Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Versunkene Inseln in der Karibik entdeckt

10.05.2010
In der Karibik gab es vor 40 bis 50 Millionen Jahren wahrscheinlich weit mehr Inseln als heute. Deutliche Belege dafür fanden Wissenschaftler jetzt während einer sechswöchigen Expedition mit dem deutschen Forschungsschiff Meteor.

An Bord waren auch vier Mitglieder der Universität Greifswald vom Institut für Geographie und Geologie. Sie werden nun die gesammelten Proben und Daten auswerten.

Ziel der Expeditionsfahrt war die zentrale Karibik. Dort waren die Greifswalder an Untersuchungen zur Entwicklungsgeschichte dieses Meeres beteiligt. Während der Fahrt des Forschungsschiffes wurden mit einem Fächerecholot ständig Messungen zur Kartierung der Topographie des Meeresbodens durchgeführt. Dabei stellten die Wissenschaftler fest, dass die vorhandenen Seekarten oft sehr ungenau sind. Sie wurden aus Satellitendaten errechnet. Manche untermeerischen Berge, die auf den Seekarten eingetragen waren, gab es überhaupt nicht; andererseits wurden flache Bereiche angezeigt, die sich als gebirgig, teilweise mit Erhebungen von über 1000 m über dem Meeresboden erwiesen.

Die größte Überraschung für die Wissenschaftler an Bord der Meteor waren die Proben von den untermeerischen Bergen. An den Flanken dieser Berge wurden vor allem Dredgen hochgezogen. Eine Dredge ist ein großer Stahlkorb, der an einem mehrere Kilometer langen Stahlseil hinabgelassen und über den Meeresboden geschleift wird. In diesem sammelten sich Gesteine, die eigentlich nur für sehr geringe Wassertiefen typisch sind. Dazu gehörten Korallen, Schnecken und Rotalgenknollen, die nur in den lichtdurchfluteten oberen Bereichen des Meeres entstehen. Sie sind deutliche Belege dafür, dass die submarinen Berge, deren Gipfel heute in Wassertiefen von 800 bis 1000 m liegen, ehemals als Inseln im karibischen Meer zu sehen waren.

Die mittels Fächerecholot kartierten Seeberge erwiesen sich somit als Korallenriffe. Deren Wachstum konnte zunächst mit dem stetigen Absinken mithalten; dann starben die Riffe jedoch ab und verschwanden mit der Zeit in der Tiefe. Das Alter der Riffe muss im Detail noch geklärt werden. Doch schon jetzt lässt sich sagen, dass sie vor ungefähr 40 bis 50 Millionen Jahren entstanden. Die Riffe wuchsen auf einer zweiten, viel größeren und heute in Wassertiefen von ungefähr 1600 bis 1800 m liegenden Plattform auf. Diese Plattformen, die sich deutlich über die Tiefseeebene in ca. 4000 m Wassertiefe erheben, sind das Ergebnis eines großen submarinen Basaltausflusses, der sich in der mittleren Kreidezeit vor ungefähr 80 bis 90 Millionen Jahren ereignete und große Teile der damaligen karibischen See mit einer mächtigen Schicht aus Lava bedeckte. Die vielfältigen Proben aus den Schleppnetzen und von den Tauchgängen mit dem Tauchroboter „ROV Kiel 6000“ zeugen davon. Auch diese Plattformen befanden sich zunächst in der Nähe oder möglicherweise über dem Wasserspiegel, worauf gerundete Basaltgerölle hinweisen. Solche Gerölle können nur in stark bewegtem Wasser entstehen, wie es in Flüssen oder in der Meeresbrandung vorkommt.

Aus Greifswald nahmen an der Expedition teil:
Prof. Dr. Martin Meschede, PD Dr. Heiko Hüneke, Carolin Bartsch, Daniel Sperl
Ansprechpartner an der Universität Greifswald
Prof. Dr. Martin Meschede
Institut für Geographie und Geologie
Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße 17a
Telefon 03834 86-4560
Telefax 03834 86-4572
meschede@uni-greifswald.de

Jan Meßerschmidt | idw
Weitere Informationen:
http://www.ifm-geomar.de/index.php?id=clip

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Klimawandel begünstigt Methanfreisetzung aus Gewässern
22.11.2017 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

nachricht Wasserkühlung für die Erdkruste - Meerwasser dringt deutlich tiefer ein
21.11.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Zahnimplantate: Forschungsergebnisse und ihre Konsequenzen – 31. Kongress der DGI

22.11.2017 | Veranstaltungen

Tagung widmet sich dem Thema Autonomes Fahren

21.11.2017 | Veranstaltungen

Neues Elektro-Forschungsfahrzeug am Institut für Mikroelektronische Systeme

21.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Autonomes Fahren – und dann?

22.11.2017 | Verkehr Logistik

Material mit vielversprechenden Eigenschaften

22.11.2017 | Materialwissenschaften

Forscherteam am IST Austria definiert Funktion eines rätselhaften Synapsen-Proteins

22.11.2017 | Biowissenschaften Chemie