsächlich umgesetzt wird, hängt vor allem von der Finanzierung und der Bereitschaft der Wissenschaftler ab, sich langfristig auf ein Projekt festzulegen", erklärt Jan Behrmann vom Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel http://www.geomar.de gegenüber pressetext. Schätzungen zufolge würden sich die Kosten für das Projekt auf etwa eine Mrd. Dollar belaufen.

Flug zum Mars

"Die Chikyu wäre dann drei bis vier Jahre im Einsatz. Für die Forschung wäre das ein großer Schritt. Proben aus dem Erdmantel haben für Geologen etwa den Stellenwert, den eine Marsmission für Astro-Physiker hat. Die Druck-, Temperatur und chemischen Verhältnisse im Gestein des Mantels sind völlig unbekannt", so Behrmann. Neue Erkenntnisse über die Zusammensetzung des Erdmantels hätten auch Einfluss auf Seismologie, Klimaforschung und unser Verständnis von Plattentektonik.

Den bisherigen Tiefenrekord für eine Unterwasserbohrung hält die Chikyu mit 2,2 Kilometer. An Land wurde schon wesentlich tiefer gebohrt, allerdings ist die dickere Kruste hier nicht wirtschaftlich sinnvoll zu erreichen. Mit Proben vom Erdmantel ist, selbst wenn alles glatt gehen sollte, nicht vor Anfang bis Mitte der 2020er-Jahre zu rechnen.

Markus Keßler | pressetext.redaktion
Weitere Informationen:
http://www.iodp.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Bisher unbekanntes Aussterben grosser Meerestiere entdeckt
27.06.2017 | Universität Zürich

nachricht Auf der Suche nach Hochtechnologiemetallen in Norddeutschland
26.06.2017 | Jacobs University Bremen gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zu aktuellen Fragen der Stammzellforschung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Fraunhofer FKIE ist Gastgeber für internationale Experten Digitaler Mensch-Modelle

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mainzer Physiker gewinnen neue Erkenntnisse über Nanosysteme mit kugelförmigen Einschränkungen

27.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wave Trophy 2017: Doppelsieg für die beiden Teams von Phoenix Contact

27.06.2017 | Unternehmensmeldung

Warnsystem KATWARN startet international vernetzten Betrieb

27.06.2017 | Informationstechnologie