Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Windfang am Schweizer Rhône-Gletscher wird wieder abgebaut

19.08.2008
Aufbau von Test-Windfang und Erhebung von Klimadaten erfolgreich verlaufen - Erste Ergebnisse über erwartete Kühlung der Gletscheroberfläche Ende 2008

Das Windfang-Projekt am schweizerischen Rhône-Gletscher geht zu Ende, die eigentliche Arbeit für die 27 Geographie-Studierenden der Johannes Gutenberg-Universität Mainz beginnt aber erst.

Messgeräte haben sechs Tage lang Daten über den Temperaturverlauf am Windfang aufgezeichnet, die in den kommenden Wochen und Monaten ausgewertet werden. "Wir haben elf automatisch messende Temperaturmessgeräte um den Windfang aufgebaut, die pro Minute einen Wert aufnehmen, das heißt wir erhalten dadurch pro Tag fast 16.000 Messwerte", teilte der Leiter der Projektstudie Prof. Dr. Hans-Joachim Fuchs vom Geographischen Institut der Uni Mainz mit.

Nach seinen Eindrücken vor Ort hat der Windfang thermische Wirkungen: "Es ist aber noch viel zu früh, eine gesicherte Aussage darüber zu machen, wie sich unsere Installation auf die Abschmelzrate ausgewirkt hat. Dazu müssen erst die gesamten Daten statistisch aufbereitet werden", so der Projektleiter.

Bei dem Windfang-Projekt haben Fuchs und seine Studierenden auf dem Rhône-Gletscher einen 15 Meter breiten Test-Windfang errichtet und Temperaturmessgeräte installiert. Die Konstruktion aus Stahlstangen und Planen soll, so die Hoffnungen, die kalten Fallwinde, die normalerweise ins Tal abfließen, aufhalten und dadurch das Eis abkühlen. Während der dreitägigen Aufbauphase am Gletscher verzeichnete die Gruppe eine Abschmelzrate von 12 Zentimetern Eisoberfläche pro Tag.

Zuletzt lag die Rate bei 10 bis 11 Zentimetern. "Obwohl das Eis schnell zurückging, haben unsere Verankerungen gehalten, und wir können den Test wie geplant zu Ende bringen", sagte Fuchs. Die Abbauarbeiten beginnen am Mittwoch, das Material und die Geräte werden am Donnerstag wieder per Lkw zurück nach Mainz transportiert. "Dort werden wir dann nach unserer Rückkehr mit der Erstellung einer Datenbank, der Analyse und Interpretation beginnen." Fuchs erwartet, dass die Auswertungen der Temperaturdaten, der Windmessungen und der Bewegungsmessungen am Eis spätestens im Dezember dieses Jahres vorliegen.

Auch die anderen Arbeitsgruppen der Projektstudie werden als nächstes ihre Daten und Erkenntnisse auswerten: Die Arbeitsgruppe Didaktik hat unter den Besuchern des Gletschers eine Umfrage zum Thema Klimawandel und Gletscher mit 350 Interviews durchgeführt und mit der Konzeption eines Gletscher-Lehrpfades, der am Rhône-Gletscher entstehen soll, begonnen.

Die Projektstudie und ihre Ergebnisse werden auf der eigens von den Studierenden dafür erstellten Homepage dokumentiert und der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. "Eine Arbeitsgruppe Film wird einen Film über unsere Projektstudie erstellen und diesen dann auch universitätsintern, öffentlich und im Fernsehen präsentieren", kündigt Fuchs an. Für die gemeinsame Ergebnispräsentation aller Arbeitsgruppen wurde der 5. Dezember 2008 ins Auge gefasst. "Bis dahin ist genügend Zeit, um alles fundiert auszuwerten und auch graphisch darzustellen und zu interpretieren."

Die Projektstudie über den Klimawandel am Rhône-Gletscher wird von zahlreichen großen und kleinen Sponsoren und Spendern unterstützt, die ebenfalls von den Studierenden akquiriert wurden. Das begann im Vorfeld bereits mit der Bereitstellung von Baumaterial und der Hilfe bei der Herstellung der Stahlstangen in Bad Kreuznach. Vor Ort hat eine Bäckerei aus Münster im Oberwallis die Studierenden unterstützt, die sich am Abend alle nicht verkauften Produkte von drei Filialen kostenlos abholen konnten.

Die Werksfeuerwehr einer großen Firma in Visp/Wallis hat dem Team noch kostenlos eine Wärmebildkamera zur Verfügung gestellt. "Wir freuen uns über diese Unterstützung, zeigt sie doch auch, dass unserem Klimageographie-Projekt in der Bevölkerung große Bedeutung beigemessen wird und von der Abschmelzung der Gletscher alle betroffen sind", kommentiert Fuchs.

Kontakt und Informationen:
Prof. Dr. Hans-Joachim Fuchs
Geographisches Institut
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Tel. +49 6131 39-24491 oder -22154 (vom 11. bis 21. August 2008)
Fax +49 6131 39-24735
E-Mail: hans.fuchs@uni-mainz.de

Petra Giegerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-mainz.de/
http://www.geo.uni-mainz.de/fuchs
http://www.staff.uni-mainz.de/hjfuchs/Wallis-Homepage-2008/index.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Stagnation im tiefen Südpazifik erklärt natürliche CO2-Schwankungen
23.02.2018 | Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

nachricht Birgt Mikroplastik zusätzliche Gefahren durch Besiedlung mit schädlichen Bakterien?
21.02.2018 | Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorstoß ins Innere der Atome

Mit Hilfe einer neuen Lasertechnologie haben es Physiker vom Labor für Attosekundenphysik der LMU und des MPQ geschafft, Attosekunden-Lichtblitze mit hoher Intensität und Photonenenergie zu produzieren. Damit konnten sie erstmals die Interaktion mehrere Photonen in einem Attosekundenpuls mit Elektronen aus einer inneren atomaren Schale beobachten konnten.

Wer die ultraschnelle Bewegung von Elektronen in inneren atomaren Schalen beobachten möchte, der benötigt ultrakurze und intensive Lichtblitze bei genügend...

Im Focus: Attoseconds break into atomic interior

A newly developed laser technology has enabled physicists in the Laboratory for Attosecond Physics (jointly run by LMU Munich and the Max Planck Institute of Quantum Optics) to generate attosecond bursts of high-energy photons of unprecedented intensity. This has made it possible to observe the interaction of multiple photons in a single such pulse with electrons in the inner orbital shell of an atom.

In order to observe the ultrafast electron motion in the inner shells of atoms with short light pulses, the pulses must not only be ultrashort, but very...

Im Focus: Good vibrations feel the force

Eine Gruppe von Forschern um Andrea Cavalleri am Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) in Hamburg hat eine Methode demonstriert, die es erlaubt die interatomaren Kräfte eines Festkörpers detailliert auszumessen. Ihr Artikel Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, nun online in Nature veröffentlich, erläutert, wie Terahertz-Laserpulse die Atome eines Festkörpers zu extrem hohen Auslenkungen treiben können.

Die zeitaufgelöste Messung der sehr unkonventionellen atomaren Bewegungen, die einer Anregung mit extrem starken Lichtpulsen folgen, ermöglichte es der...

Im Focus: Good vibrations feel the force

A group of researchers led by Andrea Cavalleri at the Max Planck Institute for Structure and Dynamics of Matter (MPSD) in Hamburg has demonstrated a new method enabling precise measurements of the interatomic forces that hold crystalline solids together. The paper Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, published online in Nature, explains how a terahertz-frequency laser pulse can drive very large deformations of the crystal.

By measuring the highly unusual atomic trajectories under extreme electromagnetic transients, the MPSD group could reconstruct how rigid the atomic bonds are...

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Von festen Körpern und Philosophen

23.02.2018 | Veranstaltungen

Spannungsfeld Elektromobilität

23.02.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vorstoß ins Innere der Atome

23.02.2018 | Physik Astronomie

Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics