Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wandel der Meere bedroht die Menschheit

14.09.2011
Forscher warnen vor steigenden Ozeanen, Stürmen und Erosion

Die aktuellen und künftigen Veränderungen der Temperatur und Chemie des Meeres verursachen hohe ökologische, finanzielle und soziale Kosten. Das zeigen über 100 Projekte der EU-Meersforschungs-Initiative "CLAMER", die am heutigen Mittwoch in Brüssel präsentiert werden. "Die ganze Menschheit ist vom Wandel der Meere betroffen. Viele Systeme wie etwa das Wetter werden von den Ozeanen gesteuert", erklärt Carlo Heip, CLAMER-Projektkoordinator und Direktor des Niederländischen Instituts für Meeresforschung, im pressetext-Interview.

Überflutungen, Stürme, Tierwanderungen

Die wohl dramatischste Auswirkung bringt der Anstieg des Meeresspiegels. Dieser beträgt global zwei bis drei Millimeter pro Jahr, in manchen Regionen jedoch mehr. "Alle küstennahen Gebiete in Meereshöhe sind bedroht. Viele Regionen Hollands liegen sogar tiefer", so Heip. Selbst wenn keine Katastrophe passiert, koste die nötige Anpassung eine mehrstellige Milliardensumme. Weiter erwarten die Forscher eine zunehmende Erosion der Küsten, Änderungen der Meeresströmungen, eine Fortschreiten von Versauerung, Sauerstoffentzug und Eisschmelze, mehr und stärkere Stürme sowie biologische Wandel.

Den Wandel in der Tierwelt veranschaulicht der Meeresforscher an zwei Beispielen. In der Nordsee wandern viele Arten wie etwa der Schellfisch aufgrund des sich erwärmenden Wassers nordwärts und machen Platz für nachrückende Arten aus dem Süden. Dieselbe Tendenz ist auch im Mittelmeer zu finden - nur dass dort die Fische nicht nach Norden entweichen können und deshalb etwa in der Adria gefangen bleiben. Schon heute gilt das Mittelmeer auch deshalb als das am meisten gefährdete Meer weltweit (pressetext berichtete: http://pressetext.com/news/20100803026 ).

Arbeitslose und Krankheiten
Der Wandel hat weitreichende Folgen für den Menschen - muss sich doch etwa die Fischerei vielerorts umstellen. "Fischer im Norden profitieren teils, für die meisten sind aber Nachteile in Sicht", so Heip. Ein Wandel im Arbeitsmarkt infolge der Erwärmung ist auch im Tourismus zu erwarten, da Urlauber künftig lieber nach Norden ausweichen, sobald im Mittelmeerraum 40 Grad im Sommer üblich werden. Im wärmeren Meereswasser fühlen sich zudem bestimmte Krankheitserreger wohler und über Wasser übertragene Krankheiten werden zunehmen.

Je früher wir dem Klimawandel entgegensteuern, desto besser, ergänzt die Ökologin Katja Philippart im pressetext-Interview. "Hohes Problembewusstsein der Politik und enge Zusammenarbeit mit der Forschung sind dafür nötig. Seit der Finanzkrise haben derartige Maßnahmen jedoch keine Priorität mehr. Politische Bekenntnisse verweisen oft auf 2020 oder später. Das ist gefährlich, da der Horizont heutiger Entscheidungen oft nicht über die Legislaturperiode hinausreicht."

Johannes Pernsteiner | pressetext.redaktion
Weitere Informationen:
http://clamer.eu
http://www.nioz.nl

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Die gefrorenen Küsten der Arktis: Ein Lebensraum schmilzt davon
22.11.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

nachricht Klimawandel begünstigt Methanfreisetzung aus Gewässern
22.11.2017 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

IfBB bei 12th European Bioplastics Conference mit dabei: neue Marktzahlen, neue Forschungsthemen

22.11.2017 | Veranstaltungen

Zahnimplantate: Forschungsergebnisse und ihre Konsequenzen – 31. Kongress der DGI

22.11.2017 | Veranstaltungen

Tagung widmet sich dem Thema Autonomes Fahren

21.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Bakterien als Schrittmacher des Darms

22.11.2017 | Biowissenschaften Chemie

Ozeanversauerung schädigt Miesmuscheln im Frühstadium

22.11.2017 | Biowissenschaften Chemie

Die gefrorenen Küsten der Arktis: Ein Lebensraum schmilzt davon

22.11.2017 | Geowissenschaften