Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Strukturwandel im bayerischen Alpenraum

17.03.2009
Lassen sich Landschaftsschutz und wirtschaftliche Interessen vereinbaren, und konnten bisherige Versuche, dies durch politische und rechtliche Eingriffe zu steuern, Erfolge verzeichnen?

Zumindest für die bayerischen Alpen hat eine kürzlich veröffentlichte Dissertation, die am Institut für Geographie der Universität Erlangen-Nürnberg erstellt wurde, dem Instrumentarium von Behörden, Justiz und Verbänden die erhoffte Wirkung abgesprochen.

"Die Hauptziele der untersuchten Rechtsinstrumente - Landschaftserhaltung bzw. Steuerung der Landschaftsentwicklung - konnten nicht umgesetzt werden", lautet das Resümee von Dr. Thomas Probst, dem Autor der Studie.

Der Erlanger Schwerpunkt Hochgebirgsforschung, der in dieser Form in Deutschland einmalig ist, vereinbart Kultur- und physikalische Geographie und ist auf Mensch-Umwelt-Beziehungen im Alpenraum, in Südamerika und Asien konzentriert. Die Zukunft von Hochgebirgen steht hier exemplarisch für wirtschaftliche und ökologische Ausgleichsverfahren und deren Erfolgsaussichten.

Dabei spielen die Alpen als das besterforschtes Hochgebirge der Welt eine wichtige Rolle. Die Studie "Landschaftswandel im bayerischen Alpenraum und politische Steuerungsansätze" entstand in diesem Zusammenhang. In Öster­reich und der Schweiz hatte es bereits früher große Landschaftsforschungsprogramme gegeben; für die deutschen Alpen mangelte es bisher jedoch an vertieften Studien. Die Dissertation von Thomas Probst schließt eine wesentliche Lücke.

Drei negative Folgen eines Strukturwandels zum Nachteil von Kulturlandschaften nennt Prof. Dr. Werner Bätzing vom Institut für Geographie der Universität Erlangen-Nürnberg, der die Arbeit betreut hat: den Verlust von Arten und landschaftlicher Vielfalt, den Verlust dezentraler Arbeitsplätze und den Verlust von "Heimat", einer schwer zu fassenden, emotional und gesellschaftlich geprägten Kategorie, die für die Menschen jedoch spürbar ist und sie beeinflusst.

Die Analyse von Dr. Probst belegt einen solchen Landschaftswandel im oberbayerischen Isarwinkel. Das Gebiet zwischen Bad Tölz und der österreichischen Grenze bot sich wegen seiner typischen Merkmale mit ausgeprägten Tallagen, charakterischen Siedlungsweisen und einem hohen Waldanteil als Beispiel an. Mit Hilfe von Luftbildern wurden reale Landschaftsveränderungen seit den 1950er Jahren bilanziert und mit Zielen des Landschaftsschutzes verglichen. In den Zentren konnten sich die Siedlungen und Verkehrsadern stark ausbreiten, während in den Randlagen die Wälder vorrückten. Landes- und Regionalplanung, Naturschutz, Land- und Forstwirtschaft haben das nicht verhindert. "Die Landschaft hat keine Lobby", kommentiert Prof. Bätzing diese Entwicklung. Andere Interessen, wie Wirtschaftsförderung und Siedlungsbau, hätten im Konfliktfall den Vorrang.

"Damit wird ein dringender Handlungsbedarf sichtbar, wenn der Landschaftswandel im bayerischen Alpenraum verlangsamt und das Verschwinden der Kulturlandschaft eingedämmt werden soll", erklärt Dr. Probst, der inzwischen beim Alpenforschungsinstitut in Garmisch-Partenkirchen beschäftigt ist. Einige politische und gesellschaftliche Ansätze für eine nachhaltigere Landschaftsentwicklung führt er in seiner Arbeit auf. Die Dissertation wurde im WiKu-Verlag http://(www.wiku-verlag.de) veröffentlicht.

Die Universität Erlangen-Nürnberg, gegründet 1743, ist mit 26.000 Studierenden, 550 Professorinnen und Professoren sowie 2000 wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte Universität in Nordbayern. Schwerpunkte in Forschung und Lehre liegen an den Schnittstellen von Naturwissenschaften, Technik und Medizin in engem Dialog mit Jura und Theologie sowie den Geistes-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften. Seit Mai 2008 trägt die Universität das Siegel "familiengerechte Hochschule".

