Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Standpunkt: Effekt von Eiswolken muss neu bewertet werden

25.11.2015

Wolken sind die großen Unbekannten in Klimamodellen. Ob sie wärmen oder kühlen hängt davon ab, wie sie zusammengesetzt sind und in welcher Höhe sie sich befinden und entstehen. Dr. Martina Krämer hat kurz vor dem Pariser Klimagipfel einen wissenschaftlichen Leitfaden für Eiswolken – die sogenannten Zirren – veröffentlicht. Die Fachwelt nutzt die Fakten, um die Rolle von Zirren im Klimageschehen neu zu bewerten.

In ihrem Leitfaden „Cirrus Guide“ unterscheidet Dr. Martina Krämer vom Jülicher Institut für Energie- und Klimaforschung zwischen zwei Typen von Zirren. Grob vereinfacht zwischen optisch dünnen und optisch dichten Eiswolken, die aber völlig unterschiedlich entstehen und auch anders zusammengesetzt sind.


Ob Wolken die Erdatmosphäre wärmen oder kühlen hängt davon ab, wie sie

zusammengesetzt sind und in welcher Höhe sie sich befinden und entstehen.

Die Rolle einiger Wolkenformationen im Klimageschehen ist noch nicht ein-

deutig geklärt und Gegenstand intensiver Forschung.

Copyright: Forschungszentrum Jülich

Die einen enthalten weniger und kleinere Eiskristalle, die anderen mehr und größere. Diese Unterschiede bestimmen auch, wie diese Wolken mit Wärmestrahlung von Sonne und Erdoberfläche umgehen. Fachleute sprechen von Strahlungsrückkopplung.

Der ersten Sorte, den optisch dünnen Zirren, wird ein wärmender Effekt auf das Klima zugeschrieben, die zweite Art soll das Klima kühlen. „Optisch dünne Zirren lassen mehr Sonnenstrahlung durch, weil sie weniger Eiskristalle beinhalten. Die dichteren Zirren lassen aufgrund ihrer optischen Eigenschaften – viele und größere Eiskristalle auf engem Raum – weniger Sonnenlicht passieren“, erklärt Marina Krämer.

Gleichzeitig bilden sich diese Zirren in tieferen Luftschichten, und somit sind sie wärmer. Dadurch nehmen sie weniger Wärmestrahlung auf, die vom Erdboden kommt – sie können kühlen, ist das Fazit der Forscherin. Welchen Einfluss Jahreszeiten und unterschiedliche geographische Bedingungen auf die Eigenschaften der Zirren haben, ist noch nicht geklärt. Hierzu sind weitere Messkampagnen notwendig, um den tatsächlichen Effekt auf das Klima zu belegen.

„Wie kompliziert der Effekt von Wolken auf das Klima ist, zeigt sich daran, dass bisher kein Klimamodell unsere Messungen in den Tropen nachvollziehen konnte“, sagt Martina Krämer.

„Die Modelle arbeiten im Moment noch mit zu hohen Eiskristallzahlen und somit mit ungenauen Prognosen zur Rückkopplung“, stellt sie fest. Immerhin sind 30 Prozent der Tropen im Jahresmittel mit Zirren bedeckt. Ihren Einfluss korrekt berechnen zu können, wäre ein Meilenstein der Klimaforschung.

Informationen:
„Cirrus guide“, veröffentlicht am 11. November 2015 in „Atmospheric Chemistry and Physics, papers in open discussion“. Hinter dem kurzen Titel stecken 17 internationale Flugkampagnen, 15 Jahre intensiver Forschung und ein weltweit einmaliger Datensatz von 94 Stunden Messzeit.
http://www.atmos-chem-phys-discuss.net/15/31537/2015/acpd-15-31537-2015.pdf

Jülicher Klimaexperten mit Themenschwerpunkten:
http://www.fz-juelich.de/SharedDocs/Downloads/PORTAL/DE/forschung/klima-experten-in-juelich.html?nn=364622#download=1

Ansprechpartnerin:
Dr. Martina Krämer
Institut für Energie- und Klimaforschung, Bereich Stratosphäre (IEK-7)
E-Mail: m.kraemer@fz-juelich.de
Telefon: +49 2461 61-3238

Dr. Martina Krämer | Forschungszentrum Jülich

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Was macht Korallen krank?
08.12.2017 | Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT)

nachricht Neue Weltkarte zeigt Karstgrundwasserleiter
04.12.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Scientists channel graphene to understand filtration and ion transport into cells

Tiny pores at a cell's entryway act as miniature bouncers, letting in some electrically charged atoms--ions--but blocking others. Operating as exquisitely sensitive filters, these "ion channels" play a critical role in biological functions such as muscle contraction and the firing of brain cells.

To rapidly transport the right ions through the cell membrane, the tiny channels rely on a complex interplay between the ions and surrounding molecules,...

Im Focus: Stabile Quantenbits

Physiker aus Konstanz, Princeton und Maryland schaffen ein stabiles Quantengatter als Grundelement für den Quantencomputer

Meilenstein auf dem Weg zum Quantencomputer: Wissenschaftler der Universität Konstanz, der Princeton University sowie der University of Maryland entwickeln ein...

Im Focus: Realer Versuch statt virtuellem Experiment: Erfolgreiche Prüfung von Nanodrähten

Mit neuartigen Experimenten enträtseln Forscher des Helmholtz-Zentrums Geesthacht und der Technischen Universität Hamburg, warum winzige Metallstrukturen extrem fest sind

Ultraleichte und zugleich extrem feste Werkstoffe – poröse Nanomaterialien aus Metall versprechen hochinteressante Anwendungen unter anderem für künftige...

Im Focus: Geburtshelfer und Wegweiser für Photonen

Gezielt Photonen erzeugen und ihren Weg kontrollieren: Das sollte mit einem neuen Design gelingen, das Würzburger Physiker für optische Antennen erarbeitet haben.

Atome und Moleküle können dazu gebracht werden, Lichtteilchen (Photonen) auszusenden. Dieser Vorgang verläuft aber ohne äußeren Eingriff ineffizient und...

Im Focus: Towards data storage at the single molecule level

The miniaturization of the current technology of storage media is hindered by fundamental limits of quantum mechanics. A new approach consists in using so-called spin-crossover molecules as the smallest possible storage unit. Similar to normal hard drives, these special molecules can save information via their magnetic state. A research team from Kiel University has now managed to successfully place a new class of spin-crossover molecules onto a surface and to improve the molecule’s storage capacity. The storage density of conventional hard drives could therefore theoretically be increased by more than one hundred fold. The study has been published in the scientific journal Nano Letters.

Over the past few years, the building blocks of storage media have gotten ever smaller. But further miniaturization of the current technology is hindered by...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

Hohe Heilungschancen bei Lymphomen im Kindesalter

07.12.2017 | Veranstaltungen

Der Roboter im Pflegeheim – bald Wirklichkeit?

05.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einmal durchleuchtet – dreifacher Informationsgewinn

11.12.2017 | Physik Astronomie

Kaskadennutzung auch bei Holz positiv

11.12.2017 | Agrar- Forstwissenschaften

Meilenstein in der Kreissägetechnologie

11.12.2017 | Energie und Elektrotechnik