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Zurzeit rollt ein Tiefdruckgebiet nach dem anderen aus dem Nordatlantik heran. Dennoch machen sich am 15. Juli 2009 die Bremer Umweltphysiker erneut auf den Weg in Europas Wetterküche.
Nach der erfolgreichen "Zwei-Schiffe"-Expedition im Sommer 2008 sind die Wissenschaftler vom Institut für Umweltphysik der Universität Bremen nun 40 Tage mit dem Forschungsschiff Maria S. Merian unterwegs, um die Bedeutung des Nordatlantiks im Klimasystem der Erde zu erforschen.
Unter der Leitung von Professorin Monika Rhein führt ihr Weg von Reykjavik (Island) an Grönland vorbei in die Labradorsee, der Meeresregion zwischen Grönland und Kanada. Hier findet im Winter die Bildung von Tiefenwasser statt, deren Schwankungen die Bremer Arbeitsgruppe seit mehr als zehn Jahren untersucht.
Die Bildung von Tiefenwasser ist für das Klimasystem von großer Bedeutung. Warmes Oberflächenwasser, das der Golfstrom aus den Tropen in den Nordatlantik einträgt, wird in kaltes Tiefenwasser umgewandelt, das sogenannte Labradorseewasser. Hierbei entzieht die kalte arktische Luft die im Ozean enthaltene Wärme, welche an die Atmosphäre abgegeben wird. Diese Wärme kommt Europa zugute und beschert uns ein vergleichsweise mildes Klima. Das Labradorseewasser fließt in ca. 1000-2000m Tiefe wieder zurück in Richtung Tropen und breitet sich im Weltozean aus.
Die bisherigen Ergebnisse der Bremer Forscher zeigten ein seit 1997 anhaltendes Abschwächen der Bildung von Labradorseewasser. Die ozeanischen und atmosphärischen Bedingungen im Winter 2007/2008 führten jedoch zu einer vorübergehenden Intensivierung. "Bisherige Messungen deuten auf einen 'Schluckauf' in der Tiefenwasserbildung hin und nicht auf eine Umkehr des vorherrschenden Trends", erklärt Projektleiterin Monika Rhein. Die Messungen der Reise dienen der weiteren Quantifizierung der Tiefenwasserbildung und der Fortsetzung der bisherigen Zeitreihe. Nach Beendigung der Arbeiten in der Labradorsee führt die Reise ins Neufundlandbecken. Hier werden Tiefseeverankerungen am Osthang der Flämischen Kappe ausgelegt, einer Unterwasserkuppe östlich von Neufundland. "Der tiefe westliche Randstrom, der als eine Art Schnellstraße für den südwärtigen Export von Tiefenwasser fungiert, ist hier sehr eng und fokussiert und kann mit vergleichsweise geringem Geräteaufwand vermessen werden. Wir wollen mit diesen Messungen die Stärke des Ausstroms aus der Labradorsee vermessen'", so die Umweltphysikerin.
Das weitere Feldprogramm führt die Bremer Forscher schließlich zum Mittelatlantischen Rücken, wo die Messungen ihren Abschluss finden. Dann begibt sich die Maria S. Merian auf ihren Heimweg und wird am 22. August 2009 Bremerhaven erreichen, wo die Reise enden wird. Die Messungen erfolgen im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projektes "Nordatlantik."
Achtung Redaktionen: In der Uni-Pressestelle kann unter 0421 218 60150 oder E-Mail presse@uni-bremen.de ein digitales Foto von der Maria S. Merian angefordert werden. Prof. Monika Rhein ist ab Mittwoch, 15. Juli 2009 per Mail mrhein@physik.uni-bremen.de zu erreichen.
Weitere Informationen:
Universität Bremen
Institut für Umweltphysik
Prof. Dr. Monika Rhein
Tel. 0421 218 2408
E-Mail: mrhein@physik.uni-bremen.de
Angelika Rockel | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.ocean.uni-bremen.de
Weitere Berichte zu: Grönland > Klimasystem > Labradorsee > Labradorseewasser > MERIAN > Nordatlantik > Schluckauf > Tiefenwasser > Tiefenwasserbildung > Tropen > Umweltphysiker > Wärme
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