Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wasser für Zentralasien

04.03.2014

In den trockenen Regionen Zentralasiens wollen mehrere Staaten ein länderübergreifendes Wassermanagement einrichten. Geographen der Universität Würzburg unterstützen sie dabei.

Nördlich des Hindukusch liegen die Gebirge Pamir, Alai und Tienshan. Für einige Länder Zentralasiens sind sie eine wichtige Wasserquelle, denn ihr Wasser macht den Anbau von Baumwolle, Reis und Weizen in sehr trockenen Gebieten möglich. Dafür sorgt ein Bewässerungssystem: Es besteht aus Stauseen im Gebirge, die der Regulierung der Flüsse dienen, und einem Kanalnetz im Flachland.

Region Isfara-Fluss in Zentralasien

Beispiel für eine Karte, die die Landbedeckung und Landnutzung in der Region Isfara-Fluss in Zentralasien zeigt.

(Foto: CAWA-Projekt)

Das Bewässerungssystem geht noch auf die Zeit der Sowjetunion zurück. Seit deren Zerfall Anfang der 1990er-Jahre allerdings wird es nicht mehr von einer einzigen Hand betrieben, sondern von fünf zentralasiatischen Staaten, die damals von der Sowjetunion unabhängig wurden. Und das hat Konsequenzen.

Die Länder am Oberlauf der Flüsse in der Region lassen aus den Stauseen im Winter zunehmend Wasser ab, um Strom zu erzeugen. Im Frühling und Sommer fehlt dadurch am Unterlauf Wasser für die Landwirtschaft – denn Schneeschmelze und Niederschläge liefern nicht ausreichend Nachschub für die Stauseen. Außerdem geht aus dem Kanalnetz viel Wasser verloren, weil die Kanäle zum großen Teil nicht betoniert sind. Der Klimawandel kann diese Situation in Zukunft noch verschärfen.

Wassermanagement-Projekt von der GIZ gefördert

Ganz wichtige Beiträge für die Wasserversorgung leisten daher gerade die kleineren Flussgebiete, die häufig Landesgrenzen überschreiten. Dazu gehört der Fluss Isfara. Er strömt durch Kirgistan und Tadschikistan und mündet im usbekischen Teil des Fergana-Tals in den großen Syr Darya. Am Isfara stehen vor allem die Wasserversorgung der Landwirtschaft und Naturrisiken mit teils erheblichen Schäden durch Murenabgänge im Vordergrund.

„Dieses Beispiel zeigt, dass ein gemeinsames Wassermanagement für die zentralasiatischen Länder sehr wichtig ist“, sagt Professor Christopher Conrad von der Universität Würzburg. Das haben auch die Regierungen der beiden Länder erkannt: Sie streben die Einrichtung einer staatenübergreifenden „Wasserbehörde“ an. Unterstützt wird dieser Prozess von der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit, der GIZ. Finanziert werden die Arbeiten von der Europäischen Union im Projekt „Water Management and Basin Organisations in Central Asia“.

An dem Projekt sind auch zwei Arbeitsbereiche der Würzburger Geographie beteiligt: Professor Christopher Conrad (Fernerkundung) mit seinen Doktoranden Fabian Löw und Gunther Schorcht sowie der Diplomandin Elisabeth Fliemann; außerdem Professor Heiko Paeth (Klimaforschung) mit seiner Doktorandin Birgit Mannig.

An Workshops in Zentralasien teilgenommen

Erst vor kurzem waren die Würzburger Wissenschaftler in Zentralasien vor Ort. Dort haben sie staatliche Einrichtungen in Tadschikistan und Kirgistan bei Workshops unterstützt, bei denen die Einrichtung der länderübergreifenden „Wasserbehörde“ vorbereitet wurde.

„Wir haben den Landplanern unter anderem gezeigt, wie man geographische Informationssysteme als Arbeitswerkzeuge nutzt und wie man mit einfachen Mitteln Landnutzungskarten erstellt“, sagt Professor Conrad. Diese Karten geben Aufschluss darüber, welche Flächen für die Landwirtschaft oder anderweitig genutzt werden, wie die Böden beschaffen sind, wie Flüsse und Kanäle verlaufen.

Die Karten zeigen den Planern vor Ort erstmals auch, wie stark welche Regionen im Gebirgsbereich des Isfara-Flusses von Geröll- und Schlammlawinen (Muren) gefährdet sind. „Muren richten dort jedes Jahr große Schäden an“, erklärt Conrad. Mit den Karten können die Behörden vor Ort nun erstmals gemeinsam klären, wo neue Schutzeinrichtungen nötig sind und wo bestehende saniert werden müssen.

Klimamodelle und ihre Leistung vorgestellt

Die Klimaforschungsgruppe von Professor Paeth hatte bei den Workshops ein besonderes Anliegen: „Wir wollten bei den Fachleuten vor Ort ein Bewusstsein dafür schaffen, welche Klimamodelle es heute gibt und was sie leisten können“, sagt Doktorandin Birgit Mannig.

Schwierig sei beispielsweise eine Voraussage darüber, wie sich die Erderwärmung auf die zentralasiatischen Gletscher auswirkt. Denn die Gletscher dort sind in der Regel von Schutt bedeckt und erscheinen darum nicht weiß, sondern grau. Darum lassen sie sich auf Satellitenbildern nicht von der Umgebung abgrenzen, und somit ist es schwierig, ihre jeweilige Ausdehnung exakt zu erfassen.

Einbindung einer weiteren Region geplant

Der Prozess, den die Geographen in Tadschikistan und Kirgistan begleiten, soll nun auf eine weitere grenzüberschreitende Flussregion in Zentralasien ausgedehnt werden. Einen Teil ihrer Methodik haben die Wissenschaftler auf diese Region schon angewendet, weitere Aktivitäten sollen folgen.

Würzburger Geographie im CAWA-Projekt

Mit Zentralasien sind die Würzburger Geographen bestens vertraut. Seit 2008 sind sie an einem Projekt beteiligt, das ein nachhaltiges Wassermanagement in dieser Region anstrebt. Das Projekt heißt CAWA (Central Asian Water) und wird unter anderem vom Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland finanziell gefördert.

Zur Homepage des CAWA-Projekts: http://www.cawa-project.net

Kontakt

Prof. Dr. Christopher Conrad, Lehrstuhl für Fernerkundung, Universität Würzburg, T (0931) 31-84960, christopher.conrad@uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Der steile Aufstieg der Berner Alpen
24.03.2017 | Universität Bern

nachricht Internationales Team um Oldenburger Meeresforscher untersucht Meeresoberfläche
21.03.2017 | Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise