Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Stonehenge ist 300 Jahre jünger als angenommen

22.09.2008
Zweck des Baus weiterhin unklar

Der ursprüngliche Steinkreis von Stonehenge wurde erst 2.300 vor Christi gebaut und nicht wie bisher angenommen gut 300 Jahre früher. Zu diesem Ergebnis kommen die Stonehenge-Experten Tim Darvill und Geoff Wanwright. Die beiden Professoren untersuchten dazu mittels der Radio-Carbon-Analyse Fragmente der ursprünglichen Blausteine, die sich unter den heutigen Quarzriesen befinden.

"Wir können jetzt mit Sicherheit sagen, dass Stonehenge jünger ist, als bisher angenommen", meint Geoff Wainwright, Präsident der Society of Antiquaries, gegenüber der BBC.

Kritiker werfen den beiden hingegen vor, dass sie die Ergebnisse für ihre Wünsche abgerundet hätten. So ließe die Analyse aufgrund ihrer Ungenauigkeit eine Zeitspanne zwischen 2.400 und 2.200 als Entstehungszeit zu. "Man hat einfach einen schönen Durchschnittswert genommen", meint ein Experte auf BBC-Anfrage. Genauere Untersuchungen in den kommenden Monaten sollen zeigen, welche der beiden Seiten recht hat.

Die Neudatierung des mythischen Steinkreises hat neuerliche Spekulationen über dessen ursprünglichen Zweck initiiert. Bis heute streiten Gelehrte darüber, ob es sich bei Stonehenge um einen Tempel zur Anbetung von Verstorbenen oder um einen Kalender zur Feststellung der Sonnenwende handelt. Wanwright und sein Kollege Darvill verfolgen hingegen seit Jahren eine andere Theorie. Für sie war der steinerne Kreis ein Ort der Heilung, zu dem Kranke und Verletzte aus ganz Europa pilgerten und auf Heilung hofften. Als Beweis dafür führen sie an, dass sich im Umfeld von Stonehenge eine große Anzahl an Gräbern findet, in denen man die sterblichen Überreste von Verletzten und Schwerkranken fand. Analysen zeigen, dass mindestens die Hälfte dieser Verstorbenen nicht aus dem britischen Raum stammte. "Dies lässt den Rückschluss zu, dass Kranke aus ganz Europa nach Stonehenge gepilgert sind", so Wanwright.

Die Wissenschaftler räumen jedoch ein, dass es durchaus sein kann, dass der Steinkreis auch für andere Zwecke genutzt wurde. "Stonehenge hatte vermutlich mehr als einen Nutzen, deshalb habe ich auch kein Problem mit anderen Interpretationen zum Entstehungsgrund", sagt Wanwright selbstkritisch. Eines steht aber fest, bereits vor der Errichtung des ursprünglichen Stonehenge um 2.300 vor Christi lebten Menschen in der Umgebung des Hügels. Die Forscher fanden organisches Material, das sie auf ein Alter von 9.200 Jahren datierten.

Darvill und Wanwright hatten als eine der ersten Wissenschaftlergruppen überhaupt die Erlaubnis bekommen, zwischen den gewaltigen Quarzsteinen umfangreiche Tiefenuntersuchungen an den ursprünglichen Steinkreisen vorzunehmen. Nicht nachteilig dürfte gewesen sein, dass Wanwright selbst einst Chef-Archäologe beim English Heritage war, das für die Verwaltung von über 370.000 historischen Objekten in Großbritannien verantwortlich ist - unter anderem auch für Stonehenge.

Erik Staschöfsky | pressetext.schweiz
Weitere Informationen:
http://www.sal.org.uk
http://www.english-heritage.org.uk

Weitere Berichte zu: Heilung Kranke Quarzriesen Radio-Carbon-Analyse Sonnenwende Steinkreis Stonehenge

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht In Zeiten des Klimawandels: Was die Farbe eines Sees über seinen Zustand verrät
21.09.2017 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

nachricht Der Salzwasser-Wächter auf der Darßer Schwelle
19.09.2017 | Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

23. Baltic Sea Forum am 11. und 12. Oktober nimmt Wirtschaftspartner Finnland in den Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

6. Stralsunder IT-Sicherheitskonferenz im Zeichen von Smart Home

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

OLED auf hauchdünnem Edelstahl

21.09.2017 | Messenachrichten

Weniger (Flug-)Lärm dank Mathematik

21.09.2017 | Physik Astronomie

In Zeiten des Klimawandels: Was die Farbe eines Sees über seinen Zustand verrät

21.09.2017 | Geowissenschaften