Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Vulkanausbruch setzt Feinstaub-Partikel frei

06.05.2009
Bisher unbekannte Bedrohung für die Gesundheit aufgedeckt

Vulkanasche enthält mineralische Partikel, die wie Asbestfasern und Feinstaub tief in die Lunge eindringen können. Zu diesem Schluss kommen Geologen der Universität Santiago de Chile in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins Geology.

Sie untersuchten Partikel aus der Vulkanasche erstmals durch die Methode des Transmissions-Elektronenmikroskops. "Dabei wurde eine beträchtliche Menge von faserförmigen Partikeln des Minerals Christobalit entdeckt, die kleiner als vier Mikrometer sind und somit ungefiltert in die Lunge dringen", berichtet Studienleiter Martin Reich im pressetext-Interview. Wer solche Fasern längere Zeit einatmet, riskiert eine Staublunge, die in weiterer Folge zu Lungenkrebs führen kann.

Die Geologen untersuchten Ascheproben des Vulkans Chaiten im Süden Chiles aus der Zeit unmittelbar nach seinem letzten Ausbruch. Der Vulkan in der chilenisch-argentinischen Grenzlandschaft Patagonien war im Mai des Vorjahres explosionsartig ausgebrochen und hatte dabei eine dicke Ascheschicht in der Umgebung hinterlassen. Die Eruption des Vulkans zwang damals über 4.000 Menschen im Umfeld der gleichnamigen Stadt Chaiten zur permanenten Evakuierung und machte auch die vorübergehende Schließung von Flughäfen sowohl in Chile als auch in Argentinien notwendig.

Unter dem Mikroskop entdeckten die Forscher in den Proben erstmals Fasern aus dem Mineral Cristobalit, dessen hohe Gefährlichkeit schon zuvor dokumentiert worden war. Dazu waren Proben notwendig, die direkt nach dem Ausbruch eingesammelt worden waren. "Das Klima der Region ist sehr feucht und regnerisch, deshalb verschwinden die Nanopartikel relativ rasch wieder", so Reich. Die Forschung lieferte die erste Erklärung für die Entstehung von Cristobalit, das sich nur bei extrem hohen Temperaturen bildet. "Die Fasern entstehen nur bei explosionsartigen Vulkanausbrüchen und sind in der Rauchwolke enthalten, die der Vulkan in die Luft schleudert. Nicht-kristallines Siliziumdioxid wird dabei während der Eruption durch Kohlenmonoxid reduziert und nach erneuter Oxidation zu kristallinen Gebilden zusammengeführt", so der chilenische Geologe.

Diese Erkenntnis könne wichtige Folgen für die gesundheitliche Notfallversorgung von Betroffenen in Vulkangebieten haben. "Alarmierend ist besonders, dass sich die Nanopartikel im Körper wie Asbest verhalten. Es könnte sich herausstellen, dass für den Atemschutz der Bevölkerung nach einem Vulkanausbruch Mundmasken notwendig sind, die spezielle Partikelfilter beinhalten, wie sie etwa bisher in Bergwerken verwendet werden", gibt Reich zu bedenken.

Während bisher erst die Asche des Chaitens untersucht werden konnte, sollen die Proben weiterer Vulkane mit Explosionseruptionen analysiert werden. "Es gilt abzuwarten, bis ein nächster Vulkan ähnlichen Typs ausbricht", so der Vulkanforscher gegenüber pressetext.

Johannes Pernsteiner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.uchile.cl

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Neues Forschungsspecial zu Meeren, Ozeanen und Gewässern
18.01.2017 | Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg

nachricht Wasser - der heimliche Treiber des Kohlenstoffkreislaufs?
17.01.2017 | Max-Planck-Institut für Biogeochemie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

ALMA beginnt Beobachtung der Sonne

18.01.2017 | Physik Astronomie

Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

18.01.2017 | Architektur Bauwesen

Neues Forschungsspecial zu Meeren, Ozeanen und Gewässern

18.01.2017 | Geowissenschaften