Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Sicher verankert im Meer

03.05.2010
Verschiedene Schichten des Meeresbodens reflektieren Schallwellen auf spezifische Weise. Diese Tatsache machen sich jetzt Forscher zunutze, um geeignete Offshore-Standorte für Windenergieanlagen aufzuspüren. Mit Luftdruckkanonen senden sie akustische Signale aus, die von Unterwassermikrofonen aufgezeichnet werden.

Weithin sichtbar ragen die Windräder aus der Nordsee – in scheinbar endlosen Reihen. Unverrückbar stehen sie dort und trotzen der rauen See. Um die besten Standorte für die Windenergieanlagen ausfindig zu machen, sind umfangreiche Untersuchungen des Meeresbodens erforderlich. Schließlich dürfen sich die Fundamente auch nach Jahren nicht im Sediment lockern.

Forscher des Fraunhofer-Instituts für Windenergie und Energiesystemtechnik IWES in Bremerhaven nutzen jetzt den Umstand, dass verschiedene Schichten des Meeresuntergrunds Schallwellen auf spezifische Weise reflektieren, um Offshore-Standorte zu bewerten. Mit Luftdruck- beziehungsweise Schallkanonen erzeugen die Wissenschaftler Signale, die von Unterwassermikrofonen aufgezeichnet werden. Die Messergebnisse über die Beschaffenheit des Bodens sind für die Fundamentplanung entscheidend.

»Um Schallsignale zu erzeugen, verwenden wir für unsere seismischen Messungen ausschließlich Luftdruckkanonen. Anhand der Schallgeschwindigkeit und der Laufzeit, die das Signal benötigt, um zum Mikrofon zu gelangen, können wir zum einen auf die Tiefenlage der verschiedenen Reflektoren beziehungsweise der Sedimentschichten schließen. Andererseits werden die Schallwellen an der Oberfläche des Meeresbodens und den darunterliegenden Sedimentschichten unterschiedlich stark zurückgestrahlt. Dort, wo sich die physikalischen Eigenschaften der einzelnen Meeresbodenschichten deutlich voneinander unterscheiden, fallen die Reflektionen besonders stark aus,« erklärt Florian Meier, Geologe am IWES. Sand habe sich aufgrund seiner Festigkeit als geeignetes Material für Offshore-Gründungen erwiesen. An Standorten mit Tonlagen seien oftmals genauere Untersuchungen notwendig, Böden mit Findlingen oder mächtigen Torflagen eigneten sich hingegen nicht als Baugrund.

Hydrophone, die in einem Streamer hinter einem Messschiff durchs Wasser gezogen werden, zeichnen die Reflektionen auf. Bei dem Streamer handelt es sich um einen bis zu mehrere Kilometer langen, mit Öl gefüllten, wasserdichten Schlauch. Die Hydrophone sind in einem Abstand von einem Meter zueinander angebracht. Eine Software analysiert die aufgezeichneten Signale. Der Rechner befindet sich praktischerweise gleich auf dem Schiff.

»Wir sind die ersten, die in der Nordsee in einer Tiefe von 20 bis 100 Metern die Flachwasser-Mehrkanalseismik nutzen, um den Baugrund zu erkunden. Während wir 50 und mehr Hydrophone verwenden, arbeiten andere Forscher oftmals lediglich mit nur einem Kanal. Die Mehrkanalmethode bürgt jedoch unter anderem für eine bessere Signalqualität. Außerdem werden bei den meisten Vermessungen oft keine Luftdruckkanonen eingesetzt. Mit diesen sind wir aber in der Lage, in tiefere Sedimentschichten bis zum Fundament der Windenergieanlagen vorzudringen,« sagt Meier. 2009 hat das IWES bereits eine seismische Baugrunderkundung für RWE durchgeführt.

Florian Meier | Fraunhofer Mediendienst
Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de/presse/presseinformationen/2010/05/windenergieanlagen-verankern.jsp

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Expedition ans Ende der Welt
29.11.2016 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Lakkolithe können auch während eines Vulkanausbruchs entstehen
24.11.2016 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie