Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Uralt: Beziehung zwischen Vögeln und Blüten

28.05.2014

Wissenschaftler des Senckenberg Forschungsinstitutes in Frankfurt haben das älteste Fossil eines blütenbestäubenden Vogels beschrieben. Im gut erhaltenen Mageninhalt des Vogelfossils konnten erstmals verschiedene Blütenpflanzen-Pollen nachgewiesen werden. Daraus kann geschlossen werden, dass der Beginn der Vogel-Blüten-Beziehung mindestens 47 Millionen Jahre zurückliegt. Das Fossil stammt aus der Fossilienfundstelle Grube Messel. Die zugehörige Studie ist heute im Fachmagazin „Biology Letters“ erschienen.

Sie fliegen von Blüte zu Blüte und übertragen mit ihren langen, dünnen Schnäbeln den für die Bestäubung notwendigen Pollen:  Besonders in den Tropen und Subtropen sind Vögel, neben Insekten, die wichtigsten Blütenbestäuber.


Der fossile Vogel mit seinem aufschlussreichen Mageninhalt (Ausschnitt)

Senckenberg


Das in Messel gefundene Skelett des blütenbestäubenden Vogels

Senckenberg

„Während in der heutigen Zeit dieser Vorgang gut bekannt und verstanden ist, gibt es aus der Erdgeschichte bisher sehr wenige Belege für eine Bestäubung von Blüten durch Vögel“, sagt Dr. Gerald Mayr, Leiter der Sektion Ornithologie am Senckenberg Forschungsinstitut in Frankfurt und ergänzt: „Es gab zwar ein paar Hinweise, wie beispielsweise typische Schnabelformen, dass auch in der Vergangenheit nektarsaugende Vögel lebten, es fehlte aber der entscheidende Beweis.“

Diesen hat der Frankfurter Vogelforscher nun gemeinsam mit seinem Kollegen, dem Paläobotaniker Dr. Volker Wilde gefunden: Im gut erhaltenen Mageninhalt eines aus der Grube Messel stammenden Vogelfossils fanden die Wissenschaftler fossile Pollenkörner.

„Ein weiterer Fund, der die Einzigartigkeit Messels belegt“, freut sich Wilde. „Der Pollen ist nicht nur ein direkter Beweis für die Ernährungsweise des Vogels, sondern zeigt auch, dass Vögel schon vor mindestens 47 Millionen Jahre Blüten besuchten!“

Fossile Belege für blütenbestäubende Insekten gibt es bis in die Kreidezeit. Wann die Bestäubung durch Wirbeltiere und insbesondere durch Vögel begann war aber bisher völlig unklar. Der bisher älteste Hinweis für einen fossilen Blütenbestäuber stammt aus dem frühen Oligozän vor etwa 30 Millionen Jahren. „Aber auch dieses Kolibri-Fossil ist nur ein indirekter Beleg für eine nektarivore Ernährung der Vögel“, erklärt Mayr. „In unserem kleinen Messel-Vogel konnten wir durch die exzellente Erhaltung zwei verschiedene Pollentypen identifizieren und haben damit erstmals einen direkten Beweis gefunden.“

Die verschieden großen Pollenkörner befinden sich in großer Menge im Magen des komplett erhaltenen Vogelfossils. „Dies und die Skelett-Anatomie des Vogels lassen den Schluss zu, dass es sich hier tatsächlich um ein nektarsaugendes Tier handelt und der Pollen nicht auf anderem Wege in den Magen gelangte“, erläutert Wilde.

Und noch ein weiteres Fazit lässt der spektakuläre Fund zu: Wenn es vor 47 Millionen Jahren bereits blütenbestäubende Vögel gab, ist davon auszugehen, dass sich auch einige Vertreter der Pflanzenwelt bereits an diese Form der Bestäubung angepasst hatte.

„Bisher gab es aus diesem erdgeschichtlichen Zeitraum keine Pflanzenfossilien, welche die Ornithophilie – also die Anpassung von Blüten an die Bestäubung durch Vögel – belegen“, ergänzt Paläobotaniker Wilde.

„Die typischen Merkmale vogelbestäubter Pflanzen, wie rote Blüten oder schwacher Duft, können aber fossil auch nicht erhalten bleiben“, vervollständigt Mayr. Umso wichtiger sind Funde, wie der Messel-Vogel, um die Vogel-Blüten-Beziehungen in der Erdgeschichte zu verstehen.

Kontakt
Dr. Gerald Mayr
Senckenberg Forschungsinstitut
und Naturmuseum Frankfurt
Sektion Ornithologie
Tel.: 069- 7542 1348
Gerald.Mayr@senckenberg.de

Priv.-Doz. Dr. habil. Volker Wilde
Senckenberg Forschungsinstitut
und Naturmuseum Frankfurt
Sektion Paläobotanik
Tel: 069 / 97075-1160
volker.wilde@senckenberg.de

Judith Jördens
Pressestelle
Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
Tel. 069- 7542 1434
pressestelle@senckenberg.de

Publikation
Mayr G, Wilde V. 2014
Eocene fossil is earliest evidence of flower-visiting
by birds. Biol. Lett. 20140223.
http://dx.doi.org/10.1098/rsbl.2014.0223

Judith Jördens | Senckenberg
Weitere Informationen:
http://www.senckenberg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel
23.05.2018 | Helmholtz-Zentrum Potsdam - Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ

nachricht PM des MCC: CO2-Entzug aus Atmosphäre für 1,5-Grad-Ziel unvermeidbar
23.05.2018 | Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

Je mehr die Elektronik Autos lenkt, beschleunigt und bremst, desto wichtiger wird der Schutz vor Cyber-Angriffen. Deshalb erarbeiten 15 Partner aus Industrie und Wissenschaft in den kommenden drei Jahren neue Ansätze für die IT-Sicherheit im selbstfahrenden Auto. Das Verbundvorhaben unter dem Namen „Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 7,2 Millionen Euro gefördert. Infineon leitet das Projekt.

Bereits heute bieten Fahrzeuge vielfältige Kommunikationsschnittstellen und immer mehr automatisierte Fahrfunktionen, wie beispielsweise Abstands- und...

Im Focus: Powerful IT security for the car of the future – research alliance develops new approaches

The more electronics steer, accelerate and brake cars, the more important it is to protect them against cyber-attacks. That is why 15 partners from industry and academia will work together over the next three years on new approaches to IT security in self-driving cars. The joint project goes by the name Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) and has funding of €7.2 million from the German Federal Ministry of Education and Research. Infineon is leading the project.

Vehicles already offer diverse communication interfaces and more and more automated functions, such as distance and lane-keeping assist systems. At the same...

Im Focus: Mit Hilfe molekularer Schalter lassen sich künftig neuartige Bauelemente entwickeln

Einem Forscherteam unter Führung von Physikern der Technischen Universität München (TUM) ist es gelungen, spezielle Moleküle mit einer angelegten Spannung zwischen zwei strukturell unterschiedlichen Zuständen hin und her zu schalten. Derartige Nano-Schalter könnten Basis für neuartige Bauelemente sein, die auf Silizium basierende Komponenten durch organische Moleküle ersetzen.

Die Entwicklung neuer elektronischer Technologien fordert eine ständige Verkleinerung funktioneller Komponenten. Physikern der TU München ist es im Rahmen...

Im Focus: Molecular switch will facilitate the development of pioneering electro-optical devices

A research team led by physicists at the Technical University of Munich (TUM) has developed molecular nanoswitches that can be toggled between two structurally different states using an applied voltage. They can serve as the basis for a pioneering class of devices that could replace silicon-based components with organic molecules.

The development of new electronic technologies drives the incessant reduction of functional component sizes. In the context of an international collaborative...

Im Focus: GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

Die Satellitenmission GRACE-FO ist gestartet. Am 22. Mai um 21.47 Uhr (MESZ) hoben die beiden Satelliten des GFZ und der NASA an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) ab und wurden in eine polare Umlaufbahn gebracht. Dort nehmen sie in den kommenden Monaten ihre endgültige Position ein. Die NASA meldete 30 Minuten später, dass der Kontakt zu den Satelliten in ihrem Zielorbit erfolgreich hergestellt wurde. GRACE Follow-On wird das Erdschwerefeld und dessen räumliche und zeitliche Variationen sehr genau vermessen. Sie ermöglicht damit präzise Aussagen zum globalen Wandel, insbesondere zu Änderungen im Wasserhaushalt, etwa dem Verlust von Eismassen.

Potsdam, 22. Mai 2018: Die deutsch-amerikanische Satellitenmission GRACE-FO (Gravity Recovery And Climate Experiment Follow On) ist erfolgreich gestartet. Am...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Im Fokus: Klimaangepasste Pflanzen

25.05.2018 | Veranstaltungen

Größter Astronomie-Kongress kommt nach Wien

24.05.2018 | Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Berufsausbildung mit Zukunft

25.05.2018 | Unternehmensmeldung

Untersuchung der Zellmembran: Forscher entwickeln Stoff, der wichtigen Membranbestandteil nachahmt

25.05.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

25.05.2018 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics