Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie schnell schmilzt das Eis der Arktis?

13.03.2009
Expedition deutscher und russischer Meeresforscher in der Arktis

Nicht nur für Eisbären, auch für die gesamte Menschheit können Veränderungen in der Arktis ernste Folgen haben. Denn die Regionen des Nordpolarmeeres beeinflussen das Klima global.

Dass sie sich verändern, ist sicher. So hat die durchschnittliche Meereisbedeckung in den Sommermonaten der drastisch abgenommen. Im September 2008 lag sie rund 34 Prozent unter dem langjährigen Mittelwert.

Eine internationale Forschergruppe unter der Leitung des Kieler Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften startet am 15. März zu einer sechswöchigen Expedition in die russische Arktis. Sie will herausfinden, wie rasch sich das Klima dort ändert und welche globalen Auswirkungen dies haben könnte.

Schwitzen bei minus 30 Grad Celsius - das erwartet die 18 Teilnehmer der Expedition TRANSDRIFT XV nach ihrer Ankunft in der nordsibirischen Hafenstadt Tiksi. Der 5000-Einwohner-Ort nahe dem Lena Delta wird für sechs Wochen das Hauptquartier der Meeres- und Klimaforscher sein. Ihr eigentliches Arbeitsgebiet liegt noch einmal zwei bis drei Hubschrauber-Flugstunden weiter nördlich auf dem Festeis der arktischen Laptev-See. Auch im April herrschen dort tagsüber Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt.

"Trotzdem wird uns manchmal ganz schön warm werden. Arktisforschung ist auch Knochenarbeit", erklärt die Projektleiterin Dr. Heidemarie Kassens vom Kieler Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR). Löcher ins Eis bohren, um Messstationen im Meer zu versenken, Wetterstationen aufstellen, Kabel verlegen - unter den extremen Bedingungen der Arktis ist dabei viel Handarbeit gefragt.

TRANSDRIFT XV ist die zweite Winterexpedition in dieser Gegend, die sich speziell mit den so genannten Polynjas beschäftigt. Das sind freie Wasserflächen, die sich im Winter trotz arktischer Temperaturen zwischen dem Festeis der Küstenregion und dem Packeis des Nordpolarmeeres bilden. Sie sind von zentraler Bedeutung für die Schifffahrt, aber auch für die Produktion von neuem Meereis. Zudem reagieren sie sehr sensibel auf Veränderungen der Meeresströmungen oder der Luftzirkulation. Deshalb können sie als Modell für Veränderungen in der gesamten Arktis dienen. Gleichzeitig ist die Entwicklung der Polynjas selbst wichtig für Prognosen des Klimawandels in der Arktis und weltweit.

Von mehreren provisorischen Camps auf dem Festeis der Laptev-See werden die Wissenschaftler meteorologische, ozeanographische, biologische, und meereschemische Untersuchungen durchführen. Dafür werden meteorologische Messstationen errichtet und vier Kurzzeit-Meeresobservatorien in der Polynja verankert. Proben vom Meeresboden der dort nur etwa 30 Meter tiefen Laptev-See sollen Aufschluss über die Entwicklung der Klimabedingungen in den vergangenen 15.000 Jahren geben - Daten, die auch helfen, Klimaprognosen für die Zukunft zu verbessern. "Zusammen mit den Daten der vorherigen Expedition hoffen wir so die Veränderungen in der Arktis besser zu verstehen, um die Auswirkungen auf die gesamte Erde einschätzen zu können", sagt Dr. Kassens.

Das Expeditions-Team wird täglich auf der Projekt-Homepage über die Arbeit im arktischen Eis berichten. Per Live-Schaltung wird Dr. Kassens am 20. März außerdem an einer Diskussion zum Abschluss des internationalen Polar-Jahres 2008/09 beim deutsch-französischen Wissenschaftsforum in Paris teilnehmen.

Hintergrundinformationen:
An der Expedition Transdrift XV nehmen insgesamt 18 Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Meerswissenschaften (IFM-GEOMAR), des Alfred-Wegner-Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI), des Staatlichen Instituts für Arktis und Antarktisforschung der Russischen Föderation (AARI), des Lena-Delta-Reservates sowie der Universitäten Trier, Moskau und St. Petersburg teil. Die Expedition wird finanziert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Projektes "Laptev-See-Polynja" sowie von russischer Seite vom AARI und vom russischen Ministerium für Wissenschaft und Bildung.
Ansprechpartner:
Dr. Heidemarie Kassens, Tel.: 04 31 / 6 00 - 28 50, hkassens@ifm-geomar.de
Jan Steffen (Öffentlichkeitsarbeit), Tel. 04 31 / 6 00 - 2811, jsteffen@ifm-geomar.de

Dr. Andreas Villwock | idw
Weitere Informationen:
http://www.ifm-geomar.de/index.php?id=4952
http://www.moskau.diplo.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Kieler Forschende entschlüsseln neuen Baustein in der Entwicklung des globalen Klimas
20.04.2018 | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

nachricht Von GeoFlow zu AtmoFlow
20.04.2018 | Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Im Focus: Spider silk key to new bone-fixing composite

University of Connecticut researchers have created a biodegradable composite made of silk fibers that can be used to repair broken load-bearing bones without the complications sometimes presented by other materials.

Repairing major load-bearing bones such as those in the leg can be a long and uncomfortable process.

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Grösster Elektrolaster der Welt nimmt Arbeit auf

20.04.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Bilder magnetischer Strukturen auf der Nano-Skala

20.04.2018 | Physik Astronomie

Kieler Forschende entschlüsseln neuen Baustein in der Entwicklung des globalen Klimas

20.04.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics