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Vor 110 Jahren stellte der damalige Präsident der Republik Transvaal, Paul Kruger, ein Gebiet von rund 2.500 Quadratkilometern im südlichen Afrika unter Schutz - 1926 wurde das erweiterte Areal zum Naturschutzgebiet erklärt.
Heute ist der rund 20.000 Quadratmeter große Kruger-Nationalpark Heimat unzähliger Tier- und Pflanzenarten. "Das Gebiet ist seit 100 Jahren vor Ansiedlung und Landwirtschaft geschützt gewesen und somit ein annähernd natürliches Ökosystem", erklärt PD Dr. Jussi Baade von der Friedrich-Schiller-Universität Jena begeistert.
Diese nahezu unberührte Natur brauchte der Jenaer Geograph für seine Untersuchungen. Er gehört seit Mai dieses Jahres zum Science Team des Parks, einer Gruppe internationaler Wissenschaftler, die im Kruger-Nationalpark arbeiten dürfen. Mit Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung untersucht er in einem Pilotprojekt die Bodenerosion im Nationalpark.
Bei sedimentologischen Untersuchungen von Ablagerungen auf dem Boden von 20 trockenen Stauhaltungen im südlichen Teil des Parks machte Baade einen erstaunlichen Fund: "An der tiefsten Stelle eines Wasser-Reservoirs fanden wir eine überraschend dicke Sedimentschicht von zwei Meter Stärke. Das ist der Beweis, dass es auch in naturnahen Gebieten ohne menschliches Dazutun zu Bodenabtrag kommen kann", berichtet Jussi Baade.
Rechnet man beispielsweise die Sedimentmenge im 5,5 Hektar großen Siloweni Stausee auf seine Einzugsgebietsfläche um, so der Geograph weiter, dann zeigt sich, dass relativ geringe Abtragsraten für die Versandung des Wasser-Reservoirs verantwortlich sind. Etwa 28.000 m³ Material befanden sich in dem Stausee. Das Sediment war im Mittel 0,5 m und an der tiefsten Stelle 1,5 m mächtig, woraus sich ein durchschnittlicher Abtrag von 2 mm ergibt. "Es lässt sich eine jährliche Abtragsrate von 0,1 bis 0,2 mm bestimmen, was einem sehr geringen Abtrag von etwa 1,5 bis 3 t pro Hektar jährlich entspricht", erklärt Baade.
Zum anderen gaben die Untersuchungen Aufschluss über die Verteilung der Nährstoffe in der Sedimentschicht. "Die oberen Schichten enthielten etwa das Fünffache an Phosphat und waren damit viel nährstoffreicher als die Schichten an der Basis." Leider sei die hauptsächlich aus Ton bestehende Sedimentschicht gut durchmischt gewesen, bedauert Baade, so dass Wechsellagerungen nicht erkennbar und damit auch keine Rückschlüsse auf einzelne Naturereignisse möglich waren.
"Etwa 60 durch Anstauung der Flüsse geschaffene Wasser-Reservoire und hunderte von Pumpen, die Grundwasser an die Erdoberfläche bringen, gibt es im gesamten Nationalpark", weiß der Jenaer Geograph. Im Rahmen seiner Feldforschungen führte er Probebohrungen in trockenen Stauhaltungen durch, um die Abfolge der Bodenschichten zu analysieren. Mittels weiterer sedimentologischer Untersuchungen werden Korngröße, Zusammensetzung und chemische Parameter der Ablagerungen bestimmt. Die Daten sind die Vorausarbeiten für weitere Untersuchungen, in denen die Sedimente volumetrisch und qualitativ bestimmt werden sollen, um Bodenabtragsraten etablieren zu können. "Die Sedimentierungen sind Archive, die uns das Bodenabtragsgeschehen der letzten 60 bis 70 Jahre dokumentieren." Dies in einem Gebiet tun zu können, das über 100 Jahre weitestgehend seiner Natürlichkeit belassen wurde, nennt Baade das seltene Glück eines Geographen.
Kontakt:
PD Dr. Jussi Baade
Institut für Geographie der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Löbdergraben 32, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 948803
E-Mail: cub[at]uni-jena.de
Katrin Czerwinka | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.uni-jena.de
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