Anzeige


Sie berechneten, dass die maximale Energiegewinnung durch Strahlstromwinde etwa 200-fach geringer ist als bisher geschätzt, da deren hohe Windgeschwindigkeiten durch die sehr geringe Reibung entstehen und nicht durch einen starken Antrieb. Mit Hilfe von Klimasimulationen stellten die Wissenschaftler außerdem fest, dass die Energiegewinnung aus Strahlstromwinden gewaltige Auswirkungen für das gesamte Klimasystem haben würde.
Strahlstromwinde (oder „jet streams“) sind Luftbewegungen der Atmosphäre mit kontinuierlichen Geschwindigkeiten von über 25 m/s (oder 90 km/h) in Höhen zwischen 7 bis 16 km. Die erstaunlich hohen Geschwindigkeiten erwecken den Eindruck einer nahezu unerschöpflichen Quelle an erneuerbarer Energie, deren Ausnutzung nur nach entsprechenden Windenergie-Techniken ruft. Die Annahme, dass diese potentielle Energiequelle unbegrenzt sprudelt und den zukünftigen, stets steigenden Energiebedarf der modernen Zivilisation decken könnte, ermutigte bereits zu umfangreichen technologischen Investitionen.
Allerdings ist die Energie der Strahlströme begrenzt. Sie werden, wie auch die anderen Wind- und Wettersysteme der Erde, dadurch erzeugt, dass die Tropen stärker durch Sonneneinstrahlung erwärmt werden als die Polargebiete. Durch diese Unterschiede in der Erwärmung entstehen Temperatur- und Druckunterschiede, aus denen die Antriebskräfte für Atmosphärenbewegung entstehen und Wind erzeugt wird. Es ist also die unterschiedliche Erwärmung, die die Obergrenze für die natürliche Winderzeugung setzt und damit auch bestimmt, wie viel davon maximal als erneuerbare Windenergie genutzt werden kann.
Aus der meteorologischen Forschung ist bekannt, dass die hohen Windgeschwindigkeiten der Strahlströme durch das fast vollständige Fehlen von Reibung entstehen, was als „geostrophischer Wind“ beschrieben wird. Strahlströme resultieren aus der Bilanz zwischen der beschleunigenden Kraft des Druckgradienten in der oberen Atmosphäre und der sogenannten Corioliskraft, die durch die Erdrotation erzeugt wird. Da sie in der oberen Atmosphäre fern des Einflusses der Erdoberfläche entstehen, spielt eine Reibung mit der Erdoberfläche praktisch keine Rolle. Folglich braucht es nur wenig Energie, um sie anzutreiben und aufrecht zu erhalten. „Genau dieser geringe Energiebedarf ist es, der das Potential zur Nutzung als erneuerbare Energiequelle begrenzt“, erklärt Dr. Axel Kleidon, Leiter der unabhängigen Max-Planck-Forschungsgruppe „Biosphärische Theorie und Modellierung“. Basierend auf der atmosphärischen Energetik errechnet Kleidons Gruppe mithilfe von Klimasimulationsmodellen die maximale Rate, mit der Windenergie aus der globalen Atmosphäre entzogen werden kann. Die Abschätzung von 7,5 TW (1 TW = 10^12 Watt, ein Maß für die Leistung und den Energieverbrauch) ist 200-fach geringer die in vorherigen Studien ermittelte nutzbare Windenergie und beläuft sich lediglich auf ungefähr die Hälfte des Primärenergiebedarfs der Menschheit von 17 TW im Jahr 2010.
Die Max-Planck-Forscher untersuchten auch die klimatischen Folgen, die sich aus einer starken Nutzung der Strahlströme als erneuerbare Energiequelle ergeben würden. Da jede Windturbine einen Widerstand aufbaut, durch den Windenergie letztlich in Strom umgewandelt wird, muss sich die Kräftebilanz der Strahlströme ändern, sobald diese Energie entzogen wird. Würden 7.5 TW von den Strahlströmen für erneuerbare Energiegewinnung entzogen, so wäre eine stark verändert Kräftebilanz die Folge, was den treibenden Druckgradienten zwischen der Äquatorregion und den Polen erschöpfen würde. Ein solcher Eingriff in die Strahlströme würde das gesamte Klimasystem verlangsamen. „Die Atmosphäre würde ein 40-faches weniger an Energie erzeugen im Vergleich zu dem, was wir durch die Windturbinen an erneuerbare Energie gewinnen könnten. “ erläutert Lee Miller, Erstautor der Studie. „Dies würde drastische Änderungen für die Temperatur und das Wetter hervorrufen.“
Die Max-Planck-Studie wurde in der Fachzeitschrift „Earth System Dynamics“ am 29. November veröffentlicht. Die Erkenntnisse zeigen, dass schnelle Winde nicht automatisch ein großes Potential an erneuerbarer Energie darstellen. Umweltfreundlich erscheinende Technologien der erneuerbaren Energiegewinnung müssen sorgfältig vor dem Hintergrund betrachtet werden, wie sie im gesamten Erdsystem mit natürlichen Prozessen interagieren.
Hintergrund-Informationen:
Das Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena erforscht die Kreisläufe essentieller Elemente, insbesondere Kohlenstoff, und ihre Wechselwirkungen zwischen der Biosphäre, der Atmosphäre, der Geosphäre und den Ozeanen. Die Forschungsarbeiten zielen auf die Erfassung der Stoffkreisläufe und ihre Bedeutung für das Klimasystem im globalen Maßstab und für große Zeitskalen. Bedingt durch die Vielseitigkeit des Fachgebietes arbeiten Physiker, Meteorologen, Geologen, Chemiker, Biologen und Mathematiker sehr eng zusammen. Das Institut wurde 1997 gegründet. Näheres siehe www.bgc-jena.mpg.de.
Die unabhängige Max-Planck-Forschungsgruppe „Biosphärische Theorie und Modellierung“, die von Dr. Axel Kleidon geleitet wird, benutzt einen thermodynamischen Ansatz zur Beschreibung von Erdsystemprozessen. Die Forschungsarbeiten befassen sich mit erneuerbaren Energien, Biodiversität, planetärer Entwicklung und Prozessen der Landoberfläche (www.bgc-jena.mpg.de/bgc-theory).
Für weiterführende Informationen zum Inhalt dieser Pressemeldung finden Sie Fragen und Antworten unter www.bgc-jena.mpg.de/bgc-theory. Die Originaldaten sind veröffentlicht unter:
- L.M. Miller, F. Gans, & A. Kleidon, 2011: Jet stream wind power as a renewable energy resource: little power, big impacts; Earth Syst. Dynam. 2, 201–212, 2011, doi: 10.5194/esd-2-201-2011.
Dr. Eberhard Fritz | Quelle: Max-Planck-Institut
Weitere Informationen: www.bgc-jena.mpg.de/bgc-theory
Weitere Berichte zu: Biogeochemie > Druckgradienten > Energiebedarf > Energiegewinnung > Energiequelle > Erdoberfläche > erneuerbare Energie > erneuerbare Energiequelle > globale Erwärmung > Kleidon > Klimasystem > Kräftebilanz > Max-Planck-Institut > Modellierung von Tierpopulationen > Reibung > Strahlströme > Strahlströmen > Windenergie > Windgeschwindigkeit > Windturbine
NASA's TRMM satellite sees heavy rainfall in Tropical Storm Bud
24.05.2012 | NASA/Goddard Space Flight Center
NASA sees Tropical Storm Sanvu continue to intensify
24.05.2012 | NASA/Goddard Space Flight Center
Krankheiten wie Parkinson, Alzheimer und bestimmte Krebsformen gehen auf eine fehlerhafte Faltung und Aggregation von Eiweißen im Körper zurück.
Wissenschaftlern des Instituts für Photonische Technologien (IPHT) in Jena ist es erstmals gelungen, Proteinstrukturen auf sub-molekularer Ebene nachzuweisen und spektroskopisch zu analysieren. Ein wichtiger Schritt zum Verständnis der Krankheitsursachen.
„Bis heute hat man nicht genau verstanden, was die fehlerhafte Faltung und Aggregation von Eiweißen, zum Beispiel im Zusammenhang mit Alzheimer, ...
Die Quantenphysik beschreibt physikalische Vorgänge in Festkörpern und anderen Vielteilchensystemen auch mit Hilfe von Quasiteilchen.
Innsbrucker Physikern um Rudolf Grimm ist es nun erstmals gelungen, ein neues Quasiteilchen - ein repulsives Polaron - in einem Quantengas experimentell zu erzeugen. Die Forscher berichten darüber in der Online-Ausgabe der Fachzeitschrift Nature.
Ultrakalte Quantengase sind ein ideales Experimentierfeld, um physikalische Phänomene in Festkörpern zu simulieren. Unter streng kontrollierten Bedingungen ...
Licht lässt die Partikel in der Atmosphäre wachsen. In einem Experiment hat ein internationales Forscherteam erstmals einen neuen Mechanismus nachweisen können, bei dem Partikel durch Licht größer werden und der damit Einfluss auf die Wolkenbildung und das Klima hat.
Photokatalytische Reaktionen können zu einer schnellen Bindung von nicht kondensierenden flüchtigen organischen Kohlenwasserstoffen (VOCs) auf der Oberfläche der Partikel führen. Unter solchen Bedingungen nehme die Größe und Masse der Partikel schnell zu, schreiben die Wissenschaftler im renommierten Fachblatt PNAS.
Die Ergebnisse des Laborexperimentes könnten Effekte erklären, die bisher schon bei Feldkampagnen ...
Ähnlich wie blutsaugende Insekten prüfen Pflanzenschädlinge ihren Wirt auf Abwehrsignale, bevor sie anfangen zu fressen
Pflanzen bilden wenige Minuten nach Angriff eines Fraßfeindes Jasmonsäure, ein Hormon, das die Verteidigung gegen Insekten in Gange setzt mit der Folge, dass giftige Stoffe wie Nikotin oder Verdauungshemmer in den Blättern akkumulieren.
Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie, Jena, haben jetzt herausgefunden, dass Zwergzikaden die Verteidigungsbereitschaft von Tabakpflanzen aufspüren können. ...
Wissenschaftlern vom Institut für Physikalische und Theoretische Chemie der Universität Bonn ist es erstmals gelungen, den Transport eines wichtigen Informationsträgers in biologischen Zellen praktisch unmodifiziert in Echtzeit zu filmen.
Die Studie zeigt, wie die so genannte Boten-RNA die Zellkernhülle überwindet und vom Zellkern in das Zytoplasma gelangt. Diese Arbeit ist nun in dem renommierten Journal „Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA“ (PNAS) publiziert.
Der Bauplan aller Lebewesen ist in ihrem Erbgut gespeichert. Dieses lagert bei höheren ...
Anzeige
Anzeige

Energieversorger vor dem Umbruch
24.05.2012 | Studien Analysen
Stem-cell-growing surface enables bone repair
24.05.2012 | Biowissenschaften Chemie
Im wahrsten Sinne „Spitzenforschung“: IPHT-Forscher untersuchen Eiweißfasern mit größter Genauigkeit
24.05.2012 | Biowissenschaften Chemie
NieKE Themenforum: Ökonomie - Tierschutz - Lebensmittelsicherheit
24.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten
Nachhaltigkeit in der Schifffahrt: Werte vs. Wertschöpfung
24.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten
Wissenschaft und Öffentlichkeit
24.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten