Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Tauchboot JAGO erkundet Unterwasser-Vulkan auf El Hierro

19.02.2016

Zum ersten Mal haben Wissenschaftler den untermeerischen Vulkan vor El Hierro mit ihren eigenen Augen untersucht. Auf einer Expedition mit dem deutschen Forschungsschiff POSEIDON nutzte ein Team von Forschern der Universität von Las Palmas de Gran Canaria (ULPGC), des Instituto Español de Oceanografía, Centro Oceanográfico de Canarias (IEO) und des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel das bemannte Tauchboot JAGO, um Einblicke aus erster Hand zu bekommen. Dabei konnten spanische Experten einen vermutlich jüngeren Krater des Unterwasser-Vulkans genau betrachten, in dem über ein Gebiet von 100 Quadratmetern verteilt noch immer warmes Wasser austritt.

El Hierro, die jüngste Insel der Kanaren, ist zurzeit die geologisch aktivste: 500 Jahre lang war keine vulkanische Aktivität mehr zu beobachten – bis am 10. Oktober 2011 ein untermeerischer Vulkan etwa zwei Kilometer vom Küstenort La Restinga entfernt ausbrach. Angetrieben von Bedenken, der neue Vulkan gefährde die Insel, wurden umfangreiche Forschungsarbeiten initiiert. Doch erst mehr als vier Jahre später konnten Wissenschaftler das Gebiet tatsächlich in Augenschein nehmen.


JAGO wird wird nach einem Tauchgang vor der Kanaren-Insel El Hierro zurück an Bord des Forschungsschiffs POSEIDON gebracht.

Foto: Maike Nicolai, GEOMAR

Auf der Expedition POS494/2 mit dem Forschungsschiff POSEIDON (7. bis 15. Februar 2016), die unter Leitung des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel stand, dokumentierten sie mit dem Forschungstauchboot JAGO die Entwicklung des Gebiets und die noch immer andauernde hydrothermale Aktivität. Sie sammelten Proben von Gasen, Flüssigkeiten und anderen Produkten vulkanischen und hydrothermalen Ursprungs.

„Das Projekt VOLCANO erfasst die vulkanische Aktivität El Hierros seit der Eruption im Oktober 2011. Aber auf der aktuellen Expedition profitierten wir von der einmaligen Gelegenheit, die Entwicklungen am Meeresboden mit dem Tauchboot JAGO zu untersuchen“, fasst Prof. Juana Magdalena Santana Casiano zusammen.

Die chemische Ozeanografin des Instituts für Ozeanografie und globalen Wandel an der Universität von Las Palmas de Gran Canaria (ULPGC) untersucht die physikalischen und chemischen Störungen, mit denen der untermeerische Vulkan die Zusammensetzung und die Aktivität der lokalen Plankton-Gemeinschaft gravierend beeinflusst. „Unsere Erkenntnisse verdeutlichen, dass die Phase der Gasaustritte wie ein natürliches Labor funktioniert, in dem sich Auswirkungen des globalen Wandels auf die marine Umwelt beobachten lassen.“

2014 lieferte das ferngesteuerte Unterwasserfahrzeug (remotely operated vehicle, ROV) Liropus 2000 des Instituto Español de Oceanografía (IEO) Bilder von ausgedehnten Eisenoxid-Krusten, Bakterienmatten und Gasaustritten nahe der Spitze des Vulkans. 2015 hatten sich die Gas-Wolke und stark versauerte Wassermassen jedoch in den Südosten des Gipfels verlagert. Jetzt konzentrieren sie sich in einer jüngeren Senke an der oberen Flanke des Vulkans. Sehr frisch entstandenes vulkanisches Glas, das JAGO im Krater gesammelt hat, weist darauf hin, dass diese Struktur die neueste ist.

Auf ihren Tauchgängen mit JAGO untersuchten Prof. Santana Casiano und Dr. Fraile Nuez diesen zweiten Krater erstmals im Detail. Zu erkennen waren sehr frische Aschen und Schlacken, die mit einer Schicht aus Eisenoxid überzogen waren. Über ein etwa 100 Quadratmeter großes Gebiet am Boden des Kraters verteilt trat bis zu 39 Grad Celsius warmes Wasser aus. Einige der Austritte konzentrierten sich in etwa fünf Zentimeter großen Schloten. Eine dünne Bakterienschicht bedeckte alle umliegenden Oberflächen, und das Wasser über dem Krater wurde von einer milchig-weißen Wolke getrübt, die wahrscheinlich aus Partikeln von Kieselerde aus den Schloten bestand.

„Seit der Vulkan vor drei Jahren in seine neue Phase der Ausgasung eingetreten ist, haben wir deutliche physikalische und chemische Veränderungen in der Wassersäule beobachtet. Dank JAGO konnten wir unsere ersten Ergebnisse bestätigen und die Prozesse, die diese Unregelmäßigkeiten erzeugen, mit eigenen Augen beobachten. Noch wichtiger war, dass wir sie auch an Ort und Stelle messen konnten“, erklärt Dr. Fraile Nuez vom IEO.

Wasser-, Gas- und Gesteinsproben werden nun in den Heimatlaboren der beteiligten Institutionen genauer analysiert. Der zweite Krater, der mit JAGO untersucht worden war, zeigt derzeit besonders ausgeprägte Anomalien. Trotzdem ist noch unklar, wie die Veränderungen ausgelöst wurden GEOMAR, IEO und ULPGC arbeiten derzeit gemeinsam daran, die Prozesse am Meeresboden genauer zu entschlüsseln.

„Den aktuellen Beobachtungen nach ‚schwimmt’ der Vulkan seit 2011 in warmem Wasser, während das Magma unter ihm abkühlt“, folgert Prof. Mark Hannington, Meeresgeologe am GEOMAR und wissenschaftlicher Leiter der Expedition POS494/2. „Darum ist es wichtig, ihn weiterhin zu beobachten und die laufenden Veränderungen zu bewerten.“

Bildmaterial:
Unter www.geomar.de/n4290  steht Bildmaterial zum Download bereit.
Video-Footage auf Anfrage.

Weitere Informationen:

http://www.geomar.de GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel
http://www.plocan.eu Plataforma Oceania de Canarias (PLOCAN)
http://www.ulpgc.es Universität von Las Palmas de Gran Canaria (ULPGC)
http://www.ieo.es Instituto Español de Oceanografía, Centro Oceanográfico de Canarias (IEO)
http://www.vulcanoelhierro.es Das Forschungsprojekt VOLCANO

Dr. Andreas Villwock | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Winzige Eisverluste an den Rändern der Antarktis können Eisverluste in weiter Ferne beschleunigen
11.12.2017 | Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung

nachricht Was macht Korallen krank?
08.12.2017 | Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Im Focus: Scientists channel graphene to understand filtration and ion transport into cells

Tiny pores at a cell's entryway act as miniature bouncers, letting in some electrically charged atoms--ions--but blocking others. Operating as exquisitely sensitive filters, these "ion channels" play a critical role in biological functions such as muscle contraction and the firing of brain cells.

To rapidly transport the right ions through the cell membrane, the tiny channels rely on a complex interplay between the ions and surrounding molecules,...

Im Focus: Stabile Quantenbits

Physiker aus Konstanz, Princeton und Maryland schaffen ein stabiles Quantengatter als Grundelement für den Quantencomputer

Meilenstein auf dem Weg zum Quantencomputer: Wissenschaftler der Universität Konstanz, der Princeton University sowie der University of Maryland entwickeln ein...

Im Focus: Realer Versuch statt virtuellem Experiment: Erfolgreiche Prüfung von Nanodrähten

Mit neuartigen Experimenten enträtseln Forscher des Helmholtz-Zentrums Geesthacht und der Technischen Universität Hamburg, warum winzige Metallstrukturen extrem fest sind

Ultraleichte und zugleich extrem feste Werkstoffe – poröse Nanomaterialien aus Metall versprechen hochinteressante Anwendungen unter anderem für künftige...

Im Focus: Geburtshelfer und Wegweiser für Photonen

Gezielt Photonen erzeugen und ihren Weg kontrollieren: Das sollte mit einem neuen Design gelingen, das Würzburger Physiker für optische Antennen erarbeitet haben.

Atome und Moleküle können dazu gebracht werden, Lichtteilchen (Photonen) auszusenden. Dieser Vorgang verläuft aber ohne äußeren Eingriff ineffizient und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

Hohe Heilungschancen bei Lymphomen im Kindesalter

07.12.2017 | Veranstaltungen

Der Roboter im Pflegeheim – bald Wirklichkeit?

05.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Alternativer Entstehungsprozess für Blutkrebs entschlüsselt

12.12.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Beschichtung bei Industrieanlagen soll Emissionen senken

12.12.2017 | Materialwissenschaften

Zeigt her Eure Blätter - Gesundheitscheck für Stadtbäume

12.12.2017 | Biowissenschaften Chemie