Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Tübinger Forscher an „Yangtze-Projekt“ beteiligt

11.06.2012
Wissenschaftler der Universität Tübingen untersuchen in einem deutsch-chinesischen Forschungsprojekt Umweltrisiken und Bodenerosion am „Drei-Schluchten-Staudamm“ des Flusses Yangtze.
Wissenschaftler der Universität Tübingen erforschen in China die ökologischen Folgen des Bauprojekts „Drei-Schluchten-Staudamm“ auf den Yangtze, den drittlängsten Fluss der Erde, und seine Nebenflüsse. Im deutsch-chinesischen „Yangtze-Projekt“ untersuchen sie am Lehrstuhl für Physische Geographie und Bodenkunde im Verbund mit den Universitäten Erlangen-Nürnberg, Trier und Kiel sowie der Deutschen Montantechnologie GmbH (DTM) Essen die Ursachen von Umweltrisiken, die mit dem Staudamm verbunden sind.

Der „Drei-Schluchten-Staudamm“ am Yangtze wird seit seiner Planung kontrovers diskutiert. Er beinhaltet das größte Wasserkraftwerk der Welt und soll die Schiffbarkeit des Flusses verbessern. Für die Umsetzung dieses Jahrhundertprojekts waren großräumige Umsiedlungen und Infrastruktur- sowie hydrologische Begleitmaßnahmen notwendig, die erhebliche Verschiebungen in der Landnutzung und Landbewirtschaftung auslösten. Diese verursachen nun in großem Ausmaß Bodenerosion um den Staubereich. Die hohen Abtragsraten sind nicht nur eine Gefahr für die erodierten Flächen selbst, sondern auch für den aufgestauten Yangtze und seine oberhalb der Staumauer mündenden Nebenflüsse, in denen sich die Sedimente ansammeln.

Der Drei-Schluchten-Staudamm staut den Yangtze auf einer Länge von circa 630 Kilometern zu einem Reservoir. Mehr als 1,3 Millionen Menschen mussten umsiedeln. Foto: Sarah Schönbrodt-Stitt


Keine Verschwendung von knapper Anbaufläche. Foto: Sarah Schönbrodt-Stitt

Diese enormen ökologischen, sozio-ökonomischen und geotechnischen Risiken sind Gegenstand deutsch-chinesischer Forschungen im Rahmen des Yangtze-Projekts. Unter dem Aspekt der nachhaltigen Bewirtschaftung der neu geschaffenen Ökosysteme am Drei-Schluchten-Staudamm fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung in enger Zusammenarbeit mit dem Forschungszentrum Jülich die Arbeiten fünf deutscher Forschungsgruppen im Teilprojekt YANGTZE GEO mit insgesamt 2,5 Millionen Euro.

Die Universität Tübingen hat die wissenschaftliche Koordination inne (Projektleiter: Prof. Thomas Scholten, Dr. Karsten Schmidt) und erforscht bis 2015 im Verbund die Ursachen der Umweltrisiken. Dabei wird ein Forschungsansatz verfolgt, der in enger Kooperation Untersuchungsmethoden und modernste Verfahren aus den Bereichen Bodenkunde, Geologie, Hydrologie, Geophysik, Geodäsie und Fernerkundung zusammenbringt.

Das Tübinger Teilprojekt "Mechanismen und Steuergrößen der Bodenerosion durch Wasser im Ökosystem Drei-Schluchten-Staudamm" untersucht die Prozesse der Bodenerosion und ihre Wechselwirkungen mit der Landnutzungsdynamik. Ziel ist, die Mechanismen und Steuergrößen der Bodenerosion durch Wasser im Einflussbereich des Drei-Schluchten-Staudamms besser zu verstehen. Darauf aufbauend erstellen die Wissenschaftler Modelle der Bodenerosion, um Erosionsrisiken vorhersagen zu können. Diese Prozesse werden in Kleinstuntersuchungsgebieten und im Umfeld von Hangrutschungen vergleichend erfasst. Vor dem Hintergrund der naturräumlichen Gegebenheiten und der charakteristischen Landnutzung liegt besonderes Augenmerk auf den Mechanismen von Bodenerosion auf stark geneigten, oft terrassierten Hängen entlang des Yangtze und seiner Zuflüsse. Hieraus werden Steuergrößen und Indikatoren für das Risiko der Bodenerosion, ihre zeitliche Entwicklung bei geänderter Landnutzung, ihre räumliche Anordnung und die Funktion von Ackerterrassen als Erosionsschutzmaßnahme abgeleitet. Ein weiterer Forschungsschwerpunkt liegt auf der Erhebung von Basisdaten für die räumlich explizite Modellierung von Bodeneigenschaften mit Hilfe von Methoden des Digital Soil Mapping (DSM). Die Modellierung erfolgt sowohl für den status quo als auch für verschiedene Landnutzungs- und Klimaszenarien.

Die Ergebnisse fließen in die Entwicklung von Landnutzungsoptionen ein, sowie in Empfehlungen für ein nachhaltiges Landmanagement. Auf der Basis der Modellierung soll ein Monitoring- und Messnetzwerk entstehen, an dem lokale und regionale Autoritäten (Hubei Provinz), HighTech-Industrie (DMT) und Wissenschaft und Forschung (Universitäten, Chinese Academy of Sciences) beteiligt sind. Gemeinsam mit allen Partnern wird die Tübinger Forschergruppe nicht nur zur Analyse der Situation entlang des Drei-Schluchten-Damms beitragen, sondern auch zum Erkenntnisgewinn für die Entwicklung weiterer geplanter Staudämme am Yangtze und großer Staudammprojekte weltweit.

Kontakt:
Dipl. Geogr. Sarah Schönbrodt-Stitt
Universität Tübingen
Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät
Physische Geographie und Bodenkunde
Tel.: +49 7071 29-74054
sarah.schoenbrodt@uni-tuebingen.de

Michael Seifert | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-tuebingen.de/
http://www.yangtze-project.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Klimawandel schwächt tropische Windsysteme
20.10.2017 | MARUM - Zentrum für Marine Umweltwissenschaften an der Universität Bremen

nachricht An der Wurzel des Amazonas: Bodentiefe bestimmt Vegetationstyp
20.10.2017 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise