Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schatzsuche auf dem Meeresgrund

14.06.2013
Häufige Vulkanausbrüche und teils heftige Erdbeben: Die Bewohner des Inselstaats Vanuatu können dem Boden unter ihren Füßen nur bedingt Vertrauen schenken. Zuverlässig sind dagegen die Auskünfte, die aus den zugrundeliegenden geologischen Prozessen gewonnen werden.

Wenn das deutsche Forschungsschiff „SONNE“ am 26. Juni 2013 in Australien in den Südwest-Pazifik aufbricht, hoffen die Wissenschaftler nicht nur auf Erkenntnisse über Metallvorkommen auf dem Meeresgrund.

Die Expedition, koordiniert vom Lehrstuhl für Endogene Geodynamik des GeoZentrums Nordbayern an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), könnte auch Hinweise finden, wie das Leben auf der Erde entstanden ist.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert das Projekt mit rund 1,1 Millionen Euro. Neben der FAU sind Forscher der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover, der Jacobs Universität Bremen und der Universität Kiel sowie kanadische und australische Wissenschaftler beteiligt. Für die Untersuchungen der Zusammenhänge zwischen vulkanischen, fluidgeochemischen, lagerstättenkundlichen und biologischen Vorgängen wird ein Tauchroboter aus Kiel eingesetzt. Insgesamt dauert die Reise einen Monat; am 27. Juli wird die „SONNE“ im Hafen zurück erwartet.

Die 83 Inseln von Vanuatu ziehen sich in einem langgestreckten Bogen über 1.300 Kilometer. Schon die Form, die sich aus der Vogelperspektive deutlich abzeichnet, zeigt an, dass in dieser Stelle zwei Kontinentalplatten aufeinandertreffen. Die meisten Inseln der Gruppe sind vulkanische Ursprungs, und an mehreren Orten steigt auch heute Magma aus dem Erdmantel bis zur Erdoberfläche. Gleichzeitig reißt die Erdkruste hinter dem Inselbogen auf. Dabei entstehen bis zu 3500 Meter tiefe Gräben, die ebenfalls vulkanisch aktiv sind. All dies, samt den Begleiterscheinungen wie Erdbeben und Tsunamis, lässt keinen Zweifel daran: Die äußerste Schale der Erde bewegt sich, ähnlich einer Haut, die gerunzelt wird. Hier wird die Kruste des Indischen Ozeans unter die Pazifische Platte geschoben; es handelt sich um eine sogenannte Subduktionszone.

Der Zustrom von Magma ins Meer, unterseeische Vulkane und heiße Quellen wie die „Schwarzen Raucher“ mit bis zu 400 Grad Celsius heizen das Seegebiet um Vanuatu auf. In der Wärme werden die obersten Bereiche der Erdkruste vergleichweise stark vom Meerwasser durchspült, das zahlreiche der enthaltenen chemischen Elemente in den Ozean schwemmt. Die gelösten Minerale fällen dort wieder aus und werden beispielsweise als dunkle „Rauchfahnen“ sichtbar, denen Schwarze Raucher ihren Namen verdanken. So reichern sich Edelmetalle wie Kupfer, Silber und Gold an – Grund genug für eine „Schatzsuche“ nach Lagerstätten dieser Elemente.
Die Expeditionen zum Meeresgrund übernimmt der Tauchroboter KIEL 6000 des Geomar Helmholtz Zentrums für Ozeanforschung. Er soll nicht nur Daten über die geologischen und geochemischen Prozesse sammeln, sondern auch über biochemische und biologische Vorgänge. Denn die Stoffe, die das Meer ausgewaschen hat, bilden die Grundlage für eine außergewöhnliche Tierwelt in der Region um Vanuatu. Für den Stoffwechsel dieser Spezies sind die aus der Kruste gelösten Substanzen lebensnotwendige Bausteine. Möglicherweise ist das Leben auf unserem Planeten in einer ähnlichen Umgebung auf ähnliche Weise entstanden. Dieser Frage will das internationale Forscherteam ebenfalls nachgehen.

