Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Tektonischer Himalaya-Staudamm mit Abfluss

21.11.2014

Die Entstehungsgeschichte ders berühmtesten Zangbo-Schlucht im Ost-Himalaya muss neu geschrieben werden. Ein Team von deutschen, chinesischen und amerikanischen Geoforschern entdeckte flussaufwärts einen mit über 500 Metern Sediment gefüllten Canyon unterhalb des heutigen Betts des Yarlung Zangbo-Flusses.

Der Himalaya weist einige der eindrucksvollsten Schluchten der Welt auf, die durch Flüsse geformt wurden. Die Entstehungsgeschichte des berühmtesten dieser Einschnitte, der Zangbo-Schlucht im Ost-Himalaya, muss nun neu geschrieben werden.


Sedimenttransport im Yarlung Zangbo bei Lhasa

(Foto: M.Kaban, GFZ)

Ein Team von deutschen, chinesischen und amerikanischen Geoforschern entdeckte nämlich flussaufwärts einen mit über 500 Metern Sediment gefüllten Canyon unterhalb des heutigen Betts des Yarlung Zangbo-Flusses.

Mit Hilfe von Bohrungen konnten die Wissenschaftler den ehemaligen Talboden rekonstruieren und so die geologische Geschichte der Zangbo-Schlucht entschlüsseln (Science, 21.11.2014). Sie stellten fest, dass die Schlucht infolge der raschen tektonischen Hebung des Himalaya vor etwa zwei bis drei Millionen Jahren ihre steile Form erhielt.

„Infolge des starken Gefälles schneidet sich der Fluss hier sehr schnell ein“, erklärt Dirk Scherler vom Deutschen GeoForschungsZentrum GFZ. „Jährlich wird hier bis zu einem Zentimeter Gestein abgetragen, das entspricht aber etwa auch der jährlichen tektonischen Hebungsrate. “ Der Zusammenstoß von Indien mit dem Kontinent Eurasien hat hier einen tektonischen Staudamm mit Abfluss erzeugt.

In der Folge führt diese Barriere flussaufwärts zu einer geringeren Fließgeschwindigkeit des Yarlung Zangbo. Zuvor hatte sich der Fluss dort tief in das tibetische Hochplateau eingeschnitten. Durch das verlangsamte Fließen lagerte sich im Flussbett über Hunderte von Kilometern daher verstärkt das Gestein als Sediment ab, das der Yarlung Zangbo und seine Zuflüsse aus dem Hochland mit sich führten. Auf bis zu tausend Meter dick schätzen die Geoforscher diese Ablagerungsschicht im Flussbett.

„Über eine Entfernung von dreihundert Kilometern von der Schlucht aus flussaufwärts wurden fünf Bohrungen in das Flussbett niedergebracht“, so GFZ-Wissenschaftler Dirk Scherler. „Eine der Bohrungen stieß erst nach 540 Metern ins Grundgestein. Aus den Bohrkernen konnten wir die Abnahme der Fließgeschwindigkeit ablesen und den Beginn der Sedimentation mithilfe von kosmogenen Nukliden datieren. Das sind seltene Isotope, die erdoberflächennah durch kosmische Strahlung erzeugt werden. Vor drei Millionen Jahren schnitt sich der Fluss noch tief ins Gestein des tibetanischen Hochplateaus ein.“ Und heute ist dieser einst gewaltige Canyon unter Sediment versteckt.

Der Yarlung Zangbo ist der größte Hochgebirgsfluss der Welt. Er fließt 1700 Kilometer über das Tibet-Plateau auf einer Höhe von etwa 4000 Metern und folgt dabei der Nahtstelle zwischen Indien und Eurasien. Im Ost-Himalaya bricht der Fluß aus dem Hochplateau in der weltbekannten, hufeisenförmigen Zangbo-Schlucht nach Indien durch.

Die neuen Erkenntnisse zeigen, dass das schnelle Einschneiden des Yarlung Zangbo und die aktuelle Entwicklung der Zangbo-Schlucht die Folge tektonischer Hebung sind und nicht, wie bislang angenommen, deren Ursache. Nebenher werden durch diese Forschungsergebnisse auch Hypothesen widerlegt, welche die Herkunft der Tsangpo-Schlucht auf das Anzapfen des Yarlung Zangbo durch den Brahmaputra zurückführen.

P. Wang, D. Scherler et al.: „Tectonic Control of Yarlung Tsangpo Gorge Revealed by a Buried Canyon in Southern Tibet“, Science Nr. 6212, Vol. 346, S. 978-980, 21.11.2014, DOI: 10.1126/science.1259041

Franz Ossing | Helmholtz-Zentrum
Weitere Informationen:
http://www.gfz-potsdam.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Der steile Aufstieg der Berner Alpen
24.03.2017 | Universität Bern

nachricht Internationales Team um Oldenburger Meeresforscher untersucht Meeresoberfläche
21.03.2017 | Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise