Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     Siemens  n-tv 
Datenbankrecherche:

Fachgebiet (optional):

 

Westantarktis war früher offenes Meer

19.03.2009
Abschmelzen des Ross-Schelfeises hebt Ozeane um fünf Meter

Anzeige

Die Eisbedeckung der westlichen Antarktis war in früheren Zeiten kleiner als heute. Das ermittelte das internationale Forschungsprojekt ANDRILL durch Sedimentbohrungen unter dem Schelfeis in der Ross-Bucht.


Erwärmungen, die durch Neigungen der Erdachse in Zeiten erhöhter CO2-Konzentration zustande kamen, führten vor etwa 3,5 Mio. Jahren dazu, dass sich die Ross-Bucht als offenes Meer mit Algen und anderen Mikroorganismen präsentierte. Modellierungen zeigen, dass dieses Auftauen in erster Linie auf wärmeres Ozeanwasser zurückgeht.

"Früher war das Meer deutlich wärmer als minus 1,8 Grad, was die Gefriertemperatur von Meereswasser darstellt, vermutlich sogar vier bis fünf Grad", sagt Gerhard Kuhn vom an der Bohrung beteiligten Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung, im pressetext-Interview.

Zuerst führten die Forscher im Ross-Schelfeis eine Bohrung durch, die 85 Meter Schelfeis, 850 Meter darunter befindliches Meerwasser und schließlich weitere 1.285 Meter Meeresboden durchbohrte. In den Sedimenten entdeckten sie vulkanisches Gestein sowie Mikroorganismen, die Aufschluss über den früheren Zustand der Region geben.

"Wir fanden unerwartete hohe Mengen von Skeletten von zweieinhalb bis fünf Mio. Jahren alten Kieselalgen, die typisch für den offenen Ozean sind", so Kuhn. Daraus könne man schließen, dass die Ross-Bucht vor 3,5 Mio. Jahren über einen Zeitraum von etwa 200.000 Jahren ein offenes Meer mit Algenblüten gewesen sei. Eine weitere Bohrung in kontinentalen Regionen der Antarktis, deren Analyse jedoch noch aussteht, lieferte 14 bis 20 Mio. Jahre alte Sedimente an die Oberfläche.

Die Westantarktis habe in ihrer Geschichte immer wieder drei wesentliche Klimastadien durchlaufen, so Kuhn. "Erstens gab es eine völlige Vereisung in Kaltzeiten, in der die Eismasse bis zum Meeresboden vordrang, und zweitens den heutigen Zustand mit einer dünnen Schelfeis-Schicht. Schließlich gab es auch mehrmals eisfreie Zeiten, in denen die Westantarktis eine Wasserfläche mit einem Inselarchipel war." Die Zyklen zwischen Warm- und Kaltphasen hätten laut dem Bremerhavener Geowissenschaftler jeweils etwa 40.000 Jahren gedauert. Die Änderung des Eisvolumens an den Polen habe in der Vergangenheit zu den hohen Schwankungen des Meeresspiegels wesentlich beigetragen. "Vor 19.000 Jahren lag der Meeresspiegel 120 Meter unter dem heutigen Niveau, in Wärmezeiten bis zu 20 Meter darüber."

Mittlerweile gibt es auch Einschätzungen darüber, wie sich die Antarktisschmelze in Zukunft auf die Weltmeere auswirken wird. "Geht man davon aus, dass sich die Erde bis zum Jahr 2100 um zwei Grad erwärmt, führt das zu ähnlich instabilen Situationen wie früher. Eine Flutwelle ist nicht zu erwarten, jedoch ein andauerndes Abschmelzen, das sich über Jahrhunderte, vielleicht sogar über Jahrtausende hinzieht", erklärt Kuhn. Zusätzlich zum Ansteigen der Meere durch die Wärmeausdehnung der Ozeane würde der Meeresspiegel allein durch das Abschmelzen des Eises der Westantarktis um einen Meter pro hundert Jahre ansteigen. "Verschwindet diese Eismasse, steigt allein dadurch der globale Meeresspiegel um fünf bis sieben Meter", so der Antarktis-Forscher. Damit stehe auch die Kühlleistung der Pole auf dem Spiel, denn das eintreffende Sonnenlicht kann in diesem Fall nicht mehr im bisherigen Ausmaß reflektiert werden.

Johannes Pernsteiner | Quelle: pressetext.deutschland
Weitere Informationen: www.andrill.org
www.awi.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht NASA's TRMM satellite sees heavy rainfall in Tropical Storm Bud
24.05.2012 | NASA/Goddard Space Flight Center

nachricht NASA sees Tropical Storm Sanvu continue to intensify
24.05.2012 | NASA/Goddard Space Flight Center

Alle Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>


Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Im wahrsten Sinne „Spitzenforschung“: IPHT-Forscher untersuchen Eiweißfasern mit größter Genauigkeit


Krankheiten wie Parkinson, Alzheimer und bestimmte Krebsformen gehen auf eine fehlerhafte Faltung und Aggregation von Eiweißen im Körper zurück.

Wissenschaftlern des Instituts für Photonische Technologien (IPHT) in Jena ist es erstmals gelungen, Proteinstrukturen auf sub-molekularer Ebene nachzuweisen und spektroskopisch zu analysieren. Ein wichtiger Schritt zum Verständnis der Krankheitsursachen.

„Bis heute hat man nicht genau verstanden, was die fehlerhafte Faltung und Aggregation von Eiweißen, zum Beispiel im Zusammenhang mit Alzheimer, ...

Im Focus: Widerspenstiges Quasiteilchen erzeugt


Die Quantenphysik beschreibt physikalische Vorgänge in Festkörpern und anderen Vielteilchensystemen auch mit Hilfe von Quasiteilchen.

Innsbrucker Physikern um Rudolf Grimm ist es nun erstmals gelungen, ein neues Quasiteilchen - ein repulsives Polaron - in einem Quantengas experimentell zu erzeugen. Die Forscher berichten darüber in der Online-Ausgabe der Fachzeitschrift Nature.

Ultrakalte Quantengase sind ein ideales Experimentierfeld, um physikalische Phänomene in Festkörpern zu simulieren. Unter streng kontrollierten Bedingungen ...

Im Focus: Licht lässt Partikel wachsen - Forscher entdecken neuen Mechanismus in der Atmosphäre


Licht lässt die Partikel in der Atmosphäre wachsen. In einem Experiment hat ein internationales Forscherteam erstmals einen neuen Mechanismus nachweisen können, bei dem Partikel durch Licht größer werden und der damit Einfluss auf die Wolkenbildung und das Klima hat.

Photokatalytische Reaktionen können zu einer schnellen Bindung von nicht kondensierenden flüchtigen organischen Kohlenwasserstoffen (VOCs) auf der Oberfläche der Partikel führen. Unter solchen Bedingungen nehme die Größe und Masse der Partikel schnell zu, schreiben die Wissenschaftler im renommierten Fachblatt PNAS.

Die Ergebnisse des Laborexperimentes könnten Effekte erklären, die bisher schon bei Feldkampagnen ...

Im Focus: Abschreckung: Tabak signalisiert angreifenden Zikaden Verteidigungsbereitschaft


Ähnlich wie blutsaugende Insekten prüfen Pflanzenschädlinge ihren Wirt auf Abwehrsignale, bevor sie anfangen zu fressen

Pflanzen bilden wenige Minuten nach Angriff eines Fraßfeindes Jasmonsäure, ein Hormon, das die Verteidigung gegen Insekten in Gange setzt mit der Folge, dass giftige Stoffe wie Nikotin oder Verdauungshemmer in den Blättern akkumulieren.

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie, Jena, haben jetzt herausgefunden, dass Zwergzikaden die Verteidigungsbereitschaft von Tabakpflanzen aufspüren können. ...

Im Focus: Erbgutkopie reist im Protein-Koffer


Wissenschaftlern vom Institut für Physikalische und Theoretische Chemie der Universität Bonn ist es erstmals gelungen, den Transport eines wichtigen Informationsträgers in biologischen Zellen praktisch unmodifiziert in Echtzeit zu filmen.

Die Studie zeigt, wie die so genannte Boten-RNA die Zellkernhülle überwindet und vom Zellkern in das Zytoplasma gelangt. Diese Arbeit ist nun in dem renommierten Journal „Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA“ (PNAS) publiziert.

Der Bauplan aller Lebewesen ist in ihrem Erbgut gespeichert. Dieses lagert bei höheren ...

Alle Focus-News des innovations-reports >>>

Anzeige

B2B Suche
Produkt / Dienstleistung
Firma / Organisation

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Aktuell

Energieversorger vor dem Umbruch

24.05.2012 | Studien Analysen

Stem-cell-growing surface enables bone repair

24.05.2012 | Biowissenschaften Chemie

Im wahrsten Sinne „Spitzenforschung“: IPHT-Forscher untersuchen Eiweißfasern mit größter Genauigkeit

24.05.2012 | Biowissenschaften Chemie

VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Veranstaltungen

NieKE Themenforum: Ökonomie - Tierschutz - Lebensmittelsicherheit

24.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

Nachhaltigkeit in der Schifffahrt: Werte vs. Wertschöpfung

24.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

Wissenschaft und Öffentlichkeit

24.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

FindAndHelp