Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Tiefsee-Korallenkolonie älter als 4.000 Jahre

25.03.2009
Verbesserter Schutz für fragiles Ökosystem Tiefsee

Ein US-Forscherteam um Brendan Roark von der Texas A&M University hat entdeckt, dass Tiefseekorallenkolonien in 500 Metern Tiefe vor der Küste Hawaiis mehr als 4.000 Jahre alt werden können.

Die Forscher konnten zeigen, dass diese Tiere wesentlich langsamer wachsen als bisher angenommen. Das langsame Wachstum - etwa vier Mikrometer pro Jahr - sei ein Grund für die lange Lebensdauer. Die bisherigen Altersschätzungen lagen bei Zeiträumen zwischen 500 und maximal 3.000 Jahren, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin Proceedings of the National Academy of Sciences PNAS.

"Verwunderlich ist das nicht, denn in der Tiefsee verlaufen aufgrund der niedrigen Wassertemperaturen alle Wachstumszyklen deutlich langsamer", meint der Meeresbiologe Michael Stachowitsch von der Universität Wien im pressetext-Interview. "Mit den Korallen im Flachwasser haben die Tiefseestöcke nur wenig gemeinsam", erklärt der Experte. Denn die im tropischen und subtropischen Seichtwasser vorkommenden Korallen leben in enger Symbiose mit Algen, die das Licht zum Überleben brauchen.

"Weil die Korallenriffe so umfangreich sind, sorgen sie auch für reiches Leben rund um das Bett auf dem sie wachsen", so Roark. Werden nur einige der Korallen entfernt, dauere es tausende Jahre, bis der ursprüngliche Zustand wiederhergestellt wird. Das Forscherteam hat mit U-Booten Korallenstücke für Forschungszwecke gesammelt. Untersucht wurden Korallen der Gattung Gerardia und Leiopathes, die beide mehrere Meter hoch wachsen können. Mit der Radiokarbonmethode hatten die Experten das Alter einiger Polypen von der Korallenbasis bis zu den Spitzen untersucht und miteinander verglichen. Aus der Altersdifferenz und der Größe der Korallen wurde dann errechnet, wie schnell die Tiere wachsen. Die ältesten Gerardia-Stücke wiesen ein Alter von 2.742 Jahren auf, jene der Gattung Leiopathes sogar 4.265 Jahre.

Die Studienergebnisse werden auch Auswirkungen auf den Schutz der fragilen Ökosysteme in der Tiefsee haben, so Roark. Ähnlich argumentiert auch Stachowitsch. "Die Tiefsee ist immer noch sehr schlecht erforscht. Tiefseekorallen sind überhaupt erst mit der Ausdehnung der Fischerei in tiefere Zonen in den Blickwinkel gerückt."

Mit Kameras habe man im Atlantik Nachschau gehalten und festgestellt, dass diese Korallenriffe durch Tiefseeschleppnetze flachgewalzt wurden. "Mit einem Mal wurden Ökosysteme, die tausende Jahre Wachstum brauchten, vollkommen zerstört", so Stachowitsch. Die nun vorliegende Studie unterstreiche deutlich, dass die letzten verbliebenen Bastionen der Meere extrem empfindlich sind, erklärt der Meeresbiologe abschließend.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.tamu.edu
http://www.univie.ac.at/marine-biology

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Expedition ans Ende der Welt
29.11.2016 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Lakkolithe können auch während eines Vulkanausbruchs entstehen
24.11.2016 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie