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Spurensuche mit der MARIA S. MERIAN - Kieler Meereswissenschaftler berichten von Forschungsarbeiten vor der Küste von Westafrika

03.11.2008
Nach sieben Monaten kehrt das deutsche Forschungsschiff MARIA S. MERIAN in die Gewässer südlich der Kapverdischen Inseln zurück.

Im April 2008 hatten Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) im Rahmen des Sonderforschungsbereichs (SFB) 754 dort chemische Markersubstanzen im Ozean hinterlassen.

Jetzt wollen die Forscher untersuchen, wohin die markierten Wassermassen getrieben worden sind. Die Ergebnisse lassen Rückschlüsse über die Zirkulation und die Vermischung im Ozean nahe der riesigen Sauerstoffminimumzone vor der Küste von Guinea zu. In einem Weblog berichten die Wissenschaftler regelmäßig über ihre Arbeit.

Der Verdacht erhärtet sich: Erwärmung, Meeresspiegelanstieg und Versauerung der Ozeane sind nicht die einzigen Auswirkungen, die der Klimawandel auf die Ozeane hat. Immer mehr Untersuchungen legen den Schluss nahe, dass auch Gebiete, in denen dem Wasser lebenswichtiger Sauerstoff fehlt, deutlich größer werden. Eine dieser "Sauerstoffminimumzonen" befindet sich im Atlantik vor der Küste Westafrikas, auf der Höhe des Senegals und Guineas.

Sie ist derzeit das Ziel von Kieler Meeresforschern an Bord des Forschungsschiffes MARIA S. MERIAN. "Im tropischen Nordatlantik können wir idealtypisch die Entwicklung derartiger Sauerstoffminimumzonen beobachten, die eine bisher unterschätzte und kaum erforschte Gefahr für die Ozeane darstellen", sagt Professor Martin Visbeck vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR), der als Fahrtleiter die Expedition koordiniert.

Sobald die Wissenschaftler im Untersuchungsgebiet eintreffen, begeben sie sich zunächst auf die Suche nach ihren eigenen Spuren. Schon im April 2008 hatte eine Kieler Expedition südlich der Kapverdischen Inseln gearbeitet. Damals hatten die Forscher mit einem vom Kieler Exzellenzcluster "Ozean der Zukunft" finanzierten Spezialgerät, dem Ocean Tracer Injection System (OTIS), eine ungiftige, chemische Markersubstanz in ca. 300 Metern Tiefe ausgebracht. Während der aktuellen Forschungsfahrt wollen die Ozeanographen herausfinden, wohin diese Substanz in den vergangenen sieben Monaten getrieben wurde. Das lässt Rückschlüsse auf die Vermischung der Wasserschichten, auf Strömungen und damit auch auf Nährstoff- und Sauerstofftransporte zu. Weitere Messungen mit einer fallenden Mikrostruktursonde sollen Aufschluss über Turbulenzen in den oberen 400 Metern der atlantischen Wassersäule geben.

Die zehnte Forschungsreise der MERIAN, MSM 10/1, begann am 1. November in Ponta Delgada auf den Azoren. Sie endet am 6. Dezember, wenn das Schiff wieder im Hafen von Mindelo auf den Kapverdischen Inseln festmacht. Wie schon bei der derzeit parallel laufenden Expedition des SFB 754 mit dem Forschungsschiff METEOR im Ostpazifik, können Interessierte die wissenschaftlichen Arbeiten an Bord der MARIA S. MERIAN im Internet verfolgen. In Zusammenarbeit mit planeterde.de berichten die Meeresforscher regelmäßig auf den Webseiten des geowissenschaftlichen Internetportals über ihre Arbeit auf See. "Dies gibt uns die Möglichkeit zu zeigen, dass die deutsche Meeresforschung weltweit aktiv ist, um Fragen zur zukünftigen Entwicklung unseres Planeten zu beantworten", sagt Douglas Wallace, Sprecher des SFB 754. In Kooperation mit planeterde.de dokumentiert außerdem der Internet TV-Sender realnature.tv die Arbeit der Kieler Meereswissenschaftler.

Hintergrundinformation:
Die Expedition MSM 10/1 ist die dritte Ausfahrt des Kieler Sonderforschungsbereiches (SFB) 754 "Klima-Biogeochemische Wechselwirkungen im Tropischen Ozean". Er wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziert. Wissenschaftler des Kieler Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) und der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) wollen in dem Programm unter anderem klären, wie tropische Sauerstoffminimum-Zonen (SMZ) auf Änderungen in der Ozeanzirkulation und Ventilation des tiefen Ozeans reagieren beziehungsweise welche Konsequenzen veränderte Sauerstoffgehalte für die Nährstoffversorgung und somit für das marine Leben im tropischen Ozean haben. Beteiligt an der Expedition ist auch der Kieler Exzellenzcluster "Ozean der Zukunft". In ihm forschen rund 120 Wissenschaftlern aus 26 Instituten der Christian-Albrechts-Universität, dem Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR), dem Institut für Weltwirtschaft (IfW) und der Muthesius Kunsthochschule. Ziele des Exzellenzclusters sind, den Ozeanwandel weiter zu erforschen, um so ein weltweites Management der Ozeane und mariner Ressourcen zu entwickeln.
Weitere Informationen:
http://www.planet-erde.de/
http://realnature.tv/channels/planeterde-tv/
http://www.realnature.tv
http://www.sfb754.de/

Dr. Andreas Villwock | idw
Weitere Informationen:
http://www.ifm-geomar.de/

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