Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Vermessung der unterirdischen Welt: Uni Kiel leitet Projekt über Energiespeicherpotenzial

17.07.2013
Die Energiewende in Deutschland bedeutet gerade für Norddeutschland ein stark schwankendes Stromangebot aus regenerativen Energiequellen.

Ein stärkerer Netzausbau und der Einsatz von Energiespeichern sind notwendig, um mit Energieüberschuss zum Beispiel aus Solaranlagen oder Windparks sinnvoll haushalten zu können. „Unterirdischen Energiespeichern wird dabei aufgrund der potenziell großen Speicherkapazitäten und der Nähe zu energieproduzierenden Unternehmen eine große Rolle zugeschrieben“, erklärt Professor Sebastian Bauer von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU).


Die Schutzgebiete für Grundwasser, Flora, Fauna und co. gilt es in Einklang zu bringen mit einer möglichen Nutzung des Untergrunds. In einem Projekt der Kieler Universität werden diese Möglichkeiten untersucht. Grafik: Sebastian Bauer

Gemeinsam mit seinem Kieler Kollegen, Professor Andreas Dahmke, leitet er das Projekt ANGUS+, das die Wissenschaftler heute (Mittwoch, 17. Juli) zusammen mit Umweltminister Robert Habeck, Rechtswissenschaftler Professor Wolfgang Ewer und Sabine Rosenbaum vom Geologischen Landesdienst der Öffentlichkeit vorstellten.

Robert Habeck, Umweltminister von Schleswig-Holstein, betonte die Bedeutung des ANGUS+-Vorhabens für Schleswig-Holstein: "Wir wollen einen sensiblen Umgang mit dem Untergrund, denn er ist verletzlich. Die Bevölkerung sorgt sich mit Recht über voreilige Technologien wie CCS und Fracking. Erst muss klar sein, was geht und was nicht. Mensch und Umwelt müssen vor den Folgen geschützt sein. Und auch im Untergrund muss gelten: Vorrang für Energiewende-Technologien. Deshalb ist das Projekt der Uni Kiel so wichtig."

Um das Speicherpotenzial in schleswig-holsteinischen Böden ausloten zu können, wolle man die geowissenschaftlichen Grundlagen für unterirdische Speicher erforschen, so Bauer weiter: „Dabei konzentrieren wir unsere Untersuchungen auf die Speicherung von natürlichem und künstlichem Erdgas, Wasserstoff und Druckluft in Kavernenspeichern und Porenspeichern sowie die Speicherung von Wärme im oberflächennahen Untergrund.“ Mögliche Auswirkungen dieser Optionen sollen außerdem mit der an der Erdoberfläche bestehenden Infrastruktur und den ausgewiesenen Schutz- und Vorranggebieten verknüpft werden. „Am Ende“, ergänzt Dahmke, „steht eine Landkarte des schleswig-holsteinischen Untergrunds; eine Art Raumplanung, die es so noch nicht gegeben hat.“

In Zeiten tatsächlicher Konkurrenz um die Nutzung des Untergrundes sind auch potenzielle Nutzungskonflikte nicht auszuschließen, berichtet Wolfgang Ewer: „Ein ‚Windhundrennen‘ um den Untergrund darf es nicht geben. Vielmehr müssen derartige Konflikte mit Blick auf das Gewicht der jeweiligen Interessen und insbesondere ihrer Bedeutung für die Allgemeinheit gelöst werden. Solange die Energiespeicherung im Untergrund nicht zu verwirklichen ist, müssen die tatsächlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen geschaffen werden, um erneuerbare Energien auch bei Netzengpässen dezentral nutzbar zu machen. Es ist besser, tatsächlich erzeugten Strom zu nutzen als virtuellen Strom zu bezahlen.“