Weitere Informationen für die Medien:

Prof. Dr. Werner Bätzing
Tel.: 09131/85-22637
wbaetz@geographie.uni-erlangen.de

Ute Missel | idw
Weitere Informationen:
http://www.wiku-verlag.de
http://www.uni-erlangen.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Riesenfaultier war Vegetarier - Ernährung des fossilen Megatheriums entschlüsselt
18.04.2017 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

nachricht Drohneneinsatz in der Meeresforschung
13.04.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunzellen helfen bei elektrischer Reizleitung im Herzen

Erstmals elektrische Kopplung von Muskelzellen und Makrophagen im Herzen nachgewiesen / Erkenntnisse könnten neue Therapieansätze bei Herzinfarkt und Herzrhythmus-Störungen ermöglichen / Publikation am 20. April 2017 in Cell

Makrophagen, auch Fresszellen genannt, sind Teil des Immunsystems und spielen eine wesentliche Rolle in der Abwehr von Krankheitserregern und bei der...

Im Focus: Tief im Inneren von M87

Die Galaxie M87 enthält ein supermassereiches Schwarzes Loch von sechs Milliarden Sonnenmassen im Zentrum. Ihr leuchtkräftiger Jet dominiert das beobachtete Spektrum über einen Frequenzbereich von 10 Größenordnungen. Aufgrund ihrer Nähe, des ausgeprägten Jets und des sehr massereichen Schwarzen Lochs stellt M87 ein ideales Laboratorium dar, um die Entstehung, Beschleunigung und Bündelung der Materie in relativistischen Jets zu erforschen. Ein Forscherteam unter der Leitung von Silke Britzen vom MPIfR Bonn liefert Hinweise für die Verbindung von Akkretionsscheibe und Jet von M87 durch turbulente Prozesse und damit neue Erkenntnisse für das Problem des Ursprungs von astrophysikalischen Jets.

Supermassereiche Schwarze Löcher in den Zentren von Galaxien sind eines der rätselhaftesten Phänomene in der modernen Astrophysik. Ihr gewaltiger...

Im Focus: Deep inside Galaxy M87

The nearby, giant radio galaxy M87 hosts a supermassive black hole (BH) and is well-known for its bright jet dominating the spectrum over ten orders of magnitude in frequency. Due to its proximity, jet prominence, and the large black hole mass, M87 is the best laboratory for investigating the formation, acceleration, and collimation of relativistic jets. A research team led by Silke Britzen from the Max Planck Institute for Radio Astronomy in Bonn, Germany, has found strong indication for turbulent processes connecting the accretion disk and the jet of that galaxy providing insights into the longstanding problem of the origin of astrophysical jets.

Supermassive black holes form some of the most enigmatic phenomena in astrophysics. Their enormous energy output is supposed to be generated by the...

Im Focus: Neu entdeckter Exoplanet könnte bester Kandidat für die Suche nach Leben sein

Supererde in bewohnbarer Zone um aktivitätsschwachen roten Zwergstern gefunden

Ein Exoplanet, der 40 Lichtjahre von der Erde entfernt einen roten Zwergstern umkreist, könnte in naher Zukunft der beste Ort sein, um außerhalb des...

Im Focus: Resistiver Schaltmechanismus aufgeklärt

Sie erlauben energiesparendes Schalten innerhalb von Nanosekunden, und die gespeicherten Informationen bleiben auf Dauer erhalten: ReRAM-Speicher gelten als Hoffnungsträger für die Datenspeicher der Zukunft.

Wie ReRAM-Zellen genau funktionieren, ist jedoch bisher nicht vollständig verstanden. Insbesondere die Details der ablaufenden chemischen Reaktionen geben den...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungen

Baukultur: Mehr Qualität durch Gestaltungsbeiräte

21.04.2017 | Veranstaltungen

Licht - ein Werkzeug für die Laborbranche

20.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Intelligenter Werkstattwagen unterstützt Mensch in der Produktion

21.04.2017 | HANNOVER MESSE

Forschungszentrum Jülich auf der Hannover Messe 2017

21.04.2017 | HANNOVER MESSE

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten