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An der bereits etablierten These, dass die heutigen Vögel von den am Boden lebenden Theropoden-Saurier abstammen, kratzen Wissenschaftler der Oregon State University. In der Zeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences berichten sie von "immer mehr Hinweisen" dafür, dass die Evolution vielmehr den umgekehrten Weg gegangen sein könnte und die Vögel vielmehr die Vorfahren der urzeitlichen Raubsaurier-Gruppe der Theropoden waren.
Knackpunkt Flugfähigkeit
Die Forscher bauten ein Modell eines erst 2003 entdeckten Microraptors nach. Dieses Tier besaß auf allen vier Extremitäten Federn, die ihm dabei halfen, ähnlich wie ein Doppeldecker von Bäumen herabzugleiten. Für den Flug von unten nach oben würde sich ein ähnlicher Körperbau jedoch niemals eignen, behauptet Studienautor John Ruben. "Es ist schlecht vorstellbar, dass die am Boden verorteten Saurier plötzlich Flügel entwickelten und wegflogen."
Bereits im Vorjahr hatte die Wissenschaftler aus Oregon gezeigt, dass Vögel ganz spezifische Schenkelknochen und Muskeln brauchen, damit ihre Lungenkapazität für längere Flugstrecken reicht. Über diese verfügten die Theropoden nicht, außerdem habe man mittlerweile Vögel aus Epochen gefunden, in denen man eine Weiterentwicklung aus den Sauriern noch gar nicht für möglich hielt. Die Forscher glauben, dass Vögel und Saurier von einem gemeinsamen fliegenden Urahn abstammen, von dem ein Ableger mit der Zeit die Flugeigenschaft verlor, der fortan am Boden blieb und dort die Gruppe der Raptoren bildete.
Zweifel bei Paläontologen
Alexander Nützel von der bayrischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie kann diese These nicht nachvollziehen. "Zwar besteht phylogenetisch kein Zweifel, dass Vögel die nächsten Verwandten der Saurier sind und mehrere Saurierarten Federn hatten. Doch es sprechen zu viele Gründe dafür, dass sich die Saurier zuerst entwickelten", so der Experte im pressetext-Interview. Der deutlichste Beweis seien die Fossilberichte. "Saurierfossilien gehen bis vor 250 Mio. Jahren zurück, die von Vögeln nur bis 140 Mio. Jahren."
Der evolutionäre Übergang von den Riesenechsen zu den Vögeln sei fast perfekt rekonstruierbar. "Bestimmte kleine Sauriergruppen legten sich Federn zu. Den eigentliche Übergang bildet jedoch der Archäopteryx, der einerseits noch zahlreiche Reptilienmerkmale wie Krallen an den Flügeln, Zähne und verknöcherten Schwanz besaß, andererseits durch Federn und Gabelbein bereits Vogel war", erklärt der Münchner Paläontologe.
Johannes Pernsteiner | Quelle: pressetext.deutschland
Weitere Informationen: oregonstate.edu
www.palmuc.de
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