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Drei römische Legionen - über 15.000 Mann - vernichtet: Das ist die bittere Bilanz der Schlacht im Teutoburger Wald, in der vor 2000 Jahren der Cherusker-Fürst Arminius den römischen Statthalter Varus besiegte.
Passend dazu melden Archäologen der Friedrich-Schiller-Universität Jena jetzt einen bemerkenswerten Fund: Bei Grabungsarbeiten entdeckten sie ein 118 Gramm schweres Bronzefragment, das zu einer lebensgroßen vergoldeten Reiterstatue gehört, die in der römischen Stadtgründung bei Waldgirmes an der Lahn im heutigen Hessen gestanden hat.
Nach dem Rückzug der Römer aus den rechtsrheinischen Gebieten Germaniens wurde die Stadt wie viele Kastelle und andere römische Anlagen aufgegeben. Von der Statue sind durch Zerstörung und Plünderung heute nur noch etwa 200 einzelne Fragmente erhalten.
"Für uns ist das eine Sensation", sagt Dr. Andreas Schäfer vom Bereich für Ur- und Frühgeschichte, "denn das Fragment gibt uns wichtige Hinweise auf die Datierung unserer Fundstelle und ihre kulturhistorischen Bezüge." Mit dem Fund des Bronzefragments hat der Jenaer Archäologe überhaupt nicht gerechnet.
Einige Kilometer entfernt von Waldgirmes suchten die Wissenschaftler bei Wetzlar-Dalheim Hinweise auf die frühe Eisenproduktion in dem Gebiet. Seit 2006 läuft dieses Projekt, dessen Förderung gerade durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) bis 2010 verlängert worden ist.
Über 40 Hektar Ackerland haben die Jenaer Wissenschaftler zunächst an der Oberfläche untersucht und geomagnetisch vermessen. Auffällige Abweichungen vom Erdmagnetfeld haben das besondere Interesse an zwei Arealen geweckt. Dort begannen die Archäologen gezielt mit Grabungen.
Dann die Überraschung: "Auf dem Areal befand sich etwa zehn Mal mehr Fundmaterial als wir erwartet hatten", so der Jenaer Archäologe Andreas Schäfer. "17.000 Fundstücke haben wir aus dem Areal insgesamt bisher geborgen." Von jedem einzelnen wurde die genaue Position im Grabungsfeld dreidimensional mit Hilfe eines sogenannten Tachymeters erfasst, um später die Arbeitsabläufe und die Produktionstechnologie am Fundort rekonstruieren zu können.
Dunkle Keramikgefäße germanischen Ursprungs, reich verziertes, aus Südfrankreich importiertes römisches Tafelgeschirr, verschiedene Gewandspangen - und eben jenes unscheinbare Bruchstück, das vermutlich zur Bronzestatue in Waldgirmes gehört. Jedes einzelne Teil wurde mit einem Fundzettel versehen, sorgfältig verpackt und zur Auswertung nach Jena geschafft.
Insbesondere mehrere tausend Eisenschlacken als Abfallprodukte der Erzverhüttung, darunter kompakte Stücke bis zu 40 Kilogramm Gewicht, haben die Grabungen ans Licht gebracht - zusammen mit den Resten von zwölf sogenannten Rennfeueröfen zur Eisenproduktion. Diese waren in einer nahezu rechteckigen Werkstattgrube entlang der Wände errichtet worden.
"Das ist die größte und besterhaltene Anlage aus dieser Zeit in Deutschland", weiß Schäfer, der sich seit mehr als zehn Jahren mit der frühen Eisenproduktion beschäftigt.
Aufgrund der Form der gefundenen Gewandspangen und Keramiken gehen die Archäologen von einer zweiphasigen Besiedelung der Fundstelle im 1. Jh. v. Chr. (späte Eisenzeit) sowie im ersten nachchristlichen Jahrhundert (frühe Römische Kaiserzeit) aus.
"Das Bruchstück des Reiterstandbildes liefert einen wichtigen Beleg für einen Siedlungsbeginn der zweiten Phase bereits um 9 n. Chr.", sagt Dr. Schäfer. Doch wie kam dieses Bronzefragment dorthin? Waren die Siedler bei Dalheim etwa an der Plünderung von Waldgirmes beteiligt? Und warum findet sich dort römisches Keramikgeschirr? Gab es Handelsbeziehungen zwischen Germanen und Römern oder wurde das Eisen gar im römischen Auftrag produziert? Solchen Fragen gehen die Jenaer Archäologen nun nach.
"Es liegt nahe, dass Rom nicht nur ein Interesse an der günstigen Verkehrsanbindung über die Flüsse Dill und Lahn hatte", so Schäfer. Vielmehr geht er davon aus, dass das Römische Kaiserreich auf die reichen Rohstoffressourcen Zugriff hatte und vielleicht auch die Produktionsplätze selbst sichern wollte.
Und noch eines erscheint Dr. Schäfer aufgrund seiner Funde fraglich: "Hat tatsächlich ein Bevölkerungswandel zwischen Kelten und Germanen in diesem Gebiet stattgefunden, wie es gemeinhin angenommen wird?" Um diese Fragen zu klären, wird im März wieder ein Grabungsteam ins Lahntal reisen und die Grabungsarbeiten weiterführen. Und Dr. Schäfer ist sich sicher: "Das Rätsel um das vergoldete Bronzestück werden wir auch lösen."
Kontakt:
Dr. Andreas Schäfer
Bereich Ur- und Frühgeschichte der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Löbdergraben 24a, 07743 Jena
Tel.: 03641/944893
E-Mail: schaefer.andreas[at]uni-jena.de
Manuela Heberer | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.uni-jena.de
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