Über geologische Informationen und die Bewertungskriterien als Grundlage für eine Raumplanung informierte schließlich Sabine Rosenbaum vom Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (Geologischer Landesdienst): „Der Untergrund von Schleswig-Holstein bietet aufgrund seiner Geologie günstige Vor-aussetzungen zum Beispiel für die Speicherung von Energieträgern aus erneuerbaren Energien. Ein vergleichsweise guter Erkundungsstand der Untergrundstrukturen wird vor allem dort erreicht, wo Explorationen der Industrie auf tiefliegende Rohstoffe − in Schleswig-Holstein insbesondere auf Erdöl – vorliegen. In den übrigen Räumen wird mit geowissenschaftlichem Fachwissen, Interpretationen und Extrapolationen ein vereinfachtes Abbild des Untergrundes dargestellt. Die Informationen sind demnach selektiv und inhomogen und möglicherweise nicht für alle Fragestellungen ausreichend. Aufgrund der Wissenslücken werden in der Regel ‚Potenzialflächen‘ für bestimmte Nutzungsoptionen abgegrenzt, die nicht zwingend Eignungsflächen darstellen, sondern als ‚weiter untersuchungswürdige Bereiche‘ verstanden werden müssen.“ Für die weitere Aufbereitung der vorhandenen Daten in Verbindung mit den Informationen über die Nutzung der jeweiligen Oberfläche wollen nun die Expertinnen und Experten im Projekt ANGUS+ sorgen.

Fotos stehen zum Download bereit:
http://www.uni-kiel.de/download/pm/2013/2013-212-1.png
Die Schutzgebiete für Grundwasser, Flora, Fauna und co. gilt es in Einklang zu bringen mit einer möglichen Nutzung des Untergrunds. In einem Projekt der Kieler Universität werden diese Möglichkeiten untersucht.

Grafik: Sebastian Bauer

http://www.uni-kiel.de/download/pm/2013/2013-212-2.jpg
Solarzellen am Campus der Kieler Universität
Foto/Copyright: Jürgen Haacks, Uni Kiel
Hintergrundinformationen
In einem ersten Schritt werden am Computer Szenarien festgelegt, die als Berechnungsgrundlage dienen. Mithilfe experimenteller Arbeiten vor Ort sollen dann thermische Bodeneigenschaften erkundet sowie ein geochemisches Verständnis des Bodens erworben werden.

Der mit zirka 7.5 Millionen Euro geförderte Forschungsverbund ANGUS+ unter Leitung der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel mit Partnern am Helmholtz-Zentrum für Umwelt¬forschung in Leipzig, am Helmholtz-Zentrum Potsdam und an der Ruhr-Universität Bochum ist ein Leuchtturmprojekt im Rahmen der Forschungsinitiative Energiespeicher der Bundes¬regierung. Die Laufzeit des Projekts beträgt vier Jahre. Der Name ANGUS+ steht für „Auswirkungen der Nutzung des geologischen Untergrunds als thermischer, elektrischer oder stofflicher Speicher im Kontext der Energiewende“.

Dr. Boris Pawlowski | Uni Kiel
Weitere Informationen:
http://www.uni-kiel.de/aktuell/pm/2013/2013-212-energiespeicher-sh.shtml

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Rest-Spannung trotz Megabeben
13.12.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

nachricht Winzige Weltenbummler: In Arktis und Antarktis leben die gleichen Bakterien
13.12.2017 | Eberhard Karls Universität Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Im Focus: Electromagnetic water cloak eliminates drag and wake

Detailed calculations show water cloaks are feasible with today's technology

Researchers have developed a water cloaking concept based on electromagnetic forces that could eliminate an object's wake, greatly reducing its drag while...

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Im Focus: Scientists channel graphene to understand filtration and ion transport into cells

Tiny pores at a cell's entryway act as miniature bouncers, letting in some electrically charged atoms--ions--but blocking others. Operating as exquisitely sensitive filters, these "ion channels" play a critical role in biological functions such as muscle contraction and the firing of brain cells.

To rapidly transport the right ions through the cell membrane, the tiny channels rely on a complex interplay between the ions and surrounding molecules,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Materialinnovationen 2018 – Werkstoff- und Materialforschungskonferenz des BMBF

13.12.2017 | Veranstaltungen

Innovativer Wasserbau im 21. Jahrhundert

13.12.2017 | Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rest-Spannung trotz Megabeben

13.12.2017 | Geowissenschaften

Computermodell weist den Weg zu effektiven Kombinationstherapien bei Darmkrebs

13.12.2017 | Medizin Gesundheit

Winzige Weltenbummler: In Arktis und Antarktis leben die gleichen Bakterien

13.12.2017 | Geowissenschaften