Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Speisekarte des Urpferdchens erforscht - Artikel in der Hercynia

14.12.2009
Das weltweit berühmte fossile Urpferdchen gilt seit den 1930er Jahren als Wahrzeichen (Logo) des Geiseltalmuseums der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU).

Es hat vor rund 50 Millionen Jahren gelebt. Kaum jemand hat eine genaue Vorstellung davon, wie das Leben auf der Erde damals tatsächlich aussah. Was aber auf dem Speiseplan des Urpferdchens stand, können die Wissenschaftler heute genau sagen. Es fraß zum Beispiel vorwiegend Laubblätter, aber auch Früchte und Blüten. Soeben ist dazu ein Artikel in der Zeitschrift Hercynia, Bd. 42/2009 (Seiten 167-175) erschienen.

Dr. Meinolf Hellmund, Kustos des Geiseltalmuseums, und PD Dr. Volker Wilde, Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum, Sektion Paläobotanik in Frankfurt am Main, verfassten anhand ihrer aktuellen Forschungen den Artikel.

Ein unscheinbares, bislang nicht inventarisiertes Glasröhrchen mit Korkverschluss befindet sich schon seit 1933 in der Sammlung des halleschen Museums. Es enthält ein dreieckig umrissenes Braunkohlenstück. "Ich hielt es vor zwei Jahren plötzlich in der Hand und war wie elektrisiert", sagt Dr. Meinolf Hellmund. "Auf dem beiliegenden Etikett steht mit Bleistift vermerkt: Mageninhalt Paläohippide CI NO. Dies weckte meine Neugier." Anhand von Vergleichen ließ sich mit großer Sicherheit die Handschrift von Erhard Voigt (1905-2004) identifizieren, der 1933 bei den Ausgrabungen des Urpferdchens im Tagebau Cecilie ganz wesentlich beteiligt war. Trotz der rasch erlangten Berühmtheit des Urpferdchens erfolgte damals noch keine detaillierte systematische Bearbeitung aller gesicherten Bestandteile des Fundes. Es gab auch noch nicht die Untersuchungsmöglichkeiten wie heute, erklärt Hellmund. So geriet das Glasröhrchen offenbar in Vergessenheit.

Nun liegen neueste Erkenntnisse vor. Mit Hilfe eines Durchlichtmikroskops (LEITZ Metallux 3) und eines Rasterelektronenmikroskops gab das kleine Braunkohlestück den Speiseplan eines längst ausgestorbenen Tieres preis und sagt auch noch über sein Verhalten beim Nahrungserwerb etwas aus. Der "Mageninhalt" bzw. Inhalt des Verdauungstrakts des Urpferdchens (Propalaeotherium isselanum) gibt Auskunft über das Nahrungsspektrum und die Ernährungsbiologie dieses fossilen Lebewesens. "Die Untersuchung ergab deine dichte Packung von kleinen und kleinsten Fragmenten unterschiedlicher pflanzlicher Gewebe, darunter Früchte, Blüten und Samen", so Hellmund. Eine größere Zahl von Pollenkörnern ließ sich erkennen, überwiegend ein bestimmter Typ, nämlich Tedradenpollen höchstwahrscheinlich von Heidekrautgewächsen (Fam. Ericaceae). Darunter "gemischt" waren kleine Quarzkörner, vermutlich nicht absichtlich aufgenommener Sand, sogenannter Beifang, der beim Fressen von am Boden liegenden Früchten oder von Laub dabei war. Das Probenmaterial besteht aus intensiv zerkautem, durchmengten und teilweise anverdautem Inhalt des Verdauungstrakts, typisch für einen Pflanzenfresser. Die Befunde bestätigen somit, dass sich die im Mitteleozän lebenden Pferdeartigen aus dem Geiseltal ausschließlich vegetarisch ernährten. Die Ergebnisse deuten auch darauf hin, dass der Nahrungserwerb dieser Tiere opportunistisch und dem Zufall überlassen war.

Die Untersuchungen zeigen einmal mehr die Bedeutung der wissenschaftlichen Sammlungen des Geiseltalmuseums für die Forschung, zumal die Wissenschaftler früherer Jahrzehnte bei ihrer Arbeit im Tagebau mit Umsicht und Weitblick ihre Funde für spätere Gutachten archiviert haben.

