Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schönheiten in der Dunkelheit

31.05.2011
Kieler Meeresforscher untersuchen Kaltwasserkorallen in der Biskaya

Meeresforscher des Kieler Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) wollen auf einer heute (31. Mai) beginnenden Expedition mit dem deutschen Forschungsschiff METEOR die bisher nur wenig bekannten Kaltwasserkorallenriffe im Golf von Biskaya untersuchen. Die empfindlichen Tiefseehabitate, die Heimat vieler mariner Organismen sind, stehen durch menschliche Einflüsse wie Klimaänderungen und Fischerei erheblich unter Druck.


Kaltwasserkorallen wie Lophelia pertusa bilden an den europäischen Kontinentalhängen von Nordnorwegen bis vor die Küste Westafrikas gewaltige Riffe. Ihre Erforschung steht jedoch noch am Anfang. Foto: Jago-Team, IFM-GEOMAR

Die vermutlich größten Korallenriffe der Erde erstrecken sich nicht vor Australien oder im Roten Meer, sondern zwischen Nordnorwegen und Mauretanien. Am europäischen und afrikanischen Kontinentalhang wachsen in mehreren hundert Metern Tiefe große Kolonien von sogenannten Kaltwasserkorallen. Im Gegensatz zu den bekannteren tropischen Korallen benötigen sie kein Licht für ihr Wachstum. Da sie in großen Tiefen leben, waren sie lange unbekannt.

Die systematische Erforschung der Kaltwasserkorallen begann erst Ende des 20. Jahrhunderts. Viele Fragen sind noch ungeklärt, zum Beispiel welche Umweltbedingungen ihr Vorkommen begünstigen, welche sie schädigen oder wie sie sich genau verbreiten. Die aktuelle Fahrt des deutschen Forschungsschiffs METEOR unter der Leitung des Paläo-Ozeanographen Dr. Sascha Flögel vom Kieler Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) soll helfen, einige dieser Fragen zu beantworten.

Die METEOR startet heute (31. Mai) vom spanischen Hafen Vigo und läuft mehrere Arbeitsgebiete entlang des europäischen Kontinentalhangs in der Biskaya an. Die Wissenschaftler an Bord werden dort die Verteilung und das Vorkommen lebender und fossiler Kaltwasserkorallen dokumentieren. Außerdem untersuchen sie die Bedingungen, unter denen die Korallen dort leben. Dabei setzen die Forscher unter anderem autonome Unterwasserlabore, sogenannte Lander, sowie ozeanographische Messsonden ein, um die physikalischen und chemischen Eigenschaften des Meerwassers rund um die Kaltwasserkorallen-Kolonien zu bestimmen. „Daten früherer Expeditionen zeigen, dass Kaltwasserkorallen unter sehr unterschiedlichen Bedingungen gedeihen können“, sagt Flögel, „wir wollen jetzt herausfinden, welche Faktoren für ihr Vorkommen in diesem Seegebiet bestimmend sind und mit anderen Vorkommen vergleichen.“

In einem zweiten Schwerpunkt der Expedition wollen Paläo-Ozeanographen untersuchen, wie sich die Wassermassen an der Grenze zwischen den flachen Schelfgebieten und den atlantischen Tiefseebecken vermischen und welche Prozesse dabei ablaufen. „Das ist im Arbeitsgebiet besonders interessant, weil dort das aus dem Mittelmeer ausströmende Wasser von Gibraltar Richtung Norden fließt“, sagt Flögel. Mit präzisen Isotopenmessungen wollen die Wissenschaftler nicht nur den aktuellen Weg des Wassers nachverfolgen, sondern auch die Veränderungen der Meeresströmung in den vergangenen 2000 Jahren rekonstruieren. „Diese Daten sagen uns auch etwas über die Lebensbedingungen fossiler Kaltwasserkorallen“, so Flögel.

Die Forschungsreise endet am 21. Juni in Brest, Frankreich.

Expedition auf einen Blick:
METEOR-Expedition 84/5
Forschungsthema: Kaltwasserkorallen und Vermischungsprozesse am Kontinentalhang in der Biskaya
Wissenschaftlicher Fahrtleiter: Dr. Sascha Flögel (IFM-GEOMAR)
Start: 31. Mai 2011, Vigo (Spanien)
Ende: 21. Juni 2011, Brest (Frankreich)

Andreas Villwock | Leibniz-Institut
Weitere Informationen:
http://www.ifm-geomar.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Der Januskopf des südasiatischen Monsuns
15.06.2018 | Max-Planck-Institut für Chemie

nachricht Was das Eis der West-Antarktis vor 10.000 Jahren gerettet hat, wird ihr heute nicht helfen
14.06.2018 | Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: AchemAsia 2019 in Shanghai

Die AchemAsia geht in ihr viertes Jahrzehnt und bricht auf zu neuen Ufern: Das International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production findet vom 21. bis 23. Mai 2019 in Shanghai, China statt. Gleichzeitig erhält die Veranstaltung ein aktuelles Profil: Die elfte Ausgabe fokussiert auf Themen, die für Chinas Prozessindustrie besonders relevant sind, und legt den Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit und Innovation.

1989 wurde die AchemAsia als Spin-Off der ACHEMA ins Leben gerufen, um die Bedürfnisse der sich damals noch entwickelnden Iindustrie in China zu erfüllen. Seit...

Im Focus: AchemAsia 2019 will take place in Shanghai

Moving into its fourth decade, AchemAsia is setting out for new horizons: The International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production will take place from 21-23 May 2019 in Shanghai, China. With an updated event profile, the eleventh edition focusses on topics that are especially relevant for the Chinese process industry, putting a strong emphasis on sustainability and innovation.

Founded in 1989 as a spin-off of ACHEMA to cater to the needs of China’s then developing industry, AchemAsia has since grown into a platform where the latest...

Im Focus: Li-Fi erstmals für das industrielle Internet der Dinge getestet

Mit einer Abschlusspräsentation im BMW Werk München wurde das BMBF-geförderte Projekt OWICELLS erfolgreich abgeschlossen. Dabei wurde eine Li-Fi Kommunikation zu einem mobilen Roboter in einer 5x5m² Fertigungszelle demonstriert, der produktionsübliche Vorgänge durchführt (Teile schweißen, umlegen und prüfen). Die robuste, optische Drahtlosübertragung beruht auf räumlicher Diversität, d.h. Daten werden von mehreren LEDs und mehreren Photodioden gleichzeitig gesendet und empfangen. Das System kann Daten mit mehr als 100 Mbit/s und fünf Millisekunden Latenz übertragen.

Moderne Produktionstechniken in der Automobilindustrie müssen flexibler werden, um sich an individuelle Kundenwünsche anpassen zu können. Forscher untersuchen...

Im Focus: First real-time test of Li-Fi utilization for the industrial Internet of Things

The BMBF-funded OWICELLS project was successfully completed with a final presentation at the BMW plant in Munich. The presentation demonstrated a Li-Fi communication with a mobile robot, while the robot carried out usual production processes (welding, moving and testing parts) in a 5x5m² production cell. The robust, optical wireless transmission is based on spatial diversity; in other words, data is sent and received simultaneously by several LEDs and several photodiodes. The system can transmit data at more than 100 Mbit/s and five milliseconds latency.

Modern production technologies in the automobile industry must become more flexible in order to fulfil individual customer requirements.

Im Focus: ALMA entdeckt Trio von Baby-Planeten rund um neugeborenen Stern

Neuartige Technik, um die jüngsten Planeten in unserer Galaxis zu finden

Zwei unabhängige Astronomenteams haben mit ALMA überzeugende Belege dafür gefunden, dass sich drei junge Planeten im Orbit um den Säuglingsstern HD 163296...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Künstliche Intelligenz – Schafft der Mensch seine Arbeit ab?

15.06.2018 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Asteroidenforschung in Garching

13.06.2018 | Veranstaltungen

Meteoriteneinschläge und Spektralfarben: HITS bei Explore Science 2018

11.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

EMAG auf der AMB: Hochproduktive Lösungen für die vernetzte Automotive-Produktion

15.06.2018 | Messenachrichten

AchemAsia 2019 in Shanghai

15.06.2018 | Messenachrichten

Dem Fettfinger zu Leibe rücken: Neuer Nanolack soll Antifingerprint-Oberflächen schaffen

15.06.2018 | Materialwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics