Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wasser im fragilen Geo-System Zentralasiens

16.09.2011
Messnetz zur Erfassung der Vorgänge im Hochgebirge

Am 16.09.2011 nahmen deutsche und zentralasiatische Wissenschaftler in der kirgisischen Hauptstadt Bischkek ein Netzwerk hydrometeorologischer Monitoring-Stationen in Kirgisistan (Baitik, Taragai, Kokemeren, Abramov-Gletscher) in Betrieb.


© GFZ
Aufbau einer hydrometeorologischen Station am Abramov-Gletscher, Kirgisistan.

Es handelt sich um wartungsarme, automatisierte Stationen mit Fernabfrage der Daten und der Möglichkeit einer Fernwartung. Die Stationen sind daher für den Betrieb in den Hochgebirgsregionen, z.B. am Abramov-Gletscher im Alai-Gebirge auf 4500 m NN. hervorragend geeignet. Die Messstationen wurden vom Deutschen GeoForschungsZentrum GFZ (Helmholtz-Gemeinschaft) selbst entwickelt und gemeinsam mit Wissenschaftlern des Zentralasiatischen Instituts für Angewandte Geowissenschaften CAIAG aufgestellt. Das Messnetz ist Teil der Forschungsarbeiten der „Wasserinitiative Zentralasien“, die 2008 vom Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland im Rahmen des „Berliner Prozesses“ ins Leben gerufen wurde.

Im Beisein der deutschen Botschafterin in der Republik Kirgisistan, Gudrun Sräga, dem Minister für Notstandssituationen der Kirgisischen Republik, Bolotbek Borbiev,der Stellvertretenden Außenministerin Kirgisistans, Dinara Kemelova, Vertretern von Botschaften der Zentralasiatischen Staaten sowie Vertretern des CAIAG und des GFZ wurde mit einer symbolischen Zeremonie der Messbetrieb am CAIAG in Gang gesetzt. Das vom Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland geförderte Projekt „Wasser in Zentralasien“ (CAWa) wird die Daten unter Federführung des GFZ wissenschaftlich auswerten und den zentralasiatischen Staaten sowohl die Daten als auch die Auswertungsprodukte zur Verfügung stellen.

CAWa leistet damit einen wichtigen Beitrag zum Aufbau einer zuverlässigen und langfristigen wissenschaftlichen Datenbasis und einer technischen Infrastruktur im Wassersektor für Zentralasien. Diese ist eine wesentliche Voraussetzung für die Entwicklung einer nachhaltigen Wasserbewirtschaftung in der Region und für den Aufbau und Betrieb von Frühwarnsystemen für Hochwassergefährdungen. Die zeitlich hoch aufgelösten und nahezu in Echtzeit per Satellit übermittelten Daten der neuen High-Tech-Stationen können sowohl für die Wettervorhersage eingesetzt, als auch für wissenschaftliche Fragestellungen wie etwa die Abschätzung der Folgen des Klimawandels oder die Überwachung von Hochgebirgsgletschern angewendet werden.

Wasser ist als Umwelt- und Wirtschaftsfaktor, aber auch als Georessource in Zentralasien ein entscheidender Faktor. Die Erfassung der vorhandenen Wassermengen, ihre Nutzung für die Landwirtschaft und im Energiesektor sowie die Rolle des Wassers für vielfältige Gefährdungen sind für alle Staaten in der Region von entscheidender Wichtigkeit.

Die dafür notwendigen Beobachtungsdaten werden jedoch zur zeit nur noch lückenhaft erhoben: Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion verringerte sich die Anzahl der meteorologischen Stationen in Kirgisistan von 83 Stationen im Jahr 1986 auf 30 im Jahr 2005, die Anzahl der Abflussmessstationen sank im gleichen Zeitraum von 152 auf 76. Ähnlich sieht die Situation in anderen Ländern der Region aus. Der größte Rückgang der systematischen Beobachtungen war in den höher gelegenen Gebirgsregionen, dem entscheidenden Quellgebiet für die verfügbaren Wasserresourcen, zu verzeichnen, weil dort der Betrieb der Stationen am aufwändigsten ist und die finanziellen Mittel dafür fehlten.

Um die Geo-Probleme der Region adäquat anzugehen, gründeten 2002 das Deutsche GeoForschungsZentrum GFZ (Helmholtz-Gemeinschaft) und die Kirgisische Republik das Zentralasiatische Institut für Angewandte Geowissenschaften, in dem die hydrometeorologischen Daten jetzt zusammenlaufen. Der deutsche Co-Direktor des CAIAG, Dr. Jörn Lauterjung vom GFZ, sagte anlässlich der Inbetriebnahme der neuen Stationen: „/Hydrometeorologische Beobachtungsdaten sind wesentlich für das Wassermanagement, aber auch für die Etablierung prognostischer Verfahren als Basis für zukünftige Entscheidungsprozesse in der Region. Sie verbinden Wettervorhersage, Abflussvorhersage und die saisonale Vorhersage zur erwarteten Wasserverfügbarkeit in der Vegetationsperiode./“ Sein kirgisischer Partner, Co-Direktor Dr. Bolot Moldobekov stimmt ihm zu: „/Eine wichtige Komponente ist dabei die Etablierung eines modernen automatisierten regionalen Monitoring-Netzwerks, das in Sekundenschnelle zuverlässige Daten zum

Wetter- und Abflussgeschehen liefern kann. In der ersten und zweiten Projektphase des CAWa-Projektes wurden jetzt auf dem Gebiet der Kirgisischen Republik vier Messstationen installiert/.“

In der folgenden Phase soll das Netz auf andere Staaten in Zentralasien ausgedehnt werden, denn das Wasserproblem lässt sich nur grenzüberschreitend lösen – einer der Gründe für die Förderung des CAWa-Projekts durch das Auswärtige Amt. Es dient der Stärkung der Kooperation zwischen zentralasiatischen, deutschen und internationalen Wissenschaftlern und Institutionen und stellt so einen wesentlichen Beitrag zum Aufbau einer zuverlässigen wissenschaftlichen und technischen Datenbasis für Fragen des Wasserhaushalts, der Klimaentwicklung und des Gefährdungspotentials in Zentralasien dar. Zu den Aktivitäten gehören insbesondere auch Training und Ausbildung von Spezialisten der zentralasiatischen hydrometeorologischen Dienste. Dazu gehört ein eigens für CAWa entwickeltes System von Trainings- und Ausbildungsmaßnahmen, die in Zentralasien und am GFZ in Potsdam stattfinden.

Franz Ossing
Helmholtz Centre Potsdam
GFZ German Research Centre for Geosciences
Deutsches GeoForschungsZentrum
- Public Relations -
Telegrafenberg
14473 Potsdam / Germany
e-mail: ossing@gfz-potsdam.de
Tel. ++49 (0)331-288 1040
Fax ++49 (0)331-288 1044

Franz Ossing | GFZ Potsdam
Weitere Informationen:
http://www.gfz-potsdam.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht In Zeiten des Klimawandels: Was die Farbe eines Sees über seinen Zustand verrät
21.09.2017 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

nachricht Der Salzwasser-Wächter auf der Darßer Schwelle
19.09.2017 | Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: LaserTAB: Effizientere und präzisere Kontakte dank Roboter-Kollaboration

Auf der diesjährigen productronica in München stellt das Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT das Laser-Based Tape-Automated Bonding, kurz LaserTAB, vor: Die Aachener Experten zeigen, wie sich dank neuer Optik und Roboter-Unterstützung Batteriezellen und Leistungselektronik effizienter und präziser als bisher lasermikroschweißen lassen.

Auf eine geschickte Kombination von Roboter-Einsatz, Laserscanner mit selbstentwickelter neuer Optik und Prozessüberwachung setzt das Fraunhofer ILT aus Aachen.

Im Focus: LaserTAB: More efficient and precise contacts thanks to human-robot collaboration

At the productronica trade fair in Munich this November, the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT will be presenting Laser-Based Tape-Automated Bonding, LaserTAB for short. The experts from Aachen will be demonstrating how new battery cells and power electronics can be micro-welded more efficiently and precisely than ever before thanks to new optics and robot support.

Fraunhofer ILT from Aachen relies on a clever combination of robotics and a laser scanner with new optics as well as process monitoring, which it has developed...

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Legionellen? Nein danke!

25.09.2017 | Veranstaltungen

Posterblitz und neue Planeten

25.09.2017 | Veranstaltungen

Hochschule Karlsruhe richtet internationale Konferenz mit Schwerpunkt Informatik aus

25.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Legionellen? Nein danke!

25.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Hochvolt-Lösungen für die nächste Fahrzeuggeneration!

25.09.2017 | Seminare Workshops

Seminar zum 3D-Drucken am Direct Manufacturing Center am

25.09.2017 | Seminare Workshops