Prof. Dr. Karsten Haase
Tel.: 09131/85-22616
karsten.haase@fau.de

Blandina Mangelkramer | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-erlangen.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Die Ostsee als Zeitmaschine
14.05.2018 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

nachricht Erste Bohrung in einen aktiven Unterwasservulkan
09.05.2018 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

Passt eine ultrakalte Wolke aus zehntausenden Rubidium-Atomen in ein einzelnes Riesenatom? Forscherinnen und Forschern am 5. Physikalischen Institut der Universität Stuttgart ist dies erstmals gelungen. Sie zeigten einen ganz neuen Ansatz, die Wechselwirkung von geladenen Kernen mit neutralen Atomen bei weitaus niedrigeren Temperaturen zu untersuchen, als es bisher möglich war. Dies könnte einen wichtigen Schritt darstellen, um in Zukunft quantenmechanische Effekte in der Atom-Ion Wechselwirkung zu studieren. Das renommierte Fachjournal Physical Review Letters und das populärwissenschaftliche Begleitjournal Physics berichteten darüber.*)

In dem Experiment regten die Forscherinnen und Forscher ein Elektron eines einzelnen Atoms in einem Bose-Einstein-Kondensat mit Laserstrahlen in einen riesigen...

Im Focus: Algorithmen für die Leberchirurgie – weltweit sicherer operieren

Die Leber durchlaufen vier komplex verwobene Gefäßsysteme. Die chirurgische Entfernung von Tumoren ist daher oft eine schwierige Aufgabe. Das Fraunhofer-Institut für Bildgestützte Medizin MEVIS hat Algorithmen entwickelt, die die Bilddaten von Patienten analysieren und chirurgische Risiken berechnen. Leberkrebsoperationen werden damit besser planbar und sicherer.

Jährlich erkranken weltweit 750.000 Menschen neu an Leberkrebs, viele weitere entwickeln Lebermetastasen aufgrund anderer Krebserkrankungen. Ein chirurgischer...

Im Focus: Positronen leuchten besser

Leuchtstoffe werden schon lange benutzt, im Alltag zum Beispiel im Bildschirm von Fernsehgeräten oder in PC-Monitoren, in der Wissenschaft zum Untersuchen von Plasmen, Teilchen- oder Antiteilchenstrahlen. Gleich ob Teilchen oder Antiteilchen – treffen sie auf einen Leuchtstoff auf, regen sie ihn zum Lumineszieren an. Unbekannt war jedoch bisher, dass die Lichtausbeute mit Elektronen wesentlich niedriger ist als mit Positronen, ihren Antiteilchen. Dies hat Dr. Eve Stenson im Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) in Garching und Greifswald jetzt beim Vorbereiten von Experimenten mit Materie-Antimaterie-Plasmen entdeckt.

„Wäre Antimaterie nicht so schwierig herzustellen, könnte man auf eine Ära hochleuchtender Niederspannungs-Displays hoffen, in der die Leuchtschirme nicht von...

Im Focus: Erklärung für rätselhafte Quantenoszillationen gefunden

Sogenannte Quanten-Vielteilchen-„Scars“ lassen Quantensysteme länger außerhalb des Gleichgewichtszustandes verweilen. Studie wurde in Nature Physics veröffentlicht

Forschern der Harvard Universität und des MIT war es vor kurzem gelungen, eine Rekordzahl von 53 Atomen einzufangen und ihren Quantenzustand einzeln zu...

Im Focus: Explanation for puzzling quantum oscillations has been found

So-called quantum many-body scars allow quantum systems to stay out of equilibrium much longer, explaining experiment | Study published in Nature Physics

Recently, researchers from Harvard and MIT succeeded in trapping a record 53 atoms and individually controlling their quantum state, realizing what is called a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

Visual-Computing an Bord der MS Wissenschaft

17.05.2018 | Veranstaltungen

Tagung »Anlagenbau und -betrieb der Zukunft«

17.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

18.05.2018 | Physik Astronomie

Countdown für Kilogramm, Kelvin und Co.

18.05.2018 | Physik Astronomie

Wie Immunzellen Bakterien mit Säure töten

18.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics