Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Starke regionale Klimaschwankungen in den Tropen

03.12.2009
Deutliche langfristige Variationen von Feucht- und Trockenphasen in den Tropen Ostafrikas

Klimaschwankungen in der Nähe des Äquators weisen ein deutlich anderes Muster auf als die Klimaänderungen in Arktis und Antarktis. Es lassen sich in den Tropen deutliche 11500-jährige Schwankungen zwischen Feucht- und Trockenphasen identifizieren, die in Temperatur-Rekonstruktionen polarer Eiskerne nicht auftreten.

Die Untersuchungen des Klimas der vergangenen 25000 Jahre im tropischen Afrika zeigen, dass Trockenphasen bei niedrigerer Solarstrahlung im März und September herrschten, was die folgende Regenzeit schwächer ausfallen ließ. Dieses unterstreicht die Bedeutung hydrologischer Veränderungen im regionalen Klimawandel, formuliert ein europäisches Konsortium von Geowissenschaftlern unter Leitung von Prof. Dirk Verschuren (Univ. Gent, Belgien) in der neuesten Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Nature (Vol. 462, 7273).

Jahreszeitlich wiederkehrende Regenzeiten sind das bestimmende Merkmal des tropischen Klimas, und für das Leben der Menschen dort von existenzieller Bedeutung. Um die Ursachen für die Schwankungen in den Intensitäten der Regenzeiten herauszufinden, untersuchte die europäische Forschergruppe das Klima des äquatorialen Ostafrikas auf langen Zeitskalen. „Bisher gab es kaum Daten über Klimawandel in den Tropen.

Änderungen der Temperatur spielen dort im Gegensatz zu hydrologischen Änderungen keine große Rolle,“ beschreibt Achim Brauer vom Deutschen GeoForschungsZentrum GFZ die Fragestellung. Seine Arbeitsgruppe analysierte zusammen mit den europäischen Kollegen die Ablagerungen im Challa-See, einem Kratersee am östlichen Fuß des Kilimandscharo. Die GFZ-Wissenschaftler zogen erstmalig in dieser Region feingeschichtete Bohrkerne aus dem Seeboden, die 21 Meter tief reichen. „Damit deckt dieser Sedimentkern die letzten 25000 Jahre ab,“ erklärt Achim Brauer.

„Detaillierte mikroskopische und geochemische Untersuchungen der einzelnen Sedimentlagen liefern Klimainformationen auf einer sehr genauen Zeitskala.“ Dieses weltweit bisher einzige lange Sedimentprofil feingeschichteter Seeablagerungen in den Tropen wird durch hochauflösende geophysikalische Daten ergänzt.

Als Resultat wurde festgestellt, dass die Wechsel von feuchten und trocken Phasen genau das gleiche zeitliche Muster aufweisen wie Schwankungen in der Sonneneinstrahlung, die durch berechnete zyklische Änderungen in der Erdumlaufbahn um die Sonne verursacht werden. Deutlich paust sich vor allem das Kreiseln der Erdachse in einem Rhythmus von 23000 Jahren durch, was im Wechsel eines halben Zyklus alle 11500 Jahre ein Maximum der Sonneneinstrahlung mal in den südlichen Tropen und mal in nördlichen Tropen zur Folge hat. Diese Strahlungsmaxima wiederum steuern die Lage und Stärke der innertropischen Konvergenzzone, dem regenreichen Wolkenband in Äquatornähe. Dieses Wolkenband ist dort am stärksten, wo die Einstrahlung hoch und damit die Verdunstung groß ist.

Damit wird nachgewiesen, dass die Erdumlaufbahn um die Sonne und damit verbundene regionale Schwankungen der Sonneneinstrahlung, auch wenn diese relativ schwach sind, doch einen großen Einfluss auf das Klima am Äquator haben. Offen ist aber weiterhin die Frage, ob diese tropischen Klimaschwankungen Auswirkungen auf die globale Klimageschichte hatten.

Die Untersuchung wurde im Rahmen des ESF-EuroCORES Programms EuroCLIMATE gefördert, mit nationaler Förderung durch die DFG, FWO Flandern, NWO und NERI.

Photos of Challa-Lake can be found here:
http://www.gfz-potsdam.de/portal/-?$part=CmsPart&docId=2517120
Franz Ossing
Helmholtz Centre Potsdam
GFZ German Research Centre for Geosciences Deutsches GeoForschungsZentrum
- Public Relations -
Telegrafenberg
14473 Potsdam / Germany
e-mail: ossing@gfz-potsdam.de
Tel. ++49 (0)331-288 1040
Fax ++49 (0)331-288 1044

Franz Ossing | GFZ Potsdam
Weitere Informationen:
http://www.gfz-potsdam.de/
http://www.gfz-potsdam.de/portal/-?$part=CmsPart&docId=2517120

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Winzige Eisverluste an den Rändern der Antarktis können Eisverluste in weiter Ferne beschleunigen
11.12.2017 | Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung

nachricht Was macht Korallen krank?
08.12.2017 | Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Im Focus: Electromagnetic water cloak eliminates drag and wake

Detailed calculations show water cloaks are feasible with today's technology

Researchers have developed a water cloaking concept based on electromagnetic forces that could eliminate an object's wake, greatly reducing its drag while...

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Im Focus: Scientists channel graphene to understand filtration and ion transport into cells

Tiny pores at a cell's entryway act as miniature bouncers, letting in some electrically charged atoms--ions--but blocking others. Operating as exquisitely sensitive filters, these "ion channels" play a critical role in biological functions such as muscle contraction and the firing of brain cells.

To rapidly transport the right ions through the cell membrane, the tiny channels rely on a complex interplay between the ions and surrounding molecules,...

Im Focus: Stabile Quantenbits

Physiker aus Konstanz, Princeton und Maryland schaffen ein stabiles Quantengatter als Grundelement für den Quantencomputer

Meilenstein auf dem Weg zum Quantencomputer: Wissenschaftler der Universität Konstanz, der Princeton University sowie der University of Maryland entwickeln ein...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

Hohe Heilungschancen bei Lymphomen im Kindesalter

07.12.2017 | Veranstaltungen

Der Roboter im Pflegeheim – bald Wirklichkeit?

05.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mit Quantenmechanik zu neuen Solarzellen: Forschungspreis für Bayreuther Physikerin

12.12.2017 | Förderungen Preise

Stottern: Stoppsignale im Gehirn verhindern flüssiges Sprechen

12.12.2017 | Biowissenschaften Chemie

E-Mobilität: Neues Hybridspeicherkonzept soll Reichweite und Leistung erhöhen

12.12.2017 | Energie und Elektrotechnik