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Das Rätsel um die Funktion der monumentalen Kreisgrabenanlagen Mitteleuropas aus der Jungsteinzeit ist ein Stück weiter gelöst. Archäologen und Astronomen der Universität Wien stellten fest, dass einige der Bauten aus der Zeit zwischen 4.800 und 4.500 v.Chr. auch als Sonnen- und Sternenkalender dienten.
Das ist unter anderem ein Hinweis dafür, dass in den Kreisgräben-Regionen neben Keramik und Ackerbau auch die systematische Himmelsbeobachtung verbreitet war. In einem laufenden Projekt sollen nun alle bekannten Kreisgrabenanlagen im Hinblick auf diese "Kalenderfunktion" archäoastronomisch untersucht werden.
Mittelneolithische Kreisgrabenanlagen sind in weiten Teilen Mitteleuropas bekannt, von Ungarn bis Bayern, und von Nordrhein-Westfalen bis in die tschechische Republik. Warum diese Idee in derart unterschiedlichen neolithischen Kulturen verbreitet sei, stellt ein bisher ungeklärtes Rätsel dar. In Niederösterreich wurden bisher in 50 neolithischen Ortschaften Kreisgrabenanlagen gefunden.
"Jede Siedlung dieser Zeit besitzt eine Kreisgrabenanlage, in etwa so, wie heute jedes niederösterreichische Dorf eine Kirche oder ein Vereinshaus besitzt", erklärt Projektleiter Wolfgang Neubauer.
Die monumentalen Anlagen sind 2.000 Jahre älter als das berühmte englische Megalith-Bauwerk Stonehenge. Im Unterschied zu diesem wurden sie jedoch nicht mit Stein, sondern aus Holzpfählen errichtet. Dementsprechend schwierig gestaltet sich heute die Auffindung der Anlagen. "Das geschieht in erster Linie durch Luftbilder, in denen Ringe oder Teile davon sichtbar wurden. Denn obwohl Witterung und Ackerbau die Spuren in der Landschaft im Lauf der Jahrtausende verwischt haben, ist die Feuchtigkeit der Erde über den heute mit Humus aufgefüllten Gräben höher.
Das führt zu unterschiedlicher Bodenfärbung und geändertem Bodenbewuchs", so der Astronom Georg Zotti im pressetext-Interview. Die präzise Verortung der Kreisgräben erledigen Magnetfeld-Sensoren, die auch minimale Veränderungen im Erdmagnetfeld aufzeigen. Der Durchmesser der Gräben, die man auf diese Weise fand, variiert zwischen 50 und 200 Meter.
Die Wiener Forscher erstellten eine Computersimulation http://astrosim.univie.ac.at, die die Monumentalbauten virtuell wieder erstehen ließen und dabei auch das Sternenbild zur Zeit ihrer Errichtung berücksichtigten. Dabei bestätigte sich die These, dass die Kreisgrabenanlagen unter anderem eine Kalenderfunktion besaßen. "Es ist bemerkenswert, dass bei etwa einem Drittel der Anlagen ein Tor zur Aufgangsrichtung der Plejaden zeigt", betont Zotti.
Die Plejaden, zu deutsch Siebengestirn, besitzen hohe Bedeutung in vielen alten Kulturen, unter anderem bei den Sumerern, Assyrern, Griechen und Arabern. "Selbst bei australischen Aborigines gibt es mythologische Geschichten um diese Sterngruppe." Der erste Tag im Jahr, an dem das Siebengestirn in der Jungsteinzeit zu sehen war, kann heute rückberechnet werden. "Er lag wenige Tage nach Frühlingsbeginn. Es scheint schlüssig, dass dies der Beginn der Aussaat war, für den man vielleicht die ‚Zustimmung’ des Himmels abwartete", so der Wiener Astronom gegenüber pressetext. Details der Arbeiten werden am kommenden Donnerstag im Rahmen des Astronomiejahres 2009 http://www.astronomie2009.at im Stift Melk präsentiert.
Johannes Pernsteiner | Quelle: pressetext.austria
Weitere Informationen: www.univie.ac.at/Idea
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