Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wärmeres Mittelmeer führt zu stärkeren Extremniederschlägen

08.09.2016

Modellstudie legt Zusammenhang zwischen höheren Wassertemperaturen und Überschwemmungen nahe

Das Elbehochwasser 2002, das Oderhochwasser 2010 oder das Donauhochwasser 2013 – seit Beginn des 21. Jahrhunderts haben Extremniederschläge über Mitteleuropa immer wieder zu katastrophalen Überschwemmungen geführt.


Satellitenbild der Elbe bei Wittenberg am 20. August 2002. Es zeigt die verheerenden Überschwemmungen des Hochwassers, das Tief "Ilse" verursacht hat. Höhere Oberflächentemperaturen des Mittelmeers könnten derartige Extremwetter in Zukunft verstärken. Foto: NASA, earthobservatory.nasa.gov

Ein Team von Klimaforschern aus Deutschland, Österreich und Russland unter der Leitung des GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel konnte jetzt belastbare Anhaltspunkte dafür finden, dass die steigenden Wassertemperaturen des Mittelmeers in direktem Zusammenhang mit der zunehmenden Intensität von Starkregenereignissen über Europa stehen. Die Studie ist in der internationalen Fachzeitschrift Scientific Reports erschienen.

Das Tiefdruckgebiet, das eine der schlimmsten Überschwemmungskatastrophen in Europa während der vergangenen 100 Jahre auslöste, trug den Namen „Ilse“. Es bildete sich im Sommer 2002 über dem westlichen Mittelmeer und zog im August nach Nordosten über die Alpen bis nach Tschechien, Österreich, Polen und Südostdeutschland. Dort regnete es sich ab.

Ilse führte so viel Feuchtigkeit mit sich, dass die Regenfälle in den Bergen Schlammlawinen auslösten und zahlreiche Flüsse – und anderem die Elbe – über die Ufer treten ließen. Alleine in Deutschland starben mehr als 20 Menschen, der Gesamtschaden wurde hier auf etwa 10 Milliarden Euro geschätzt. Ähnlich katastrophale Überschwemmungen ereigneten sich 2010 entlang der Oder und 2013 an der Donau.

Ein Team von Klimaforschern aus Deutschland, Österreich und Russland hat jetzt mit Hilfe eines Zirkulationsmodells der Atmosphäre den Einfluss der steigenden Wassertemperaturen des Mittelmeers auf die Heftigkeit von Extremniederschlägen untersucht.

„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die steigenden Temperaturen die besonders starken Regenfälle von Tiefdruckgebieten aus dem Mittelmeerraum noch weiter verstärken“, sagt die Geoökologin Dr. Claudia Volosciuk vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. Sie ist die Erstautorin der Studie, die in der internationalen Fachzeitschrift Scientific Reports erschienen ist.

Grundsätzlich sind Tiefdruckgebiete, die vom Mittelmeer in nordöstliche Richtung nach Mitteleuropa ziehen und dort für zum Teil heftige Niederschläge sorgen, nicht ungewöhnlich. Im Gegenteil: Der deutsche Meteorologe Wilhelm Jacob van Bebber prägte schon im Jahr 1891 den Namen „Vb-Zyklone“ (gesprochen: Fünf-b-Zyklone) für diese Tiefdruckgebiete. Die Bezeichnung ist bis heute gebräuchlich.

„Allerdings hat sich in den vergangenen 100 Jahren ein wichtiger Faktor geändert, und das sind die durchschnittlichen Wassertemperaturen des Mittelmeers“, erklärt die Erstautorin. Seit den 1970er Jahren steigen sie kontinuierlich an. Vor allem in den Sommermonaten Juni, Juli und August ist die Erwärmung besonders stark ausgeprägt und bis zu viermal höher als im globalen Durchschnitt.

Höhere Wassertemperaturen bedeuten mehr Verdunstung in der Region, in der sich die typischen Mittelmeer-Tiefdruckgebiete bilden. „Die zusätzliche Feuchtigkeit wird von den Vb-Zyklonen nach Zentraleuropa transportiert und erhöht somit die Wahrscheinlichkeit, dass es im Zusammenhang mit den Vb-Zyklonen zu höheren Niederschlagsmengen kommt“, sagt Koautor Prof. Dr. Mojib Latif vom GEOMAR.

Klimaprojektionen für das 21. Jahrhundert unter der Annahme weiter steigender atmosphärischer Treibhausgaskonzentrationen deuten außerdem darauf hin, dass die Oberflächentemperaturen des Mittelmeers weiter steigen werden. „Dies könnte die Starkregenfälle in Zentraleuropa weiter intensivieren und damit Überschwemmungen noch größere Schäden verursachen lassen“, sagt Dr. Volosciuk.

Originalarbeit:
Volosciuk, C., D. Maraun, V. A. Semenov, N. Tilinina, S. K. Gulev, M. Latif (2016): Rising Mediterranean Sea Surface Temperatures Amplify Extreme Summer Precipitation in Central Europe. Scientific Reports 6, http://dx.doi.org/10.1038/srep32450

Weitere Informationen:

http://www.geomar.de Das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Andreas Villwock | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel
23.05.2018 | Helmholtz-Zentrum Potsdam - Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ

nachricht PM des MCC: CO2-Entzug aus Atmosphäre für 1,5-Grad-Ziel unvermeidbar
23.05.2018 | Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit Hilfe molekularer Schalter lassen sich künftig neuartige Bauelemente entwickeln

Einem Forscherteam unter Führung von Physikern der Technischen Universität München (TUM) ist es gelungen, spezielle Moleküle mit einer angelegten Spannung zwischen zwei strukturell unterschiedlichen Zuständen hin und her zu schalten. Derartige Nano-Schalter könnten Basis für neuartige Bauelemente sein, die auf Silizium basierende Komponenten durch organische Moleküle ersetzen.

Die Entwicklung neuer elektronischer Technologien fordert eine ständige Verkleinerung funktioneller Komponenten. Physikern der TU München ist es im Rahmen...

Im Focus: Molecular switch will facilitate the development of pioneering electro-optical devices

A research team led by physicists at the Technical University of Munich (TUM) has developed molecular nanoswitches that can be toggled between two structurally different states using an applied voltage. They can serve as the basis for a pioneering class of devices that could replace silicon-based components with organic molecules.

The development of new electronic technologies drives the incessant reduction of functional component sizes. In the context of an international collaborative...

Im Focus: GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

Die Satellitenmission GRACE-FO ist gestartet. Am 22. Mai um 21.47 Uhr (MESZ) hoben die beiden Satelliten des GFZ und der NASA an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) ab und wurden in eine polare Umlaufbahn gebracht. Dort nehmen sie in den kommenden Monaten ihre endgültige Position ein. Die NASA meldete 30 Minuten später, dass der Kontakt zu den Satelliten in ihrem Zielorbit erfolgreich hergestellt wurde. GRACE Follow-On wird das Erdschwerefeld und dessen räumliche und zeitliche Variationen sehr genau vermessen. Sie ermöglicht damit präzise Aussagen zum globalen Wandel, insbesondere zu Änderungen im Wasserhaushalt, etwa dem Verlust von Eismassen.

Potsdam, 22. Mai 2018: Die deutsch-amerikanische Satellitenmission GRACE-FO (Gravity Recovery And Climate Experiment Follow On) ist erfolgreich gestartet. Am...

Im Focus: Faserlaser mit einstellbarer Wellenlänge

Faserlaser sind ein effizientes und robustes Werkzeug zum Schweißen und Schneiden von Metallen beispielsweise in der Automobilindustrie. Systeme bei denen die Wellenlänge des Laserlichts flexibel einstellbar ist, sind für spektroskopische Anwendungen und die Medizintechnik interessant. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT) haben, im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekts „FlexTune“, ein neues Abstimmkonzept realisiert, das erstmals verschiedene Emissionswellenlängen voneinander unabhängig und zeitlich synchron erzeugt.

Faserlaser bieten im Vergleich zu herkömmlichen Lasern eine höhere Strahlqualität und Energieeffizienz. Integriert in einen vollständig faserbasierten...

Im Focus: LZH zeigt Lasermaterialbearbeitung von morgen auf der LASYS 2018

Auf der LASYS 2018 zeigt das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) vom 5. bis zum 7. Juni Prozesse für die Lasermaterialbearbeitung von morgen in Halle 4 an Stand 4E75. Mit gesprengten Bombenhüllen präsentiert das LZH in Stuttgart zudem erste Ergebnisse aus einem Forschungsprojekt zur zivilen Sicherheit.

Auf der diesjährigen LASYS stellt das LZH lichtbasierte Prozesse wie Schneiden, Schweißen, Abtragen und Strukturieren sowie die additive Fertigung für Metalle,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Größter Astronomie-Kongress kommt nach Wien

24.05.2018 | Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Was einen guten Katalysator ausmacht

24.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Superkondensatoren aus Holzbestandteilen

24.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Neue Schaltschrank-Plattform für die Energiewelt

24.05.2018 | Messenachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics