Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

WegenerNet: Klimastationsnetzwerk der Uni Graz erfährt als Pionierprojekt international Beachtung

09.04.2014

151 Messstationen im Raum Feldbach in der Südoststeiermark zeichnen seit 2007 alle fünf Minuten Wetter- und Klimadaten auf. Mit dieser räumlichen und zeitlichen Dichte ist das Netzwerk, das unter dem Namen „WegenerNet“ vom Wegener Center für Klima und Globalen Wandel der Uni Graz eingerichtet wurde, international einzigartig. Es macht die Steiermark zur Modellregion für die Klimaforschung auch in anderen Teilen der Erde. Weltweite Bekanntheit erlangt das Pionierprojekt nun durch seine Vorstellung in der aktuellen Ausgabe des renommierten Bulletin of the American Meteorological Society (BAMS).

„Die Publikation über das WegenerNet im BAMS ist nicht nur eine besondere Anerkennung unserer Arbeit, sondern eröffnet unserem Klimastationsnetz auch den Weg zur breiten internationalen Nutzung der Daten“, freut sich Univ.-Prof. Dr. Gottfried Kirchengast, Leiter des Wegener Center für Klima und Globalen Wandel der Universität Graz und Hauptautor der Arbeit. 


Kleinräumige Temperaturänderungen und Regenzellen während eines sommerlichen Starkregens für Abschnitte mit einer Dauer von fünf Minuten im WegenerNet-Gebiet.

Wegener Center/Uni Graz

Warum die Messungen aus dem Raum Feldbach weit über die Grenzen des Landes hinaus von Bedeutung sind, liegt daran, dass die Südoststeiermark als Modellregion dienen kann. „Das Wetter in der Region ist sehr vielseitig und repräsentativ für viele andere Gebiete auf der Welt in mittleren geografischen Breiten, etwa in Amerika oder Asien“, erklärt Kirchengast.

„Hinzu kommt, dass hier am Übergang zwischen dem Mittelmeerraum und den Alpen Klimatrends und -schwankungen stark ausgeprägt sind. Dadurch lassen sich Wetter- und Klimarisiken besonders gut untersuchen.“ Seit 2013 ist das WegenerNet auch Teil des europäischen Langzeit-Umweltforschungsnetzwerks LTER (Long Term Ecological Research).

Ein Forschungsfeld ist etwa die Entwicklung der Starkniederschläge. So gibt es Hinweise auf heftiger werdende Niederschläge in kürzeren Intervallen und diese konzentrieren sich auf zunehmend kleinere Gebiete.

„Das kann heißen, dass zum Beispiel das Raabtal in kurzer Zeit große Regenmengen abbekommt, während das Untere Murtal fast verschont bleibt“, erläutert Kirchengast. Die betroffene Region hat mit zunehmenden Schäden, beispielsweise durch Überschwemmungen und Hangrutschungen, zu rechnen.

Im WegenerNet ist jede Messstation nur ein bis zwei Kilometer von der nächsten entfernt und liefert Daten im Fünf-Minuten-Takt, sodass die Eigenschaften der variablen Starkniederschläge besonders gut untersucht werden können. Das allgemeine österreichische Wetterstationsnetz hat eine durchschnittliche Auflösung von 15 bis 20 Kilometer – eine im internationalen Vergleich bereits relativ hohe Dichte.

Die kleinräumige Beobachtung spielt vor allem dann eine wichtige Rolle, wenn Wetter- und Klimaerscheinungen aufgrund der landschaftlichen Gegebenheiten von Gebiet zu Gebiet stark variieren, wie etwa im Alpenvorland. Die Daten aus dem WegenerNet dienen auch der Überprüfung von Klimamodellen und helfen, diese zu verbessern.

Ab 2010 wurde das WegenerNet um Klimastationen im Nationalpark Gesäuse erweitert, auf verschiedenen Höhenstufen, vom Tal bis auf über 2000 Meter. Zusätzlich werden dort der Pegel und die Geschiebefracht der Flüsse gemessen.

Diese Daten nutzen im Rahmen des Forschungsschwerpunkts „Umwelt und Globaler Wandel“ der Universität Graz mehrere Arbeitsgruppen: Univ.-Prof. Dr. Oliver Sass vom Institut für Geographie und Raumforschung befasst sich mit Naturgefahren, wie Überflutungen, Felsstürze oder Vermurungen. Univ.-Prof. Dr. Steffen Birk vom Institut für Erdwissenschaften untersucht Veränderungen im Bereich von Bodenfeuchte und Grundwasser.

Auch das soeben gestartete, vom Wissenschaftsfonds FWF geförderte Doktoratskolleg, das die Klimaforschung an der Universität Graz interdisziplinär zusammenführt, wird die Daten des WegenerNet intensiv nutzen.

Publikation:
G. Kirchengast, T. Kabas, A. Leuprecht, C. Bichler, and H. Truhetz (2014):
WegenerNet: A pioneering high-resolution network for monitoring weather and climate.
Bull. Amer. Meteor. Soc., 95, 227-242

Bildmaterial:
http://bit.ly/PSwR91
http://bit.ly/Os1Ojp

Kontakt:
Univ.-Prof. Dr. Gottfried Kirchengast
Wegener Center für Klima und Globalen Wandel der Universität Graz
Tel.: 0043 (0)316/380-8431
E-Mail: gottfried.kirchengast@uni-graz.at

Weitere Informationen:

http://www.wegcenter.at/wegenernet Klimastationsnetz WegenerNet
http://dx.doi.org/10.1175/BAMS-D-11-00161.1 Publikation im BAMS

Mag. Gudrun Pichler | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Der Salzwasser-Wächter auf der Darßer Schwelle
19.09.2017 | Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde

nachricht Zeppelin, Drohnen und Forschungsschiffe untersuchen Wattenmeer und Elbe
19.09.2017 | Helmholtz-Zentrum Geesthacht - Zentrum für Material- und Küstenforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Im Focus: Ultrakurze Momentaufnahmen der Dynamik von Elektronen in Festkörpern

Mit Hilfe ultrakurzer Laser- und Röntgenblitze haben Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik (Garching bei München) Schnappschüsse der bislang kürzesten Bewegung von Elektronen in Festkörpern gemacht. Die Bewegung hielt 750 Attosekunden lang an, bevor sie abklang. Damit stellten die Wissenschaftler einen neuen Rekord auf, ultrakurze Prozesse innerhalb von Festkörpern aufzuzeichnen.

Wenn Röntgenstrahlen auf Festkörpermaterialien oder große Moleküle treffen, wird ein Elektron von seinem angestammten Platz in der Nähe des Atomkerns...

Im Focus: Ultrafast snapshots of relaxing electrons in solids

Using ultrafast flashes of laser and x-ray radiation, scientists at the Max Planck Institute of Quantum Optics (Garching, Germany) took snapshots of the briefest electron motion inside a solid material to date. The electron motion lasted only 750 billionths of the billionth of a second before it fainted, setting a new record of human capability to capture ultrafast processes inside solids!

When x-rays shine onto solid materials or large molecules, an electron is pushed away from its original place near the nucleus of the atom, leaving a hole...

Im Focus: Quantensensoren entschlüsseln magnetische Ordnung in neuartigem Halbleitermaterial

Physiker konnte erstmals eine spiralförmige magnetische Ordnung in einem multiferroischen Material abbilden. Diese gelten als vielversprechende Kandidaten für zukünftige Datenspeicher. Der Nachweis gelang den Forschern mit selbst entwickelten Quantensensoren, die elektromagnetische Felder im Nanometerbereich analysieren können und an der Universität Basel entwickelt wurden. Die Ergebnisse von Wissenschaftlern des Departements Physik und des Swiss Nanoscience Institute der Universität Basel sowie der Universität Montpellier und Forschern der Universität Paris-Saclay wurden in der Zeitschrift «Nature» veröffentlicht.

Multiferroika sind Materialien, die gleichzeitig auf elektrische wie auch auf magnetische Felder reagieren. Die beiden Eigenschaften kommen für gewöhnlich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

»Laser in Composites Symposium« in Aachen – von der Wissenschaft in die Anwendung

19.09.2017 | Veranstaltungen

Biowissenschaftler tauschen neue Erkenntnisse über molekulare Gen-Schalter aus

19.09.2017 | Veranstaltungen

Zwei Grad wärmer – und dann?

19.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

»Laser in Composites Symposium« in Aachen – von der Wissenschaft in die Anwendung

19.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Zentraler Schalter der Immunabwehr gefunden

19.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Materialchemie für Hochleistungsbatterien

19.09.2017 | Biowissenschaften Chemie