Ansprechpartner:

Dr. Meinolf Hellmund
Institut für Geowissenschaften der MLU, Geiseltalmuseum
Telefon: 0345 55 26073
E-Mail: meinolf.hellmund@geo.uni-halle.de
Priv.-Doz. Dr. Volker Wilde
Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum, Sektion Paläobotanik, Frankfurt am Main
Telefon: 069 97075-1160
E-Mail: vwilde@senckenberg.de

Carsten Heckmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-halle.de
http://www.senckenberg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Kieler Forschende entschlüsseln neuen Baustein in der Entwicklung des globalen Klimas
20.04.2018 | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

nachricht Von GeoFlow zu AtmoFlow
20.04.2018 | Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: BAM@Hannover Messe: Innovatives 3D-Druckverfahren für die Raumfahrt

Auf der Hannover Messe 2018 präsentiert die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), wie Astronauten in Zukunft Werkzeug oder Ersatzteile per 3D-Druck in der Schwerelosigkeit selbst herstellen können. So können Gewicht und damit auch Transportkosten für Weltraummissionen deutlich reduziert werden. Besucherinnen und Besucher können das innovative additive Fertigungsverfahren auf der Messe live erleben.

Pulverbasierte additive Fertigung unter Schwerelosigkeit heißt das Projekt, bei dem ein Bauteil durch Aufbringen von Pulverschichten und selektivem...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: innovative 3D printing method for space flight

At the Hannover Messe 2018, the Bundesanstalt für Materialforschung und-prüfung (BAM) will show how, in the future, astronauts could produce their own tools or spare parts in zero gravity using 3D printing. This will reduce, weight and transport costs for space missions. Visitors can experience the innovative additive manufacturing process live at the fair.

Powder-based additive manufacturing in zero gravity is the name of the project in which a component is produced by applying metallic powder layers and then...

Im Focus: IWS-Ingenieure formen moderne Alu-Bauteile für zukünftige Flugzeuge

Mit Unterdruck zum Leichtbau-Flugzeug

Ingenieure des Fraunhofer-Instituts für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS) in Dresden haben in Kooperation mit Industriepartnern ein innovatives Verfahren...

Im Focus: Moleküle brillant beleuchtet

Physiker des Labors für Attosekundenphysik, der Ludwig-Maximilians-Universität und des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik haben eine leistungsstarke Lichtquelle entwickelt, die ultrakurze Pulse über einen Großteil des mittleren Infrarot-Wellenlängenbereichs generiert. Die Wissenschaftler versprechen sich von dieser Technologie eine Vielzahl von Anwendungen, unter anderem im Bereich der Krebsfrüherkennung.

Moleküle sind die Grundelemente des Lebens. Auch wir Menschen bestehen aus ihnen. Sie steuern unseren Biorhythmus, zeigen aber auch an, wenn dieser erkrankt...

Im Focus: Molecules Brilliantly Illuminated

Physicists at the Laboratory for Attosecond Physics, which is jointly run by Ludwig-Maximilians-Universität and the Max Planck Institute of Quantum Optics, have developed a high-power laser system that generates ultrashort pulses of light covering a large share of the mid-infrared spectrum. The researchers envisage a wide range of applications for the technology – in the early diagnosis of cancer, for instance.

Molecules are the building blocks of life. Like all other organisms, we are made of them. They control our biorhythm, and they can also reflect our state of...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

infernum-Tag 2018: Digitalisierung und Nachhaltigkeit

24.04.2018 | Veranstaltungen

Fraunhofer eröffnet Community zur Entwicklung von Anwendungen und Technologien für die Industrie 4.0

23.04.2018 | Veranstaltungen

Mars Sample Return – Wann kommen die ersten Gesteinsproben vom Roten Planeten?

23.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Von der Genexpression zur Mikrostruktur des Gehirns

24.04.2018 | Biowissenschaften Chemie

Bestrahlungserfolg bei Hirntumoren lässt sich mit kombinierter PET/MRT vorhersagen

24.04.2018 | Medizintechnik

RWI/ISL-Containerumschlag-Index auf hohem Niveau deutlich rückläufig

24.04.2018 | Wirtschaft Finanzen

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics