Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Sammler und Forscher entdecken im Schweizer Jura eines der grössten Meteoriten-Streufelder Europas

18.08.2016

Wissenschaftler des Naturhistorischen Museums der Burgergemeinde Bern (Schweiz) und der Universität Bern sowie eine Gruppe von rund 50 Meteoritensammler haben ein bedeutendes Meteoriten-Fallereignis zu Tage gefördert: Im Gebiet des Twannbergs, nahe der Schweizer Stadt Biel, haben sie ein grosses Streufeld entdeckt. Bislang sind rund 600 Fragmente des Meteoriten «Twannberg» gefunden worden. Es gehört in Europa zu den grössten Streufeldern und zu den drei wichtigsten Fallereignissen von Eisenmeteoriten.

Es handelt sich um den bedeutendsten Meteoriten-Fund in der Schweiz und europaweit um ein wichtiges Fallereignis: Unter der Leitung von Beda Hofmann vom Naturhistorischen Museum Bern hat ein Forscherteam in enger Zusammenarbeit mit der Universität Bern und einer Gruppe von rund 50 Meteoritensammlern ein grosses Meteoriten-Streufeld bei Twann im Kanton Bern (CH) nachweisen können:


Ein Meteoritensammler bei Grabungsarbeiten am Twannberg

NMBE/Peter Auchli

Dank mehreren Suchkampagnen und dem unermüdlichen Einsatz der Meteoritensammler während den letzten drei Jahren konnten inzwischen rund 600 Fragmente des Twannberg-Meteoriten aufgesammelt werden. In Europa gehört es zu den grössten bekannten Meteoriten-Streufeldern und den drei wichtigsten Streufeldern von Eisenmeteoriten, vergleichbar mit jenen von Morasko (Polen) oder Muonionalusta (Nordschweden).

Messungen der Edelgasgehalte am Physikalischen Institut der Universität Bern deuten darauf hin, dass der Himmelskörper einen Durchmesser von 6 bis zu 20 Metern aufwies, was einer Masse von 1'000 bis 30'000 Tonnen entspricht.

Zum Vergleich: Bei Morasko geht die Forschung von einer Masse von 1000 Tonnen aus. «Twannberg», wie der Meteorit offiziell heisst, würde damit sogar weltweit zu den grössten bekannten Eisenmeteoriten gehören. Das Alter das Fallereignisses von rund 160'000 Jahren wurde von Berner Physikern in Zusammenarbeit mit Forschern am Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf in Deutschland bestimmt.

Der Twannberg-Meteorit ist beim Fall in der Atmosphäre in unzählige Stücke zerrissen worden. Die Bruchstücke des Asteroiden fielen über ein Gebiet noch unbekannter Ausdehnung im Schweizer Jura, nördlich des Bieler Sees im heutigen Kanton Bern.

Die Erforschung des Streufeldes ist noch im Gange, aber bereits ist klar: Es ist sehr gross, die Zahl der gefallenen Meteoriten liegt wohl weit über 1000. Das bisherige Fundgebiet erstreckt sich über eine Länge von 5 Kilometer, es ist aber möglich, dass sich dieses bis auf 15 Kilometer ausdehnt (zum Vergleich: Muonionalusta 10 km, Morasko 2.7 km). Krater sind bislang keine gefunden worden, was wahrscheinlich auf die Vergletscherung des Gebiets vor 24 000 Jahren zurückzu führen ist.

Der Twannberg-Meteorit ist nicht nur der grösste der acht bekannten Meteoriten der Schweiz und der einzige, von dem mehrere Stücke bekannt sind. Auch handelt es sich um einen äusserst seltenen Typus. Von Eisenmeteoriten der Klasse IIG gibt es weltweit lediglich sechs an-erkannte Funde aus den USA, Chile, Südafrika und eben der Schweiz.

Die Geschichte des Twannberg-Meteoriten

Entdeckt wurde der Twannberg-Meteorit bereits 1984. Eine Bäuerin fand TW01 beim Steinesammeln auf einem Feld. Lange Zeit blieb der Erstfund das einzige bekannte Stück. Im Jahr 2000 wurde ein zweites Exemplar in einem Dachboden eines alten Hauses in Twann gefunden. Bis 2007 erfolgten drei kleine Funde von Goldwäschern im Twannbach – bis dahin konnten die gefundenen Fragmente nur bedingt Auskunft über den Fallortes geben, da sie entweder vom Bach oder von Menschenhand vom Fallort wegtransportiert wurden.

Zwischen 2009 und 2013 gelang der Fund von 78 Meteoriten mit Massen bis 177 g in der Twannbachschlucht. Trotz der massiv gestiegenen Anzahl an Funden blieb weiterhin unklar, wie weit die-se Meteoriten vom Bach transportiert wurden. Die grosse Zahl der Funde in relativ kurzer Zeit bestätigte jedoch, dass ein grosser Eisenmeteoritenschauer mit vielen Individualen vorhanden sein muss. Ein entscheidender Fund gelang 2013 (TW 83), weil es sich um das erste Exemplar handelte, das neu im Gebiet des Erstfundes aufgesammelt wurde.

Ab 2014 führte Beda Hofmann insgesamt fünf Suchkampagnen durch. Hofmann ist Leiter der Erdwissenschaften am Naturhistorischen Museum Bern und eine Kapazität im Bereich der internationalen Meteoritenforschung. Gemeinsam mit insgesamt fast 50 Meteoritensammlern, die nicht nur aus der Schweiz anreisten, sondern auch aus Deutschland, Tschechien oder gar Russland, wurde das Gebiet möglichst gezielt mit Metalldetektoren abgesucht .

Die Meteoriten befanden sich durchschnittlich rund 15 Zentimeter tief im Boden. Bis zum 1. Juni 2016 wurden insgesamt 570 Stücke mit einem Gesamtgewicht von 72.5 Kilo gefunden. Die Gesamtzahl ist in Zwischenzeit bereits gestiegen und wird in den nächsten Jahren mit Bestimmtheit weiter steigen.

Sonderausstellung zeigt Stücke des Twannberg-Meteoriten
Am 19. August eröffnet das Naturhistorische Museum Bern die Sonderausstellung «Twannberg-Meteorit – Jäger des verlorenen Schatzes», die der Öffentlichkeit Einblick in die spannenden Grabungs- und Forschungsarbeiten ermöglichen.

Weitere Informationen:

http://www.twannbergmeteorit.ch
http://www.nmbe.ch/informieren/aktuell/mediencorner
http://www.hou.usra.edu/meetings/metsoc2016/pdf/6160.pdf
http://www.hou.usra.edu/meetings/metsoc2016/pdf/6187.pdf

Simon Jäggi | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Der steile Aufstieg der Berner Alpen
24.03.2017 | Universität Bern

nachricht Internationales Team um Oldenburger Meeresforscher untersucht Meeresoberfläche
21.03.2017 | Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise