Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Sensationelle Ausgrabung: Altbabylonisches Siegel in Ägypten gefunden

17.11.2009
Ägyptologen der Universität Wien und des Österreichischen Archäologischen Instituts in Kairo erforschen asiatische Herrschaft im Pharaonenland

Im 17. Jahrhundert v. Chr. geriet Ägypten in die Abhängigkeit einer fremden Dynastie aus Vorderasien: Die Hyksos brachten vom nordöstlichen Nildelta aus ganz Ägypten in ihre Abhängigkeit. Die Hauptstadt dieser Fremddynastie wurde von Manfred Bietak, Ägyptologe an der Universität Wien, bereits 1966 entdeckt. 2005 fanden Bietak und sein Team schließlich einen ausgedehnten Palastbezirk der Hyksos-Zeit. Bei ihrer gerade beendeten Herbstgrabung stießen sie nun auf ein Siegel aus der altbabylonischen Zeit.

Bisher ist nicht viel über Herkunft, Kultur- und Ereignisgeschichte der Hyksos in Ägypten bekannt. Sie regierten zwischen 1640 und 1530 v. Chr. von ihrer Hauptstadt Auaris im östlichen Nildelta aus Ägypten, bis die Pharaonen der 17./18. Dynastie die Hyksos besiegten und die Hauptstadt eroberten.

Univ.-Prof. Dr. Dr. hc. Manfred Bietak, Vorstand des Instituts für Ägyptologie der Universität Wien, arbeitet gemeinsam mit Dr. Irene Forstner-Müller, der neu ernannten Leiterin des Österreichischen Archäologischen Instituts in Kairo, und einem großen Team seit 2005 an der Freilegung dieses vorderasiatischen Palastes des Hyksos Chian auf einem Ruinenhügel namens Tell el-Dab'a im Nordosten Ägyptens.

10.000 Quadratmeter große Palastanlage

Bei den diesjährigen Untersuchungen konnte ein weitreichendes Areal der ca. 10.000 Quadratmeter großen Palastanlage freigelegt werden. Zur Überraschung der ForscherInnen entspricht der Palast nicht dem Plan eines ägyptischen Palastes, sondern reiht sich architektonisch unter die Königspaläste aus Syrien ein - dem Ursprungsland der Hyksos.

Bereits im Frühjahr fanden die WissenschafterInnen in der Füllung des Palastbrunnens der mittleren bis späten Hyksoszeit das Fragment einer babylonischen Keilschrifttafel aus den letzten Dezennien des Altbabylonischen Reiches (1600-1550 v. Chr.). "Es handelte sich dabei um das bisher älteste Keilschriftdokument in Ägypten und belegt die unerwartet weit reichenden diplomatischen Beziehungen der Dynastie der Hyksos", erklären Manfred Bietak und Irene Forstner-Müller.

Siegel aus der Zeit des Königs Hammurapi

Bei Grabungen im Oktober und November dieses Jahres kam nun ein weiteres interessantes Keilschriftdokument 500 Meter westlich des Palastes aus einer wesentlich späteren Grube in umgelagerter Situation zum Vorschein: Es handelt sich um ein Siegel, das in die altbabylonische Zeit datiert und einen hohen babylonischen Beamten, vermutlich aus der Zeit des Königs Hammurapi, nennt. Es ist denkbar, dass dieser Fund aus einem darunter befindlichen Tempelbezirk stammt, der mit dem Hyksospalast zeitgleich ist.

Die beiden Keilschriftdokumente sind eine unerwartete Quelle, die beweist, dass die Briefdiplomatie und der Geschenkaustausch zwischen den Höfen von Ägypten und Altbabylonien bereits 150 Jahre früher als bisher belegt datiert. "Es sieht derzeit so aus, als ob die Hyksos das Akkadische als diplomatische lingua franca und die Ferndiplomatie in Ägypten lange vor der Zeit des Neuen Reiches eingeführt haben", so die ÄgyptologInnen.

Im Frühjahr 2010 wird die Grabung im Palast fortgesetzt. "Wir hoffen auf weitere Funde und Befunde, die Licht auf diese - aus schriftlichen Dokumenten nur sehr schütter erschlossenen - Zeit werfen können", so die beiden Grabungsleiter abschließend.

Kontakte:
O. Univ.-Prof. Dr. Dr. hc. Manfred Bietak
Vorstand des Instituts für Ägyptologie
Universität Wien
1090 Wien, Frankgasse 1
T +43-1-4277-431 03
M +43-664-434 12 74
manfred.bietak@univie.ac.at
Dr. Irene Forstner-Müller
Leiterin
Österreichisches Archäologisches Institut in Kairo
T +202 273 62 356
M +2010 515 03 79
irene.forstner_mueller@oeai.at
Rückfragehinweis:
Mag. Alexandra Frey
Öffentlichkeitsarbeit
Universität Wien
1010 Wien, Dr.-Karl-Lueger-Ring 1
T +43-1-4277-175 31
alexandra.frey@univie.ac.at

Veronika Schallhart | idw
Weitere Informationen:
http://www.univie.ac.at/175
http://www.oeai.at/organis/kairo.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Meeresforschung in Echtzeit verfolgen
22.02.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

nachricht Weniger Sauerstoff in allen Meeren
16.02.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie Proteine Zellmembranen verformen

Zellen schnüren regelmäßig kleine Bläschen von ihrer Außenhaut ab und nehmen sie in ihr Inneres auf. Daran sind die EHD-Proteine beteiligt, die Professor Oliver Daumke vom MDC erforscht. Er und sein Team haben nun aufgeklärt, wie sich diese Proteine auf der Oberfläche von Zellen zusammenlagern und dadurch deren Außenhaut verformen.

Zellen schnüren regelmäßig kleine Bläschen von ihrer Außenhaut ab und nehmen sie in ihr Inneres auf. Daran sind die EHD-Proteine beteiligt, die Professor...

Im Focus: Safe glide at total engine failure with ELA-inside

On January 15, 2009, Chesley B. Sullenberger was celebrated world-wide: after the two engines had failed due to bird strike, he and his flight crew succeeded after a glide flight with an Airbus A320 in ditching on the Hudson River. All 155 people on board were saved.

On January 15, 2009, Chesley B. Sullenberger was celebrated world-wide: after the two engines had failed due to bird strike, he and his flight crew succeeded...

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Poseidon goes Politics – Wer oder was regiert die Ozeane?

27.02.2017 | Veranstaltungen

Fachtagung Rapid Prototyping 2017 – Innovationen in Entwicklung und Produktion

27.02.2017 | Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Herz-Untersuchung: Kontrastmittel sparen mit dem Mini-Teilchenbeschleuniger

27.02.2017 | Medizintechnik

Neue Maßstäbe für eine bessere Wasserqualität in Europa

27.02.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wenn der Schmerz keine Worte findet - Künstliche Intelligenz zur automatisierten Schmerzerkennung

27.02.2017 | Medizintechnik